Zu Fuß durch Neuseeland: Junge Dürenerin läuft 1700 Kilometer

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:
Natur, Einsamkeit und neue Erfahrungen
Viel Natur, atemberaubende Landschaften... Foto: Luca Flatten
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...und 1700 Kilometer zu Fuß... Foto: Luca Flatten
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oder per Kajak zurückgelegt. Foto: Luca Flatten
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Luca Franziska Flatten aus Düren ist drei Monate quer durch den Norden Neuseelands gewandert. Foto: Luca Flatten
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Das war Luca Franziska Flattens Ausrüstung. Ihr Rucksack hat 17 Kilogramm gewogen. Vor ihrer Reise nach Neuseeland ist die junge Frau ein paar Mal mit dem kompletten Gepäck von Düren nach Obermaubach und wieder zurück gelaufen, um sich an das Gewicht zu gewöhnen. Foto: Luca Flatten
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So sah das Zelt der jungen Dürenerin aus. Meistens hat Franziska Luca Flatten ihr Quartier einfach am Wegesrand oder im Wald aufgeschlagen. Das ist in Neuseeland erlaubt. Manchmal hat die angehende Medizinstudentin aber auch auf einem Campingplatz übernachtet. Foto: Luca Flatten
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ie Wanderschuhe waren nach 1700 Kilometer hin – und das nicht nur weil die Strecke zwischendurch ziemlich matschig war. Das Profil der Schuhe war total abgelaufen, der Stoff ein bisschen ramponiert. Trotzdem hat Luca Franziska Flatten die Treter wieder mit zurück nach Hause gebracht. Foto: Luca Flatten
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Unterwegs hat Luca Franziska Flatten das Ehepaar Anthony und Bellinda Hadfield getroffen, die auf dem gleichen Fernwanderweg unterwegs waren wie sie. Mit den beiden hat sich eine echte Freundschaft entwickelt, von ihnen hat sie viel über Neuseeland gelernt. Der Kontakt besteht noch heute. Foto: Luca Flatten

Düren. Eins hat Luca Franziska Flatten auf ihrer Reise durch Neuseeland gelernt: Sie kann auch schwierige Situationen alleine meistern. Die 19-jährige Dürenerin ist 1700 Kilometer quer durch den Norden Neuseelands gewandert – drei Monate lang, ganz alleine und nicht selten ohne ein funktionierendes Handynetz.

Dass sie einmal für längere Zeit ins Ausland wollte, war für Luca Franziska Flatten schon länger klar. „Wegen G 8 hat das aber während der Schulzeit nicht so gut geklappt.“ Ihre beiden älteren Schwestern haben ein Schuljahr in Australien verbracht, sie selbst wollte gerne nach Neuseeland. „Ich war von der Natur dieses Landes schon immer fasziniert. Und es hat mich auch sehr gereizt, einmal so weit weg von zu Hause zu sein.“

Luca Franziska Flatten hat überlegt, was sie in Neuseeland machen kann. „Von dem Programm ‚Work and Travel‘ haben mir Freunde abgeraten, weil es mittlerweile sehr überlaufen und die Jobs rar sind.“ Weil sie gerne wandert, hat Luca Franziska Flatten irgendwann „Neuseeland zu Fuß“ gegoogelt und ist auf den Fernwanderweg „Te Araroa“ gestoßen. „Ich war total begeistert“, sagt die junge Frau. „Und ich wollte diesen Weg unbedingt gehen.“

Ein Jahr lang hat Luca Franziska Flatten ihre Reise geplant, die sie auch selbst finanziert hat. „Ich habe mir einen genauen Etappenplan erstellt und auch sehr exakt festgelegt, wie viel Lebensmittel ich pro Etappe mitnehmen muss.“ Neuseeland ist ein sehr großes Land, oft hat Flatten tagelang keinen anderen Menschen gesehen und ist durch sehr einsame Gegenden gelaufen. „Eigentlich“, sagt sie lachend, „habe ich drei Monate immer nur dasselbe gegessen. Zum Frühstück Müsli mit Milchpulver, zum Mittagessen Wraps mit Peso oder Schokocreme und abends dehydrierte Mahlzeigen, die man mit heißem Wasser anrühren musste.“

