Düren - Zehn Jahre Einkaufstempel: „Die Stadt wäre heute nicht das, was sie ist“

Zehn Jahre Einkaufstempel: „Die Stadt wäre heute nicht das, was sie ist“

Von: Stephan Johnen
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Am 8. September 2005 wurde das Stadtcenter Düren eröffnet. Im Vorfeld des 50-Millionen-Euro-Projekts gab es kontroverse Diskussionen. Foto: Stephan Johnen
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Daniel Böttke ist seit sieben Jahren Centermanager in Düren.

Düren. Waren es 50.000 Besucher, wie erwartet? Oder 75.000, wie später geschätzt? Innerhalb von Minuten jedenfalls drängten sich Tausende Menschen in Dürens neuesten Einkaufstempel. „Die Hütte ist voll – mehr passt auch fast nicht rein“, sagte der damalige Manager des Stadtcenters.

Zehn Jahre ist das her. An einem Donnerstag öffnete das über 50 Millionen Euro teure und im Vorfeld kontrovers diskutierte Einkaufszentrum, das zu den größten Investitionsprojekten der Dürener Nachkriegsgeschichte gehört, erstmals seine Pforten.

Zehn Jahre später kann sich auch der aktuelle Manager Daniel Böttke nicht über mangelnden Zuspruch beklagen. 100.000 Besucher sollen es sein, im Monat. „Ohne das Center und seine 52 Geschäfte wäre Düren heute nicht das, was die Stadt ist“, sagt er im Gespräch mit der DZ selbstbewusst. „Aber ohne die Stadt könnte auch das Center nicht existieren“, stellt der 36-Jährige klar.

Feier am Wochenende

Am Wochenende wird der Geburtstag gefeiert (siehe Infokasten). „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, für die nächsten zehn Jahre sind die Mietverträge unter Dach und Fach“, sagt Böttke. Auch wenn es derzeit noch einige leerstehende Geschäfte und Baustellen gebe. „Nach dem Auszug einiger Mieter bauen wir um, schaffen neue Zuschnitte, damit beispielsweise H&M 300 Quadratmeter mehr Verkaufsfläche bekommt“, erklärt Böttke.

Dort, wo derzeit noch Lücken sind, sollen bis Ende des Jahres neue Geschäfte, hauptsächlich für Damenmode, öffnen. „Wir wollen nicht auf Teufel komm raus vermieten, sondern nach wie vor vernünftige Angebote im Mittelpreissegment präsentieren“, erklärt Böttke. Daher könne es auch schon einmal einige Tage dauern, bis ein Laden neu vermietet ist. „Die Nachfrage ist weiterhin sehr hoch.“

Trotz aller Widerstände und Ängste zu Beginn der Planungen sei dies schon immer die Linie gewesen: Das bestehende Angebote der Innenstadt ergänzen. „Viele Vorbehalte der Dürener Einzelhändler konnten wir in den vergangenen Jahren ausräumen“, spricht Böttke von einer mittlerweile guten Zusammenarbeit von „großen“ und „kleinen“ Akteuren in der Innenstadt.

Der Manager ist überzeugt, dass das Einkaufszentrum den Standort gestärkt hat – und nicht, wie von Kritikern befürchtet, geschwächt. „Kunden stimmen mit den Füßen ab, die Frequenz in der gesamtem Innenstadt ist wieder gestiegen“, ist der Centermanager überzeugt. Doch könnten sich weder das Einkaufszentrum noch die Einzelhändler der Stadt auf dem Status quo ausruhen. „Es herrscht ganz brutaler Wettbewerb, jeden Tag. Wenn in Aachen das ‚Aquis Plaza‘ öffnet, werden wir das auch spüren“, mutmaßt der 36-Jährige.

Er ist überzeugt, dass die Stadt noch Potenzial verschenkt. Böttke sagt: „Nehmen wir einen Samstag, der stärkste Tag für den klassischen Handel. Der Markt lockt viele Besucher mit seinen tollen Angeboten, davon profitieren auch Handel und Gastronomie. Bis 14 Uhr spielen wir Champions League, danach fallen wir in die Kreisliga zurück, wenn mit Ende des Marktes in vielen Teilen der Innenstadt die Frequenz weg bricht und Geschäfte früh schließen.“

Mit Blick auf die Dürener Politik und die jüngste Bürgermeisterwahl wünscht er sich, „dass der Zweifrontenkrieg CDU/‚Ampel plus‘ nun der Vergangenheit angehört“. Aus Sicht des Handels appelliert er an Politik und Verwaltung, den vorliegenden Masterplan Innenstadt auch umzusetzen. „Es wurde genug geredet, jetzt muss gehandelt werden, damit Düren attraktiver wird, nicht Besucher verliert“, bilanziert Daniel Böttke.

„Die Stadt muss das Heft des Handelns wieder selbst in die Hand nehmen“, ruft er dazu auf, sich nicht von „einem gewissen Lobbyismus“ dazu verleiten zu lassen, „heilige Kühe“ erst gar nicht anzutasten. Damit meint er unter anderem den Standort des Weihnachtsmarktes, der aus seiner Sicht auf den Marktplatz gehört.

Beim Thema Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit reichten die Bemühungen der Stadt nicht aus. „Ich nehme als Passant nicht unbedingt wahr, dass das Personal des Ordnungsamtes aufgestockt wurde und sich etwas geändert hat“, sagt Böttke. Er könne das subjektive Sicherheitsempfinden vieler Kunden nachvollziehen, die um manche Teile der Stadt zu bestimmten Uhrzeiten nach wie vor „einen Bogen machen“. 

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