Kreis Düren - Wolfgang Spelthahn: „Ich treffe sehr gerne Entscheidungen“

Wolfgang Spelthahn: „Ich treffe sehr gerne Entscheidungen“

Von: Stephan Johnen
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Wolfgang Spelthahn wirbt erneut um die Gunst der Wähler. Foto: Stephan Johnen

Kreis Düren. „Ich klebe nicht an meinem Amt. Aber ich verspüre den starken Wunsch weiterzumachen“, sagt Wolfgang Spelthahn. Am 13. September steht der CDU-Politiker zum vierten Mal zur Wahl. Herausforderer ist der SPD-Landtagsabgeordnete Peter Münstermann.

1999 war Spelthahn der jüngste Landrat Nordrhein-Westfalens. 2015 gehört er zu den dienstältesten der Republik. Ob er nicht amtsmüde sei? Der 52-Jährige muss schmunzeln. „Ich treffe sehr gerne Entscheidungen“, sagt er. Und Ideen habe er auch noch viele. Landrat sein bedeute mehr als nur zu verwalten.

Mit seiner Entscheidungsfreude hat sich Spelthahn in der Vergangenheit jedoch nicht nur Freunde gemacht. Die Bestellung des SPD-Oppositionspolitikers Jens Bröker beispielsweise, der selbst einmal Landrat werden wollte, zum ersten hauptamtlichen Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Indeland kam per Tischvorlage auf die Tagesordnung. Kritiker sprachen von der „Methode Spelthahn“. „Ich meine, mich geändert zu haben. In der Vergangenheit wollte ich oft mit dem Kopf durch die Wand“, sagt Spelthahn. Er habe manchen Rat ausgeschlagen, sich nicht die nötige Zeit für Gespräche genommen, manchem potenziellen Mitstreiter gegen das Schienbein getreten. Bei seinem Amtsantritt habe er den Kreis „binnen Wochenfrist reformieren“ wollen.

Ein absoluter Tiefpunkt sei der Untreue-Prozess gegen ihn und einen ehemaligen Geschäftsführer der kreiseigenen Wirtschaftsförderungsgesellschaft gewesen. Der Prozess wurde im Frühjahr 2013 eingestellt, gegen eine Zahlung von 3500 Euro. „Das war eine schlimme Zeit“, sagt der Politiker, auch für seine Familie. „Ich fühlte mich wie am Pranger.“ Auch die Reaktion manches Parteifreundes habe ihn überrascht. „Heute weiß ich, wer meine Freunde sind“, sagt er. Aus dem Prozess habe er aber auch viel für seine Amtsführung gelernt. „Ich bin ein besserer Teamplayer geworden, arbeite effizienter und mit mehr Geduld“, sagt er. Es habe eine Phase gegeben, in der er nicht sicher war, ob er erneut kandidieren möchte, räumt er ein. „Ich habe aber die Kraft und die Motivation weiterzumachen“, wirbt er erneut um das Vertrauen der Wähler.

Vier Schwerpunkte hat er sich für die kommende Legislaturperiode gesetzt. Mit Blick auf die steigenden Sozialausgaben soll der eingeschlagene Weg, Vorsorge vor Nachsorge zu setzen, fortgeführt und ausgebaut werden. „Wir ernten heute bereits die Früchte der Entscheidung, 42 neue Mitarbeiter in Job-com, Sozialamt und Jugendamt einzustellen“, sagt er. Das Projekt „Kein Kind zurücklassen“ müsse Schritt für Schritt ausgeweitet werden. Die Devise laute „Keinen Menschen zurücklassen“. Dazu gehören Angebote der außerbetrieblichen Ausbildung ebenso wie Projekte für Langzeitarbeitslose, die Schulsozialarbeit ebenso wie die Pflegeberatung. Spelthahn ist überzeugt, dass sich an dieser Stelle weitere Investitionen lohnen – nicht nur aus haushaltspolitischer Sicht.

Zweiter Schwerpunkt soll das Thema Energiewende sein. „Ich begreife die Energiewende als Strukturwende“, sagt er. Der Süden des Kreises habe noch viel touristisches Potenzial, der Nordkreis könne mit Wissenschaft und Forschung sowie innovativen Unternehmen glänzen. Neben einer einheitlichen Tourismusförderung müsse es auch gelingen, den gesamten Kreis noch stärker über die Grenzen der Städte und Gemeinden hinweg wirtschaftlich zu vermarkten. „Der Kreis hat keine eigenen Flächen“, räumt Spelthahn ein. Aber die Kreisverwaltung und die Wirtschaftsförderung könnten ihr Know-how einbringen, um rechtliche Fragen schneller zu bearbeiten und Genehmigungsverfahren zu begleiten. Auch das Thema „drittes Gleis“ und eine Stärkung der Infrastruktur stehen auf der Agenda. Der Kreis Düren biete zudem mit seiner Vielzahl an Forschungseinrichtungen und Unternehmen gute Voraussetzungen für eine Gründungskultur.

Dritter Schwerpunkt ist die Erstellung des neuen Nahverkehrsplanes, die 2016/17 abgeschlossen sein soll. „Ziel ist es, erstmals alle Leistungen aus einer Hand anzubieten“, erklärt der Landrat. Neben schnelleren Direktverbindungen der einzelnen Gemeindezentren soll auch die Fläche besser angebunden werden, sollen neue Verbindungsformen eingeführt werden.

Vierter Schwerpunkt ist die Finanzkonsolidierung. „Sparen hat aber nichts damit zu tun, unreflektiert Personal abzubauen“, weist er die Vorwürfe der SPD zurück, es mangele an Haushaltsdisziplin und einem Personalkonsolidierungskonzept. Seit seinem Dienstantritt 1999 habe die Verwaltung beispielsweise 87 Aufgaben anderer Behörden und Ministerien übernehmen müssen. „Das Land hat auf dem Papier Stellen abgebaut – diese aber auf die Landkreise verlagert“, gibt Spelthahn zu bedenken. Er setzt vielmehr auf eine rege Wirtschaftsförderung und die Vorsorgearbeit im Jugend- und Sozialbereich. Vom 430 Millionen Euro schweren Kreishaushalt würden aktuell rund 82 Prozent für soziale Belange der Menschen im Kreis Düren eingesetzt. Leistungen sollen nicht gestrichen, aber Prioritäten anders gesetzt werden: auf die Vorsorge.

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