Jeden Tag acht Stunden

Im Schnitt war die angehende Medizinstudentin jeden Tag um die acht Stunden unterwegs. „Es hat sich ziemlich schnell ein guter Laufrhythmus entwickelt mit immer dem gleichen Tempo und regelmäßigen Pausen.“ Luca Franziska Flatten ist an Cape Reinga, dem nordwestlichsten Punkt der neuseeländischen Nordinsel, gestartet und bis zur Hauptstadt Wellington gelaufen. Sie ist an Stränden entlang, durch Vulkanlandschaften und Wälder gelaufen, einmal war sie sogar einige Tage mit einem Kajak auf dem Fluss unterwegs. Flatten: „Ich habe das Land wirklich kennengelernt, weil ich auch durch sehr entlegene Ecken gekommen bin.“

Einmal hatte sie neun Tage kein funktionierendes Handynetz, einmal sieben Tage keine Gelegenheit, neue Lebensmittel zu kaufen. Und einmal hat sie sechs Tage keinen anderen Menschen getroffen. „Meine Eltern waren anfangs nicht begeistert, dass ich diese Reise machen möchte“, erzählt die junge Frau. „Aber als sie gemerkt haben, dass es mir absolut ernst ist, haben sie mich immer unterstützt.“ In Neuseeland, so Flatten, gäbe es keine giftigen Tiere. „Deswegen hatte ich in der Natur keine Angst. Außerdem hat Neuseeland eine der niedrigsten Kriminalitätsraten weltweit.

Mulmig war mir aber manchmal bei den großen Flussüberquerungen, die ich zu Fuß bewältigen musste.“ Anfangs sei es schon komisch gewesen, ganz auf sich alleine gestellt zu sein. „Ich habe schon gemerkt, dass ich mich vorher oft auch andere Menschen verlassen habe. Plötzlich musste ich selbst klarkommen. Und das hat funktioniert.“

Viel Zeit zum Nachdenken

Die Einsamkeit hat Luca Franziska Flatten nur wenig zu schaffen gemacht. „Es stimmt“, sagt sie lachend, „ich hatte wirklich sehr viel Zeit zum Nachdenken. Aber es hat auch gut getan. Und wenn mir die eigenen Gedanken manchmal doch zu viel wurden, habe ich Hörspiele gehört.“ Es sei ihr bei ihrer Wanderung durch Neuseeland klargeworden, dass sie Medizin studieren wolle. „Irgendwie ist mir klargeworden, dass ich Menschen helfen möchte.“

Einen schweren Rückschlag musste Luca Franziska Flatten während ihrer Wanderung auch erleben: „Nach etwa zwei Drittel des Weges habe ich mir einen Ermüdungsbruch im rechten Mittelfuß zugezogen und musste einen Monat Pause machen.“ Flatten hat so lange bei einem neuseeländischen Ehepaar gewohnt und hat nicht nur dort die große Gastfreundschaft der Neuseeländer kennengelernt. „Wenn ich Leute getroffen habe, waren die immer unglaublich freundlich. Das war toll.“ Es sei ihr sehr wichtig gewesen, den Weg zu Ende zu gehen. „Und das habe ich auch getan. Allerdings habe ich keine riesige Freude oder Erleichterung gespürt. Ich fand es eher schade, dass der Weg nun zu Ende ist.“

Bis zum Studienbeginn im Oktober absolviert Flatten ein Pflegepraktikum im Lendersdorfer Krankenhaus. „Das Wandern fehlt mir schon“, sagt sie. „Und ich werde sicherlich noch einmal eine Tour machen. Vielleicht gelingt es mir ja auch, die neuseeländische Südhalbkugel zu erlaufen.“ Überhaupt kann Luca Franziska Flatten sich vorstellen, noch einmal für längere Zeit ans andere Ende der Welt zu gehen. „Vielleicht zum Arbeiten, wenn ich einmal Ärztin bin.“

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