Düren - Zu hohe Mieten und viele marode Wohnungen in Düren

Zu hohe Mieten und viele marode Wohnungen in Düren

Von: Burkhard Giesen
Letzte Aktualisierung:
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Dass Wohnungen vollkommen marode vermietet werden, ist auch in Düren kein Einzelfall. Symbolbild: Imago/Reichwein

Düren. 14 Monate hat Sonja L. (Name von der Redaktion geändert) in ihrer kleinen Wohnung in der Alten Jülicher Straße gelebt. 220 Euro Kaltmiete für 48 Quadratmeter. Das klingt auf den ersten Blick nach einer üblichen Miete – bis die Wohnung vermessen wurde.

Das verblüffende Ergebnis: statt bei 48 Quadratmetern betrug die vermietete Wohnfläche gerademal 30 Quadratmeter. Damit lag die Miete um satte 95 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete.

Szenenwechsel: Valentin Veithen, Fraktionsvorsitzender der Linken im Kreistag und im Stadtrat, besucht einen Mieter in Düren Nord. In der Wohnung hatte es gebrannt, vermietet wurde sie anschließend trotzdem. „Die Wohnung wurde nicht renoviert. In der Küche gibt es ein Fenster, ansonsten sind Holzbretter statt Glas in den Fenstern. Die Heizung funktioniert nicht“, berichtet Veithen. Und: „Die Miete entspricht dem Höchstwert für diese Wohnungsgröße, der von der Dürener Jobcom akzeptiert wird“, weiß Veithen.

Dass jemand freiwillig in so einer Schrottimmobilie lebt, erklärt Veithen so: „Das trifft oft Personen, die eher am Rand der Gesellschaft leben. Die haben schon negative Schufa-Auskünfte und bekommen auf dem normalen Wohnungsmarkt nichts mehr.“

Und Sozialwohnungen? „Das Sozialamt hat keine Wohnungen, die sie vermitteln kann. Dann kommen noch der Bauverein und die Baugenossenschaft mit gut 3000 städtischen Wohnungen. Der Bauverein vergibt seine Wohnungen aber auch nach wirtschaftlichen Kriterien. Da ist auch eine Schufa-Auskunft erforderlich“, zeigt Veithen die Problematik in Düren auf. „Wer also nicht obdachlos werden will, greift dann eben zu so einem Angebot“, sagt er.

Seit Jahren bietet der Kommunalpolitiker Beratungen für Menschen an, die auf finanzielle Hilfen des Staates angewiesen sind. Immer wieder sind auch Personen dabei, die in vollkommen überteuerten Wohnungen leben, in Wohnungen, die baufällig sind. „Das ist auch kein Problem, das nur einen Stadtteil treffen würde. Das zieht sich durch die ganze Stadt“, weiß Veithen. Oft sei das auch ein schleichender Prozess.

„Es gibt Vermieter, die noch die Außenfassade sanieren, weil es dafür Zuschüsse gibt, und innen ist es dann vollkommen marode“, sagt Veithen. Veithen drängt darauf, dass Stadt und Kreis hier tätig werden. „Bisher war es möglich, allen Anzeigen, die einen berechtigten Verdacht eines Verstoßes gegen die Wohnungsaufsicht vermuten ließen, nachzugehen.

Dabei konnten die allermeisten zur Anzeige gebrachten Fälle einvernehmlich mit den Betroffenen geregelt werden. Nur in einzelnen Fällen musste von der Anordnung von Maßnahmen Gebrauch gemacht werden, da die Androhung meist ausreichte, um festgestellte Mängel zu beheben“, antwortet Michael Ramacher, Leiter des Dürener Sozialamtes, der um die Problematik weiß.

Er hat mit zusätzlichen Kontrollen aber noch ein ganz anderes Problem: „Diese Aufgabe setzt eine große zusätzliche personelle Kapazität voraus, die es zurzeit nicht gibt“, sagt er und verweist darauf, dass die Verwaltung ein entsprechendes Konzept erarbeitet, in der die Themen Schrottimmobilien und sozialer Wohnungbau behandelt würden. Ramacher: „Es geht hier um ein strategisch bedeutsames Thema, da geht dann auch mal Gründlichkeit vor Schnelligkeit.“

Gegen Gründlichkeit dürfte Veithen nichts einzuwenden haben. Dennoch sieht er auch Schnelligkeit gefragt. Noch in der jüngsten Ratssitzung hat er in einem konkreten Fall ein sofortiges Eingreifen der Bauverwaltung gefordert: „Ich halte es für erforderlich, dass diese Wohnungen kurzfristig von der städtischen Feuerwehr und der Bauverwaltung überprüft und geräumt werden“, schreibt Veithen in seinem Antrag, weil sowohl der Brandschutz in dem Haus nicht mehr gewährleistet sei, als auch in die Statik des Gebäudes eingegriffen wurde. Der Politiker drängt aber noch in einem anderen Punkt auf konsequenteres Durchgreifen. Er fordert verstärkte Kontrollen nach brandschutzrechtlichen Bestimmungen. Die könnten dann auch zum Ergebnis haben, dass Wohnungen für unbewohnbar erklärt werden.

Sein Ziel ist dabei aber nicht unbedingt die Räumung, weil die das Problem nicht lösen würde. Er setzt sich stattdessen dafür ein, dass die Stadt selbst handelt, wenn der Vermieter sich weigert. Veithen: „Nach dem Wohnungsaufsichtsgesetz gibt es die Möglichkeit der Ersatzvornahme. Das finanzielle Risiko für eine Kommune ist dabei überschaubar. Die Stadt könnte notfalls sowohl die Miete pfänden, als auch eine Grundlast eintragen lassen.“

Zurück zu Sonja L.: Deren überteuerte Miete wurde von der Jobcom getragen. Die fordert vom Vermieter jetzt 3.000 Euro zurück. Kreisdezernent Georg Beyß: „Wir bewilligen Unterkunftskosten für entsprechenden Wohnraum. Wenn wir Hinweise bekommen, dass wir getäuscht wurden, schreiten wir ein.“ Der Fall von Sonja L. ist vor Gericht gelandet und soll im Januar verhandelt werden. Es ist der erste Fall dieser Art. Sollte die Jobcom gewinnen, dürften weitere Fälle folgen.

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