Kreuzau/Wolfsburg - Yannick Gerhardt: Früher SC Kreuzau, jetzt Nationalspieler

Yannick Gerhardt: Früher SC Kreuzau, jetzt Nationalspieler

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Yannick Gerhardt
Eine neue „linke Klebe“ für Joachim Löw: Yannick Gerhardt hat vergangene Wochen gegen Italien seine ersten 90 Minuten für die deutsche Nationalelf gespielt. Foto: dpa

Kreuzau/Wolfsburg. Einen Tag nach seinem Länderspiel-Debüt beim 0:0 gegen Italien war Yannick Gerhardt aus Kreuzau noch einmal in Düren. Zum Fischessen beim Italiener. Und auch sonst hat der 22-Jährige, der seine Fußball-Karriere beim SC Kreuzau begonnen hat, noch viel Kontakt in die alte Heimat.

Im Gespräch mit unserer Mitarbeiterin Sandra Kinkel erzählt er von seinem 90-minütigen Debüt bei der Nationalmannschaft, seinem Treffen mit Papst Franziskus und von seinem Alltag beim VfL Wolfsburg.

Mit welchen Eindrücken sind Sie von Ihrem ersten Einsatz bei der Fußball-Nationalmannschaft zurückgekehrt?

Yannick Gerhardt: Mit sehr positiven Eindrücken. Ich durfte eine Woche mit der Mannschaft verbringen, wir haben den Papst getroffen. Das war für mich wirklich etwas ganz Besonderes.

Haben Sie sich die Woche mit Joachim Löw und den anderen Nationalspielern so vorgestellt?

Gerhardt: Das ist schwer zu sagen. Ich glaube, es war sogar noch besser, als ich es mir vorstellen konnte. Für mich ist mit dem Einsatz in der Nationalmannschaft ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. Und im Stadion von Mailand die deutsche Hymne zu singen, ist einfach ein großartiges Gefühl. Das kann man sich eigentlich gar nicht vorstellen.

Wie haben die anderen Nationalspieler Sie aufgenommen? Die meisten haben Sie vermutlich vorher auch nicht persönlich gekannt.

Gerhardt: Das stimmt. Ich kannte natürlich Jonas Hector aus Kölner Zeiten, aber die meisten anderen kannte ich auch nur aus dem Fernsehen oder weil ich in der Bundesliga gegen sie gespielt habe. Es gab überhaupt keine Anlaufschwierigkeiten, ich habe mich von Anfang an gut aufgenommen gefühlt. Ich war zwar vorher ein bisschen nervös, dafür gab es aber überhaupt keinen Grund.

Und wie haben Sie den Bundestrainer erlebt?

Gerhardt: Joachim Löw hat mich persönlich angerufen und mir gesagt, dass ich für den A-Kader der Nationalmannschaft nominiert bin. Am zweiten oder dritten Abend hat er mich dann zu einem Gespräch gebeten und sich unter anderem erkundigt, wie es mir geht und ob ich mich wohlfühle. So eine persönliche Ansprache zu bekommen, ist für einen Spieler ein schönes Gefühl. Das war toll.

Waren Sie sehr aufgeregt vor Ihrem Einsatz gegen Italien?

Gerhardt: Ja, schon. Natürlich habe ich schon viele Bundesligaspiele bestritten, aber eine Partie mit der Nationalmannschaft ist doch noch einmal etwas ganz anderes. Viele haben mir vor dem Spiel geschrieben. Man weiß, dass unglaublich viele Menschen die Begegnung im Fernsehen anschauen. Und natürlich war ich mir darüber im Klaren, dass ich liefern muss. Irgendwann habe ich aber für mich selbst entschieden, das Spiel zu genießen. Einfach, weil das etwas wirklich Besonderes ist.

Glauben Sie, dass das Training mit der Nationalmannschaft Sie auch sportlich weitergebracht hat?

Gerhardt: Auf jeden Fall. Die Trainingseinheiten waren taktisch und fußballerisch auf sehr hohem Niveau und haben mit einem enormen Tempo stattgefunden. Ich habe sehr viel gelernt. Davon werde ich sicher profitieren.

Und wie war es beim Papst?

Gerhardt: Einen Menschen wie den Papst, der sich so sehr für Frieden, Nächstenliebe und Barmherzigkeit einsetzt, persönlich zu treffen, ist ein unglaublich schöner Moment. Das Treffen mit Franziskus hat mich sehr bewegt.

Jetzt hat der Trainingsalltag beim VfL Wolfsburg wieder Einzug gehalten. Wie sieht ein normaler Arbeitstag von Yannick Gerhardt aus?

Gerhardt: In der Regel trainieren wir einmal am Tag, einmal in der Woche auch zweimal. Leider ist es uns bis jetzt noch nicht wirklich gelungen, die einstudierten Dinge auch während des Spiels umzusetzen.

Ist es bitter für Sie, dass der 1. FC Köln im Augenblick auf Platz vier der Tabelle steht und Wolfsburg nur 14. ist?

Gerhardt: Bitter nicht. Ich freue mich natürlich für meinen Ex-Verein. Es nützt aber nichts, nach Köln zu gucken. Ich muss auf mich selbst und den VfL Wolfsburg schauen. Das ist mein Verein, mit dem möchte ich erfolgreich sein.

Das heißt, Sie sind nach wie vor davon überzeugt, dass der Wechsel nach Wolfsburg richtig war?

Gerhardt: Absolut. Dass ich mein gewohntes Umfeld und auch mein Zuhause verlassen habe, hat mich vor allem menschlich weitergebracht. Ich bin froh, dass ich in Wolfsburg so viele Einsatzzeiten habe. Ich hoffe sehr, dass sich der sportliche Erfolg bald einstellt.

Wie eng sind Ihre Verbindungen in die alte Heimat?

Gerhardt: Sehr eng. Meine Eltern wohnen nach wie vor in Kreuzau, und ich habe viele Freunde dort. Einen Tag nach meinem Länderspiel-Debüt war ich noch zu Hause. Und weil ich so viel italienisches Flair von meiner Reise mitgebracht habe, sind wir in Düren zusammen italienisch essen gegangen (lacht).

Verfolgen Sie auch das Fußballgeschehen im Kreis Düren noch?

Gerhardt: Ja. Ich habe viele Freunde, die in Niederau und Gürzenich spielen. Ich interessiere mich auch sehr für meinen alten Verein aus Kreuzau. Als ich dort noch gespielt habe, hatten wir sehr glückliche Zeiten. Im Augenblick läuft es da nicht so gut, es gibt Umstrukturierungen. Da möchte ich als Pate versuchen zu helfen, damit es wieder aufwärts geht.

Und wann sind Sie das nächste Mal zu Hause?

Gerhardt: Auf jeden Fall über die Weihnachtsfeiertage.

Wie geht es mit der Nationalmannschaft weiter?

Gerhardt: Zunächst einmal bin ich sehr glücklich, dass ich in Mailand gegen Italien dabei sein durfte. Natürlich will ich alles tun, damit ich beim nächsten Mal wieder nominiert werde. Alles Weitere wird sich dann zeigen.

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