Zeit der grauen Theorie im Dürener Krankenhaus ist vorbei

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
6031235.jpg
Sabine Henschel (von links) und Anne Marie Stormberg haben den letzten Teil ihrer Ausbildung praktisch mit der Arbeit am Patienten verbacht. Erfahrene Kollegen wie Claudia Leuchtenberg haben die Auszubildenden dabei begleitet. Foto: Jansen
6031233.jpg
Volles Haus: Wo sonst nur drei Pflegekräfte arbeiten, kommen zehn Auszubildende dazu. Foto: Jansen

Düren. Viele Generationen von angehenden Krankenschwestern und Krankenpflegern kommen sich am Ende ihrer Ausbildung möglicherweise vor wie das fünfte Rad am Wagen. Sie haben viel gelernt und dürfen doch nur hinterhertrotten und zuschauen, wenn das examinierte Personal einen Patienten pflegt. Im Krankenhaus Düren war in den vergangenen Wochen vieles anders.

Der Nachwuchs durfte auf einer Station ran. 21 Auszubildende, die kurz vor dem Examen standen, haben eine Station vier Wochen lang übernommen. Mit allen, was dazugehört. „Ich kenne keine Einrichtung, die das über vier Wochen macht“, erklärte Schulleiter Heinz Lönneßen, dass Intensität und Länge der letzten der letzten Ausbildungsetappe, die das Dürener Haus gerade eingeführt hat, Neuland sind. Ebenfalls noch kein Standard: Die Examensprüfung ist in die vier Wochen eingebettet.

„Wir halten es zum ersten mal so, dass der Lehrraum gleich der Prüfungsraum ist“, schilderte Lönneßen weiter. Bisher ist es üblich, dass die praktischen Prüfungen Rollenspiele waren, die die Realität simuliert haben. In Düren waren die Patienten Teil der Prüfung. Das Dürener Modell der letzten Ausbildungsetappe weckt Interesse in anderen Häusern. „Viele fragen bei uns an, wie wir das machen und wie unsere Erfahrungswerte sind“, sagte Lönneßen. „Das Luisenhospital Aachen beispielsweise hat angefangen, schrittweise auf unser Modell umzustellen.“

Dass die Auszubildenden ran dürfen bedeutet nicht, dass die Patienten auf die Routine der erfahrenen Kräfte verzichten müssen. „Natürlich dürfen wir unsere examinierten Kräfte nicht aus der Verantwortung lassen. Sie stehen im Hintergrund immer bereit“, so Lönneßen.

Der Nachwuchs handelt

Das neue Modell bedeutet für alle Beteiligten eine Umstellung. Laut Lönneßen sei das Begleiten der angehenden Pflegekräfte sehr intensiv für die Ausbilder, das Pflegepersonal und die Ärzte. Ein Ziel ist es, dass die examinierten Fachkräfte sich im Verlauf der vier Wochen mehr und mehr das Helft des Handelns aus der Hand geben und die Auszubildenden machen lassen.

„Nach einer Woche ist das für uns ganz schön schwierig“, berichtete Stationsschwester Alexandra Hengst, die das Projekt mit konzipiert hat. „Da mussten wir häufiger zu den Auszubildenden sagen: Bremst uns mal.“ Das Problem, dass im Alltag oftmals keine Zeit sei, Handgriffe und Entscheidungen zu erklären, tauche nicht auf, weil der Nachwuchs selbst handelt und nicht bloß zuschaut.

Die Resonanz seitens der Patienten auf das neue Ausbildungsmodell sei sehr positiv, bekräftigte Lönneßen. Die Patienten würden von dem zusätzlichen Personal profitieren. Normalerweise kümmern sich in einer Schicht drei Pflegekräfte um 30 Betten. In der Praxis- und Prüfungsphase waren zehn Paar helfenden Hände mehr vor Ort.

Verantwortung erleben

„Das macht mehr Spaß. Wir entwickeln uns so viel schneller weiter“, sprach Sabine Henschel von einem Schub, den sie und ihre Mitstreiter am Ende ihrer Ausbildung miterlebt hätten.

Neben den Handgriffen und Techniken haben die angehenden Pflegekräfte selbst erlebt, wie die Kommunikation und Arbeit mit Ärzten funktioniert, wann die Zeit gekommen ist, Medikamente zu bestellen, Formulare auszufüllen oder Patienten für eine Operation vorzubereiten. „Sie lernen so viel schneller, Entscheidungen zu treffen und Erleben, was es bedeutet, Verantwortung für einen anderen Menschen zu tragen“, zählte Schulleiter Lönneßen die Vorteile der Praxis auf. Auch die Verantwortung dem Krankenhaus gegenüber kommt in der Praxisphase vor.

„Unsere Erfahrungen mit dem neuen Ausbildungsmodell sind durchweg positiv“, bilanzierte Prokurist Stefan Kück. Sechs der 21 frisch gebackenen Absolventen werden übernommen. „Und auch die anderen haben aufgrund ihrer Ausbildung gute Chancen, übernommen zu werden.“ Insgesamt hat das Krankenhaus Düren 120 Schulplätze. 45 davon laufen auf Teilzeitbasis.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert