Zeit zum Hinhorchen bei der „Nacht der offenen Kirchen”

Von: Christoph Hahn
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Lichtprojektionen spielten eine wichtige Rolle bei der siebten "Nacht der offenen Kirchen" in Düren - wie hier in St. Marien, deren Umgestaltung vor wenigen Tagen abgeschlossen worden ist. Foto: Christoph Hahn

Düren. Neugier zulassen, Zeit zum Hinhorchen und still sein einräumen, mal ganz andere Akzente setzen: Dafür nahmen sich Christen aus der Kreisstadt bei der siebten „Nacht der offenen Kirchen” Zeit.

In neun Gotteshäusern von Katholiken, Evangelischen und Freikirchlern bekamen nicht nur Gläubige am Freitagabend zwischen 20 Uhr und Mitternacht die Gelegenheit, sich mit religiösen Ausdruckswelten bekannt zu machen.

St. Anna, die Pfarr- und Wallfahrtskirche in der Innenstadt, präsentierte sich als Ort der Stille. Leise werden, den Lärm der Außenwelt hinter sich lassen, Stille hören - ein eindrucksvoller Ort auch und gerade ohne aufwändige Inszenierung. Teelichter, die - von hohen Gläsern umhüllt - die Reihe der Bänke säumten und wie eine Spur in gerader Linie durch das von keiner Lampe beleuchtete Schiff auf Altar und Allerheiligstes hin führten: So lassen sich ohne spektakuläre Mittel eindrucksvolle Zeichen setzen.

Andacht ohne große sprachliche oder intellektuelle Drahtseilakte herrschte auch in dem Oval aus Stühlen, das zwischen Anna-Schrein und Eingang Ahrweilerplatz wie ein Raum im Raum aufgestellt worden war. Durch die freie Stelle hineintreten, mit anderen Menschen über die von Sprecherinnen vorgetragenen und von sanfter Synthesizer-Musik begleiteten Meditationstexte, dann die eigenen Gedanken auf Zettel schreiben und an ein aufgestelltes Bäumchen heften: Einfach ging es in St. Anna zu und dabei so, dass kaum Schwellenängste aufkommen konnten.

Ganz anders die Sprache in der evangelischen Christuskirche. Buntes Licht zog schon von außen die Blicke auf sich. Neben dem Eingang ein Imbissstand, daneben ein paar Sofas zum Abhängen und Chillen. Im Inneren der Predigtstätte vibrierten derweil die Rhythmen. Die Farben des Lichts sorgten für eine ganz und gar nicht sakrale Atmosphäre, etwa so wie in einem Club. Doch die Texte der Rapper, die sich zwischen Altar und Orgel ihren Platz erobert hatten, zeigten, dass das Treiben gar nicht so unfromm war wie es den Anschein hatte. Wie schwierig es ist, ein gutes und aufrechtes und ehrliches Leben zu führen, dabei falsche Freunde und andere Fehler zu vermeiden: Davon war immer wieder zu hören. Es war Zeit und Raum für Experimente, so beim gemeinsamen Auftritt des Kinder- und Jugendchors „Joyful Voices” unter der Leitung von Andrea Eich.

Experimentell und „cool” wirkte auch die Atmosphäre in St. Marien. Noch bevor die Gemeinde ihre Kirche am Sonntag mit einer Messfeier offiziell wieder in Besitz nahm, akzentuierten Mitglieder der Jugendkirche von St. Lukas (zu dieser Pfarre gehört St. Marien) den Bau, in dessen vorderen Bereich jetzt Büros eingebaut worden sind, mit Projektionen in Blau und Rot.

Dieses originelle und unkonventionelle Angebot verfehlte seine Wirkung nicht: Treppauf, treppab nahmen viele Besucher die veränderte Architektur in Augenschein, nutzten die Chance zum Gespräch mit Pfarrer Hans-Otto von Danwitz, Pastoralreferent Wolfgang Weiser und andere Vertretern der Gemeinde. Wie und was Kirche sein kann: Wie St. Marien, so wurde im Grunde jeder der neun teilnehmenden Kirche zum Laboratorium für das, was in der Gegenwart geht und in der Zukunft sein kann.
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