Zu Gast beim „Boelcke“-Geschwader: Mit Vollgas gen Himmel

Von: Jörg Abels
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Auf dem Fliegerhorst Nörvenich erlebten die Leser unserer Zeitung im Rahmen der Sommertour den Eurofighter in Aktion ... Foto: Abels
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... und aus allernächster Nähe. Foto: Abels
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Oberstabsfeldwebel Thomas Hohlbein, Infomeister des Geschwaders, ... Foto: Abels
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... erklärte unter anderem die Bewaffnung und die Funktion der Triebwerke. Foto: Abels
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Bevor die Tour im kleinen „Boelcke“-Museum endete, stand noch eine Stippvisite bei der Fliegerhorst-Feuerwehr auf dem Plan. Foto: Abels

Nörvenich. Die Piloten geben Vollgas. Die beiden umgerechnet mehr als 150.000 PS starken Triebwerke heulen auf. Binnen Sekunden sind die Eurofighter in der Luft. Fast senkrecht geht es in den Nörvenicher Himmel, bevor die Piloten Richtung Norden abdrehen. Welche Kräfte in diesem Moment auf die Piloten einwirken, kann der Außenstehende nur erahnen.

„Die maximale Steigleistung beträgt 315 Meter pro Sekunde“, erklärt Oberstabsfeldwebel Thomas Hohlbein den erstaunten Teilnehmern unserer Leser-Sommertour, die drei der seltenen und unüberhörbaren Eurofighter-Starts mit Nachbrenner erleben – deutlich sichtbar am meterlangen Feuerschweif aus den beiden Triebwerken.

Früher – zu Zeiten des Tornados, der in Nörvenich von 1983 bis 2010 geflogen wurde, – waren Nachbrennerstarts die Regel. Nur mit dem zusätzlichen Schub kam der Tornado in die Luft. Beim Eurofighter, dem „fliegenden Computer“ (Hohlbein) mit einem Waffensystempreis von 80 Millionen Euro, kommt der Nachbrenner nur noch äußerst selten zum Einsatz.

Beispielsweise, wenn die Piloten des Taktischen Luftwaffengeschwaders 31 „Boelcke“ von Nörvenich aus den deutschen Luftraum sichern und es bei einem Alarmstart besonders schnell gehen muss, um etwa Kontakt mit einem nicht identifizierbaren Flugzeug im deutschen Luftraum aufzunehmen. Aber auch dieses seltene Szenario muss nun einmal trainiert werden. Normalerweise starten die Eurofighter ohne Nachbrenner. Denn selbst dann erzeugen die beiden Triebwerke noch so viel Schub, dass die Piloten nur gut 700 Meter der drei Kilometer langen Start- und Landebahn benötigen.

Hightech-Jet aus nächster Nähe erleben

Unsere Leser erleben den Eurofighter aber nicht nur live in Aktion, sondern in einer der beiden „Reihengaragen“ – in Fachkreisen „Ten Packs“ genannt – auch aus nächster Nähe. Thomas Hohlbein geht auf zahlreiche Details des modernsten Kampfflugzeugs der Luftwaffe ein, das in Nörvenich fit gemacht wird für den Einsatz mit Präzisionswaffen.

Ursprünglich war der Kampfjet als Jagdflugzeug konzipiert worden, in Zukunft soll mit ihm auch die lasergesteuerte Zielbekämpfung möglich sein, betont Hohlbein. Der Nachweis, dass die mit Unterstützung der „Boelcke“-Piloten entwickelten Updates in den Eurofighter-Computern erfolgreich umgesetzt wurden, soll noch 2017 in Schweden erbracht werden.

Gleichzeitig bereitet sich das Geschwader derzeit darauf vor, ab 2018 Teil der Nato Responce Force zu werden, der schnellen Eingreiftruppe. Daher sind Ende August auch noch einmal nächtliche Ausbildungsflüge vonnöten, die ansonsten in Nörvenich nur in den Wintermonaten stattfinden, wenn die Sonne schon am späten Nachmittag untergeht.

Hohlbein spricht über die Bewaffnung des Eurofighters – von der „mit einem überdimensionalen Trommelrevolver vergleichbaren Bordkanone“ bis zum Lenkflugkörper. Er erklärt, welche Möglichkeiten der Pilot hat, sich gegen Angriffe feindlicher Piloten zu wehren, geht auf die beiden Triebwerke ein, die beim Einsatz der Nachbrenner mal eben schlappe 300 Liter Kerosin pro Minute „schlucken“ und weist auf die verschiedenen Bremssysteme hin.

Normalerweise reichen die Formel 1 ähnlichen Bremsen in den Rädern aus. Zur Sicherheit aber verfügt der Eurofighter noch über einen Bremsfallschirm und einen Fanghaken. Der Jet könnte im Notfall auch mit Stahlseilen, die quer über die Landebahn gespannt sind, gestoppt werden. Auf einem Flugzeugträger jedoch könne er nicht landen. Dafür sei er schlichtweg nicht gebaut, antwortet Hohlbein auf eine Frage. Insbesondere die Fahrwerke seien nicht stabil genug, würden dem immensen Druck nicht standhalten.

Die knapp vierstündige Besichtigung des Fliegerhorsts vergeht wie im Fluge, zumal an diesem Tag auch Hubschrauber-Piloten der Bundespolizei und Tornado-Piloten in Nörvenich An- und Abflüge üben. Bevor unsere Leser zum Abschluss noch einen Blick in die militärgeschichtliche Sammlung des Geschwaders werfen, die im Übrigen an jedem ersten Freitag im Monat von 9 bis 12 u Uhr und nach Vereinbarung (Telefon 02426/100-2106) besichtigt werden kann, gibt es noch einen Zwischenstopp bei der Fliegerhorst-Feuerwehr, ohne deren Präsenz kein Flugzeug in Nörvenich starten oder landen darf.

Brandmeister Martin Hösen stellt noch kurz eines der modernen Flugfeldlöschfahrzeuge vor, das 6600 Liter Wasser mit sich führt und das mit zwei Werfern Distanzen von bis zu 75 Meter überbrücken kann.

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