Zehn Jahre muss ein Christbaum wachsen

Von: Sandra Kinkel
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Achim Gratias
Bis ein Weihnachtsbaum von Achim Gratias zwei Meter groß wird, dauert es zehn Jahre. Foto: Kinkel

Vossenack. Achim Gratias hat in diesen Tagen besonders viel zu tun. Der Mann verkauft Weihnachtsbäume. Schon seit über 30 Jahren hegt und pflegt der Vossenacker in dem Garten hinter seinem Elternhaus eine vom Forstamt genehmigte Christbaumkultur.

„Mein Vater hat viele Jahre als Forstwirt gearbeitet. Als er Rentner wurde, dachte ich, dass der Mann ein sinnvolles Hobby braucht. So ist die Idee mir den Christbäumen entstanden.“ Achim Gratias‘ Vater ist mittlerweile verstorben, von den Weihnachtsbäumen kann Gratias sich aber trotzdem nicht trennen. „Ich mag die Arbeit mit den Tannen sehr. Ich bin immer beschäftigt. Und es macht mir einfach sehr großen Spaß, draußen zu sein und mich um die Bäume zu kümmern.“

Und zu tun gibt es da wahrlich genug. Die Samen für seine Bäume – Achim Gratias setzt auf Nordmann- und Nobilistannen – bekommt Gratias aus dem Münsterland, aber auch Österreich, Russland und Nordeuropa, und bis so ein Baum festlich geschmückt im Wohnzimmer steht, vergehen gut und gerne zehn bis zwölf Jahre. „So lange“, sagt Achim Gratias, „dauert es, bis ein Baum zwei Meter hoch ist. Und diese Größe wollen die meisten Menschen für ihr Wohnzimmer haben.“

Fünf bis sechs Mal im Jahr müssen die Bäume vom Gras freigeschnitten werden, damit sie sich unten schön entfalten können. Dann gilt es, einen Zweig zur Spitze zu ernennen und zu binden, wenn der Baum selbst keine richtige ausgebildet hat. Und dann sind da noch die Triebe, die ab und an auch mal zurückgeschnitten werden müssen. „Nur dann bekommen die Bäume eine schöne Form.“

Darüber hinaus lässt Gratias auch jedes Jahr eine Bodenprobe machen, um zu wissen, wie er düngen muss. Und trotz der vielen Arbeit, die in den Christbäumen steckt, und trotz der Tricks und Einflussmöglichkeiten: Natur bleibt Natur. Das gilt auch für Christbäume. Und wenn ein Baum in einem Jahr stark wächst, dann bleibt nun mal ein Stück Stamm gut sichtbar und manche Bäume lassen sich nicht in die gewünschte Bilderbuchform zwängen. „Ein Weihnachtsbaum muss gerade und gleichmäßig gewachsen sein“, sagt Gratias und überlegt kurz.

„Wobei: manche Leute suchen auch Bäume mit Charakter“, ergänzt er dann lächelnd. Also solche mit einer kleinen Besonderheit abseits des Bilderbuchwuchses. Viele Leute, bedauert Gratias, würden gar nicht wissen, wie viel Arbeit in so einem Christbaum stecken würde. „Das ist wirklich ein wunderschön gewachsenes Stück Natur, in das viel Zeit und Arbeit investiert wurde.“ Eine gute Tanne halte zwischen vier und sechs Wochen. „Und zwar ohne Probleme. Der Baum sollte nur nicht zu warm stehen.“

Für Achim Gratias, der in der Biogasanlage in Hürtgenwald arbeitet, ist ein Leben ohne seine Weihnachtsbäume undenkbar. „Christbäume sind wichtig, weil sie den Menschen wichtig sind“, sagt er. „Und deswegen ist meine Arbeit auch wichtig. Und die meisten Leute, die zu mir kommen, um sich einen Baum auszusuchen, machen das gerne und eigentlich auch gut gelaunt.“ Gratias selbst hat natürlich auch einen Tannenbaum. Und das schon mehrere Wochen. „Kein Weihnachten ohne Tannenbaum. Und kein Weihnachten mit künstlichem Baum“, sagt Gratias lachend. „Aber das ist ja eigentlich selbstverständlich.“

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