Zu Bohlen traut sie sich nicht: Simone Oberstein ist Straßenmusikerin

Von: Sarah Maria Berners
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Aus der Fußgängerzone in die
Aus der Fußgängerzone in die Konzertsäle: Die Dürener Musikerin Simone Oberstein tourt mit dem Mundharmonikaspieler Michael Hirte - bekannt aus Dieter Bohlens „Supertalent” - durch Deutschland. Foto: Berners

Birkesdorf. Noten lesen kann sie nicht, aber das hat sie nie daran gehindert, zu singen und Instrumente zu spielen. „Schon als Kind habe ich im Blockflötenunterricht immer nur zur Schau auf mein Notenblatt geschaut. Gespielt habe ich immer aus dem Kopf”, sagt Simone Oberstein.

Die 32-Jährige aus Birkesdorf ist Straßenmusikerin. Mit der Gitarre in der Hand ist sie seit fünf Jahren häufig in der Kölner Fußgängerzone anzutreffen. Dort spielt sie eigene Songs und bekannte Balladen. Im Sommer kann ein Tag in Köln bis zu 80 Euro bringen, im Winter aber ist die Straßenmusik kein gutes Geschäft und ein harter, kalter Job.

In diesen Wochen hat Simone Oberstein auch gar keine Zeit, um auf der Straße zu singen. Seit einigen Wochen begleitet sie Michael Hirte - das Mundharmonika spielenden Supertalent aus Dieter Bohlens Show - auf seiner „May Way”-Tour.

Die Sache mit den Noten hat Simone Oberstein übrigens mit ihren prominenten Weggefährten gemeinsam. Und auch er hat als Straßenmusiker sein Geld verdient. Jetzt spielt er in Sälen und Hallen vor 350 bis 800 Zuschauern - und Oberstein ist mit dabei. „Das ist alles sehr unwirklich, aber sehr, sehr schön”, sagt sie.

Entscheidender Tipp vom Friseur

Vom Friseur ihres Vaters hatte Simone Oberstein gehört, dass Michael Hirte gerne mal in einem Merkener Imbiss speist. Also fuhr sie hin. Schon beim zweiten Versuch hatte sie Glück: Hirte war da. Aber er hatte keine Zeit. „Später habe ich mir ihre Seite im Internet angeschaut und mir dort die Hörproben angehört. Ich war direkt begeistert. Sie hat wirklich Talent und ich dachte, ich möchte das unterstützen.” Da klingelte bei Simone Oberstein das Telefon. Sie durfte mit auf die Weihnachtstour 2009. „Er lässt mich meinen Traume leben”, sagt sie.

Musik - das ist, was Simone Oberstein seit ihrer Kindheit machen will. „Als ich meinen Eltern als Kind zum ersten Mal etwas vorgesungen habe, habe ich mich hinter dem Sessel versteckt”, erzählt die Sängerin und lacht. Ganz abgelegt hat sie ihre Schüchternheit noch nicht, aber auf der Bühne steht sie ihr nicht im Weg. Nach dem Hauptschulabschluss hat sie eine Ausbildung zur Floristin gemacht, aber es hat sie immer wieder zurück in die Musik gezogen und auf die Straße.

„Auf der Straße gibt es das ehrlichste, aber auch das härteste Publikum”, sagt Oberstein. Deswegen teste sie dort auch gerne ihre eigenen Pop-Balladen. Viele Passanten hören ihr nur für ein paar Augenblicke zu, schmeißen ein wenig Kleingeld in die Gitarrentasche und gehen weiter. Andere bleiben eine halbe Stunde stehen. Manche geben fünf Euro. „Dann weiß ich, dass meine Musik ihnen gefällt.”

Vorsingen bei Dieter Bohlen

Michael Hirte hat ihr auch geraten, „mal bei Dieter vorzusingen” und er räumt ihr gute Chancen ein. Aber sie traut sich nicht. „Ich will nicht bei Stefan Raab auf dem Buzzer landen, weil ich zum Beispiel unglücklich stolpere.” Aber vielleicht sei sie irgendwann gefestigt genug. Und vielleicht, dass ist Obersteins größter Wunsch, kann sie irgendwann ohne Gelegenheitsjobs von ihrer Musik leben. „Man muss schon eine Lebenskünstler sein, um mit dieser Kunst zu leben”, sagt sie. Aber das nimmt sie gerne in Kauf.
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