Zanders greift 2200 Pensionären in die Rentenkasse

Von: Burkhard Giesen
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Zuletzt gehörte Zanders zum Unternehmen M-Real. Inzwischen hat sich die Firma ganz aus Düren zurückgezogen. Foto: Archiv/D. Engels

Düren. Als vor zwei Monaten die Pensionäre der Firma Zanders GmbH Post erhielten, dachten die meisten wohl eher an einen schlechten Scherz. Datiert auf den 21. Dezember, trudelt das brisante Schreiben punktgenau an Heiligabend ein.

Das Unternehmen, das seinen Hauptsitz in Bergisch-Gladbach hat und früher auch an der Veldener Straße in Düren vertreten war, möchte „zum anstehenden Jahresausklang“ die ehemaligen Mitarbeiter „über die aktuelle Situation und Zukunft unseres Unternehmens informieren“, steht da. Was freundlich klingt, geht unerwartet weiter: Die Zanders GmbH, die nichts mit der nun an der Veldener Straße tätigen Reflex GmbH zu tun hat, kündigt eine Kürzung der Betriebsrenten um 15 Prozent an – gleich versehen mit einer Drohung.

„Sie als ehemaliger Mitarbeiter beziehungsweise Witwe erhalten von uns wohlverdiente Pensionsleistungen, deren Finanzierung durch die aktive Belegschaft erarbeitet werden muss. In der derzeitigen wirtschaftlichen Situation von Zanders ist das vollumfänglich nicht mehr möglich“, teilt Dr. Lennart Schley, Vorsitzender der Geschäftsführung, mit. 507 Mitarbeiter würden demnach die Pensionsleistungen für 2235 Pensionäre erwirtschaften. Leider müsse man die Pensionsleistungen kürzen, schreibt er weiter und zeichnet ein düsteres Bild: Würden sich die Pensionäre nicht mit dieser Maßnahme einverstanden zeigen, drohe die Insolvenz und dann könnten gar alle Ansprüche verloren gehen.

„Diese Behauptung ist falsch“, sagt nicht nur der Merzenicher Rechtsanwalt Helmut Irmen, der einen der betroffenen Pensionäre vertritt, die das nicht hinnehmen wollen. Irmen: „Im Fall einer Insolvenz würde der Pensionssicherungsverein eintreten.“

Eine Einschätzung, die auch Kerstin Okunick von der Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie und Energie teilt. Bei ihr haben sich inzwischen 48 ehemalige Beschäftigte von Zanders aus dem Raum Düren gemeldet, deren Betriebsrente im Januar gekürzt wurde. Das musste auch der Mandant von Helmut Irmen erleben. Irmen: „An Heiligabend wurde die Kürzung mit der Bitte um Kenntnisnahme mitgeteilt, in der Abrechnung zum 20. Januar wurde sie dann bereits umgesetzt.“

Die Gewerkschaft schlägt nun Alarm, auch weil man davon ausgeht, dass im Raum Düren noch viel mehr ehemalige Pensionäre betroffen sind, die sich vielleicht aus der Sorge heraus, ihre Ansprüche ganz zu verlieren, nicht gegen die aus Sicht der Gewerkschaft unzulässigen Kürzungen wehren wollen. Kerstin Okunick: „Es gab in der Tat bis Ende 1998 eine Regelung, die die Kürzung von Betriebsrenten ermöglichte. Aber dieser Gesetzesparagraf ist längst gestrichen.“

Kerstin Okunick von der Gewerkschaft hat dem Unternehmen deshalb eine Frist bis März gesetzt, die Kürzungen zurückzunehmen. „Sollte es darauf keine Reaktion geben, werden wir vor dem Verwaltungsgericht Klage einreichen.“ Ein Weg, den auch Helmut Irmen für seinen Mandanten beschreiten wird, wenn die Zanders GmbH nicht einlenken sollte.

Keine Stellungnahme

Das Unternehmen selbst hat am Dienstag auf eine entsprechende Anfrage mit der Bitte um Stellungnahme nicht reagiert. Das mag ins Bild passen, das Irmen von den neuen Eigentümern von Zanders zeichnet. Die Hersteller von Feinpapieren gehören inzwischen der Münchener Beteiligungsgesellschaft Mutares AG, die sich auf den Erwerb defizitärer mittelständischer Unternehmen spezialisiert hat. Helmut Irmen: „Die kaufen Firmen, machen sie schön und verkaufen dann wieder.“ Ansprüche von Pensionären können da auf dem Weg vom Defizit zur Gewinnausschüttung auf der Strecke bleiben.

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