Nörvenich - Ziel des Pilotprojekts: Mehr Effizienz mit weniger Wehrleuten

Ziel des Pilotprojekts: Mehr Effizienz mit weniger Wehrleuten

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:
12330361.jpg
Im Einsatz, wenn's brennt: Zur Feuerwehr der Gemeinde Nörvenich gehören neun Löschgruppen mit 160 Feuerwehrleuten. Foto: imago/xcitepress
12330356.jpg
So sieht das Feuerwehrfahrzeug aus, das derzeit in Nörvenich getestet wird. Foto: Sandra Kinkel
12329787.jpg
Kommt bei Verkehrsunfällen zum Einsatz: das kombinierte Gerät „Schere und Spreizer“. Foto: Sandra Kinkel
12329389.jpg
Feuerwehrmann Berndgen und Gemeindebrandmeister Oliver Hartlieb (rechts) sind von dem Testfahrzeug überzeugt. Foto: Sandra Kinkel

Nörvenich. Die Freiwillige Feuerwehr der Gemeinde Nörvenich ist eine von fünf Feuerwehren in Nordrhein-Westfalen, die an einem gemeinsamen Pilotprojekt des Landesinnenministeriums, der Universität Wuppertal und dem „Institut der Feuerwehr“ in Münster teilnehmen. Ziel von „FeuerwehrEhrensache“ ist, mit moderner Technik effizienter zu löschen und zu retten.

Gerade ländliche Kommunen, erklärt Feuerwehrmann Peter Berndgen aus Nörvenich, hätten zunehmend Probleme. „Die Anforderungen werden immer höher, die Gefahren für die Wehrleute immer größer. Außerdem werden die Einsätze immer technisierter, was natürlich eine größere Ausbildung erfordert. Berndgen: „Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr ist eine sehr zeitintensive Angelegenheit, und es wird immer schwieriger, dafür Leute zu finden.“

Das sieht der Nörvenicher Gemeindebrandmeister Oliver Hartlieb ähnlich. „Wir stehen vor der Herausforderung, für Einsätze am Tag genügend Kameraden zu haben, die zur Verfügung stehen. Es wird immer schwieriger, die neun Personen, die wir für eine sogenannte taktische Einheit benötigen, zusammenzubekommen.“ Und genau hier setzt „FeuerwehrEhrensache“ an. Hartlieb: „Ein Teil des Projektes beschäftigt sich mit dem Thema Nachwuchsförderung, ein anderer mit dem Bereich Arbeitgeber. Wir haben uns für den Schwerpunkt Technik entschieden.“

Rund drei Monate testet die Feuerwehr Nörvenich einen von drei Feuerwehrwagen-Prototypen, die das „Institut der Feuerwehr“ mit entwickelt hat. „Das Fahrzeug“, sagt der Gemeindebrandmeister, „ist so effizient, dass es nur von vier bis fünf Leuten bedient werden muss.“ Größte Neuerung an dem Wagen ist, dass nicht mehr nur mit Wasser, sondern mit sogenanntem Druckluftschaum gelöscht wird. Berndgen: „Ein Liter Wasser wird mit etwas Schaum und sieben Litern Luft angereichert. So entsteht der Druckluftschaum.“

Die Vorteile liegen auf der Hand: Für den Löschvorgang wird weniger Wasser gebraucht, die Feuerwehrleute müssen am Einsatzort nicht als Erstes eine Leitung zum Hydranten legen. Hartlieb: „Außerdem sind die Schläuche viel leichter, weil sie zu etwa 50 Prozent komprimierte Luft enthalten.“ Auch die Schäden, die beim Löschen entstehen, sind dank der neuen Technik geringer, sagt Hartlieb. Wasserschäden seien nicht wie bisher zu erwarten.

Testphase bis August

Bis August wird das Testfahrzeug zu fast allen Einsätzen im gesamten Nörvenicher Gemeindegebiet mitgenommen. Jedes Mal müssen die beteiligten Wehrleute einen umfassenden Bericht für die Universität Wuppertal schreiben. „Wir haben uns für das Projekt beworben“, sagt Hartlieb. „Ein Grund dafür, dass wir den Zuschlag bekommen haben, ist, dass wir das Fahrzeug wirklich in der gesamten Gemeinde einsetzen.“

Einige Feuerwehrleute sind drei Tage lang am Institut in Münster für den modernen Wagen geschult worden. Außerdem ist das Fahrzeug an einer Brandsimulationsanlage in Nörvenich getestet worden. „Natürlich“, betont der Gemeindebrandmeister, „ist das im Augenblick für uns mehr Arbeit. Wir bekommen aber die große Chance, an einem wirklich innovativen Prozess mitzuarbeiten.“ Unter anderem soll es mit dem Testfahrzeug noch eine große Feuerwehrübung in Nörvenich geben.

Insgesamt dauert „FeuerwehrEhrensache“ noch bis 2017, danach präsentieren alle Beteiligten die Ergebnisse. Dieses Fahrzeug sei eine echte Alternative. Aber es ist auch rund 30.000 Euro teurer als ein Auto ohne die Möglichkeit, mit Druckluftschaum zu löschen. „Natürlich wissen wir um die knappen Kassen der Kommunen“, sagt der Feuerwehr-Chef, der sich von der Teilnahme an dem Pilotprojekt aber noch einen ganz anderen Nebeneffekt verspricht.

„Ich hoffe“, sagt der 50-Jährige, „dass wir mehr Akzeptanz und Verständnis für die Feuerwehr in der Bevölkerung schaffen können.“ Vielen Menschen sei es überhaupt nicht bewusst, dass die freiwilligen Feuerwehrleute sich ehrenamtlich in den Dienst ihrer Mitmenschen stellen würden. „Durch die Teilnahme an diesem Pilotprojekt können wir das auch noch einmal unterstreichen.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert