Düren - Wundenlecken: Die „Ampel“-Koalition in der Krise

Wundenlecken: Die „Ampel“-Koalition in der Krise

Von: Jörg Abels
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Düren. Nach der geplatzten Wahl eines neuen Technischen Beigeordneten herrscht in der Dürener „Ampel“-Koalition gelinde gesagt erhöhter Redebedarf. Verena Schloemer, Fraktionsvorsitzende der Grünen, konnte auch am Freitag noch nicht nachvollziehen, was da am Abend vorher passiert war.

Warum mindestens drei, eventuell auch mehr „Ampel“-Mitglieder mit der CDU für eine Neuausschreibung der Stelle und damit gegen den „Ampel“-Kandidaten, den Windecker Bürgermeister Hans-Christian Lehmann, gestimmt haben, ist ihr schleierhaft. „Ich war ziemlich schockiert und bin jetzt froh, dass wir erst einmal Sommerpause haben und damit Zeit, diese schwierige Situation zu verarbeiten“, erklärte sie auf Nachfrage, fest überzeugt, dass die Abweichler nicht aus ihren Reihen kommen.

Was im Übrigen auch FDP-Fraktionschef Hubert Cremer und Linken-Sprecher Valentin Veithen für ihre Reihen versichern. Gleichwohl ist Veithen überzeugt, dass nicht nur SPD-Abgeordnete mit der CDU gestimmt haben.

Dass aus Reihen der SPD-Fraktion eine Stimme fehlen würde, war seit einer gemeinsamen Sitzung der „Ampel“-Koalition am Montagabend allen Beteiligten bewusst: Dieter Harf, 2015 aus der SPD ausgetreten, aber weiterhin Mitglied der Fraktion, hatte sich offen gegen Lehmann ausgesprochen und mit dieser ehrlichen Meinung durchaus auch Respekt geerntet.

Mindestens zwei weitere „Ampel“-Mitglieder hingegen ließen die Koalitionsspitzen fälschlicherweise im Glauben, die Reihen wären ansonsten fest geschlossen. „Es ist nicht schön, wenn einem so in den Rücken gefallen wird“, kommentierte Hubert Cremer die Situation, die bei SPD-Fraktionschef Henner Schmidt zu großer Verbitterung geführt hat. „Wir hatten eine eindeutige Beschlusslage in der Fraktion, und ich hatte persönliche Zusagen, sich auch daran zu halten“, erklärte Schmidt.

Er will die Situation jetzt in aller Ruhe analysieren, will zum jetzigen Zeitpunkt aber auch persönliche Konsequenzen, sprich einen vorzeitigen Rückzug von der SPD-Fraktionsspitze, nicht ausschließen. Die Illoyalität habe ihn sehr getroffen, betonte Schmidt gegenüber der DZ. Wie auch die stellvertretende Bürgermeisterin Liesel Koschorreck (SPD) berichtete er von einer „Kampagne gegen Lehmann“, die auch aus Reihen der Verwaltung gekommen wäre, und ausgeübtem Druck auf einzelne Stadträte. „Das muss jetzt aufgearbeitet werden“, betonte Koschorreck.

Noch will keiner der Koalitionäre das „Ampel“-Bündnis offen infrage stellen. „Es gibt doch keine echte Alternative“, erklärte Verena Schloemer. Lediglich Valentin Veithen geht noch ein Stück weiter: „Wir haben einen Koalitionsvertrag, an dem wir Linke uns halten. Wenn andere das nicht tun, haben wir ein ernstes Problem.“

 

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