Zeugnisse des „Durchfreuens der Natur“

Von: Stephan Johnen
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Dr. Tina Roßbroich kuratiert die Ausstellung „Heinrich Wolff. Rheinischer Expressionismus und Moderne“. Foto: Stephan Johnen

Düren. Seinem Geburtsort Inden ist Heinrich Wolff stets aufs Engste verbunden geblieben. Der 1898 geborene spätere Obstplantagenbesitzer, Künstler und Politiker lebte und arbeitete dort, von drei Jahren im bayerischen Murnau und seiner Ausbildungszeit abgesehen, sein ganzes Leben lang.

Das Leopold-Hoesch-Museum widmet dem 1976 gestorbenen Künstler eine Ausstellung. Erstmals werden seine Bilder mit Werken aus der Sammlung der Moderne in einen Dialog gesetzt.

Aus einer Privatsammlung

Die Werke stammen aus der Privatsammlung von Anne-Margret Krings. „Sie war eine Nachbarin Wolffs und hat den Nachlass des Künstlers verwaltet“, erklärt Kuratorin Dr. Tina Roßbroich. Für das Museum sei diese Ausstellung spannend, weil sie es ermögliche, die Werke eines expressiv arbeitenden Künstlers aus der Region in Verbindung mit den Werken der Moderne aus der eigenen Sammlung zu setzen. „Heinrich Wolff ist auch mit der Geschichte des Hauses verbunden“, erläutert die Kuratorin. Im Rahmen der sogenannten „Jahresschau der Dürener Künstler“ seien immer wieder Bilder ausgestellt worden.

Dass Arbeiten Wolffs neben Werken Emil Noldes hängen, ist kein Zufall. „Nolde hat die Aquarellmalerei wieder etabliert und zur Perfektion gebracht“, erklärt Tina Roßbroich. Auch Wolff fertigte in erster Linie Aquarelle. Er könne zwar nicht mit den Meistern verglichen, aber durchaus als ernstzunehmender Künstler betrachtet werden. Er stellte im Suermondt-Museum in Aachen und in der Kunsthalle Düsseldorf aus.

Doch nach dem Zweiten Weltkrieg hat er sich nicht weiter um Ausstellungen bemüht. „Er hat nur noch für sich gemalt. Vielleicht, weil sein Lehrer, mit dem ihn eine Freundschaft verband, von den Nationalsozialisten als ‚entarteter Künstler‘ eingestuft wurde“, mutmaßt die Kuratorin. 1946 wurde Wolff, der seit 1930 die elterliche Obstbaumzucht betrieb, erster Bürgermeister Indens und war maßgeblich am Wiederaufbau beteiligt. 1961 verkaufte er die Plantage an die Rheinische Braunkohlenwerke AG, 1964 trat er in den politischen und beruflichen Ruhestand.

Auch wenn Wolff nicht zu den Vertretern des Rheinischen Expressionismus‘ zählt, gibt es viele Schnittstellen. Beispielsweise wählte er nach seiner Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Aachen und der Kunstakademie Düsseldorf Heinrich Nauen als Lehrer. Dieser gehörte neben August Macke, Walter Ophey, Paul Adolph Seehaus und Heinrich Campendonk zu den bekanntesten Vertretern des Rheinischen Expressionismus. Ein Student Nauens war Otto Dix.

„Die Rheinischen Expressionisten waren keine feste Gruppe, aber sie verband eine künstlerische Tendenz: Das Durchfreuen der Natur“, erklärt Kuratorin Tina Roßbroich. Die Künstler wollten neben Porträts und Stillleben auch Natureindrücke auf das Papier bringen.

Das trifft auch auf Heinrich Wolff zu, der in seinen Aquarellen nicht nur Blumen- und Früchte-Stillleben erfasste, sondern sich auch immer wieder Motiven aus der freien Natur zuwandte. Davon zeugen die Bilder, die im Leopold-Hoesch-Museum ausgestellt werden und beispielsweise das Einfahren der Ernte bei Inden zeigen, oder Momentaufnahmen von Landschaften und Orten, die mittlerweile dem Tagebau zum Opfer gefallen sind.

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