Ziel: Bis 2025 zehn Prozent weniger Autos

Von: Jörg Abels
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Um die Innenstadt für Radfahrer attraktiver zu machen, schlagen die Gutachter eine stärkere Kontrolle der oft zugeparkten Radfahrerschutzstreifen und den Bau zahlreicher Fahrradabstellanlagen vor. Foto: Jörg Abels
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Umstritten ist schon jetzt der Ausbau von Busspuren zur Förderung des ÖPNV. Foto: Jörg Abels

Düren. Im Grundsatz sind sich die „Ampel“-Mehrheit im Stadtrat und die CDU einig: Die Mobilität im Bereich der Stadt Düren soll in den kommenden zehn Jahren klimafreundlicher werden, der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid und anderer Luftschadstoffe gesenkt werden.

In einem im Auftrag der Koalition erstellten Klimaschutz-Teilkonzept Mobilität schlagen Experten eines Fachbüros aus Trier und des Instituts für Stadtbauwesen und Stadtverkehr der RWTH Aachen auf über 200 Seiten eine Vielzahl von Maßnahmen vor, mit denen die vom Verkehr ausgehenden Emissionen bis zum Jahr 2025 um rund 20 Prozent gesenkt werden könnten.

Anreize, aber keine Zwänge

Aus Sicht des Verkehrs- und Bauausschussvorsitzenden Peter Koschorreck (SPD) besteht mit Blick auf die Luftqualität dringender Handlungsbedarf. Für ihn steht fest, dass sich das Verkehrsverhalten ändern muss. Anreize sollen dafür sorgen, dass in Zukunft mehr Bürger auf ihren Pkw verzichten, auf Busse und Fahrräder umsteigen oder kürzere Strecken zu Fuß zurücklegen. Für Anreize spricht sich auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Stefan Weschke aus.

Jeder Bürger solle aber auch weiterhin die Freiheit haben, selbst über die Wahl des Verkehrsmittels frei zu entscheiden. Die im Gutachten vorgeschlagene Reduzierung der Fahrstreifen für den Individualverkehr zugunsten von weiteren Busspuren und Radfahrerschutzstreifen lehnt die CDU daher ebenso ab wie eine Verringerung des Parkplatzangebots in der Innenstadt. Andere Maßnahmen haben „Ampel“ und CDU im gerade erst beschlossenen Doppelhaushalt 2016/2017 bereits gemeinsam auf den Weg gebracht.

Während der Kreis Düren mit seinem neuen Nahverkehrsplan ab 2018 zusätzliche Fahrgäste in die Busse locken will, gehen die Experten im städtischen Klimaschutz-Teilkonzept schon einen Schritt weiter. Sie haben einen „Bürgerfahrplan Düren 2025“ vor Augen, in dem sich vor allem die Wünsche möglichst vieler Schüler und Beschäftigter, aber auch von Bürgern wiederfinden. Diese sollen sukzessiv abgefragt werden.

Auch wenn der Fahrradverkehr nach Aussage der Verkehrsexperten bereits heute recht günstige Bedingungen vorfindet, also viele asphaltierte Wirtschafts- und Radwege sowie großflächige Tempo-30-Zonen, sehen die Experten noch reichlich Potenzial, die Attraktivität der Stadt für Radler zu erhöhen.

Da ist von einer Verbreiterung der oft zu schmalen Radfahrerschutzstreifen die Rede, von einer strengeren Kontrolle von Falschparkern auf diesen Flächen, einer besseren Beschilderung der Radwege, der Beseitigung von störenden Hindernissen (Laternen, Schilder, Poller) auf Radwegen, einem radfahrerfreundlicheren Baustellenmanagement, der Absenkung von Bordsteinkanten auf das Fahrbahnniveau bis hin zum Bau von Radschnellwegen, die als sehr großer Fortschritt dringend empfohlen werden.

Vorgeschlagen werden verschiedene Strecken: Entlang des Rurufers von Merken bis Lendersdorf, von Derichsweiler bis Arnoldsweiler, von Birgel bis zur Wörthsiedlung, von Stockheim über die Panzerstraße bis zur Kölnstraße und im Westen zwischen Derichsweiler und Lendersdorf.

Die Mobilitätsgutachter sprechen sich für Fahrradabstellanlagen an möglichst vielen innerstädtischen Zielen aus. „Radfahrer sollten sich darauf verlassen können, dass sie an jedem Fahrtziel, egal ob Einkauf, Behördengang, Arbeitsplatz oder Freizeitunternehmung, eine adäquate Möglichkeit vorfinden, um ihr Fahrrad abstellen zu können“, heißt es. Die aber sollten nicht auf Kosten der Gehwege errichtet werden, sondern – wenn keine anderen Flächen zur Verfügung stehen – auf Kosten von Pkw-Stellplätzen. Auch weitere Fahrradstationen wie am Bahnhof mit einem zusätzlichen Dienstleistungsangebot (bewachtes Abstellen, Radvermietung und Wartung/Pannenhilfe) seien wünschenswert.

Um die Zahl der in die Stadt fahrenden Autos zu reduzieren, empfehlen die Mobilitätsgutachter der Stadt neben dem bereits beschlossenen Einstieg ins Car-Sharing die Förderung von Fahrgemeinschaften, beispielsweise indem mit umliegenden Kommunen über Sammelparkplätze gesprochen wird. Potenzial wäre vorhanden: Richtung Nörvenich werden nach einer Studie täglich 11.800 Fahrten in und aus der Stadt heraus gezählt, gefolgt von Kreuzau (10.410), Langerwehe (10.130) und Niederzier (8990).

Begleitet werden sollte die Umsetzung der verschiedenen Maßnahmen von einem Mobilitätsmanagement, das neben der Stadtverwaltung auch Betriebe und Schulen einführen sollten. Dabei soll der Klimaschutz- und Mobilitätsmanager helfen, den die Stadt einstellen will. Am Ende können sich die Gutachter dann vorstellen, dass der Autoverkehr bis 2025 um zehn Prozent abnehmen wird. Eine Hälfte könnte auf den ÖPNV umsteigen, die andere aufs Rad.

Schon jetzt ist Peter Koschorreck überzeugt: „Wenn wir gemeinsam an die Umsetzung des Mobilitätskonzepts rangehen, können wir vieles zum Positiven in unserer Stadt verändern.“ Für Stefan Weschke kommt im Gutachten das Thema Elektroautos zu kurz. Die Experten sehen darin kaum Vorteile und schlagen vor, auf deren Förderung zugunsten des ÖPNV und des Fahrradverkehrs zu verzichten.

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