Wolfgang Meisenheimer: Symbiose des Ordentlichen und Unordentlichen

Von: Bruno Elberfeld
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Prof. Dr. Wolfgang Meisenheimer (r.) erklärte anhand von Skulpturen die Sicht seiner Welt. Foto: bel

Düren. Professor Dr. Wolfgang Meisenheimer, Architekt, Künstler und von seinem Eigenverständnis her Philosoph, geht anders durch diese Welt als viele seiner Zeitgenossen. Er schaut sich die Welt an, nimmt seine Umgebung wahr und unterteilt sie in „ordentliche und unordentliche Dinge“, beeinflusst von den griechischen Philosophen Euklid und Aristoteles.

Anhand von Bildern und Skulpturen seiner aktuellen Ausstellung im Leopold-Hoesch-Museum aus Anlass seines 80. Geburtstages erklärte Meisenheimer während eines Museumsdialogs den Impetus seines Schaffens. Der Jubilar sieht die Menschen in ihrer Umwelt und entwirft für jeden von ihnen ein Heim nach Wunsch, in dem er sich entfalten kann. Das Haus wird zu einem Teil der Bewohner, gehört unverwechselbar zu ihnen.

Mit Euklid als Vorbild kreiert Meisenheimer auch öffentliche Bauten, die rational erfasst und von Emotionen durchdrungen werden. Gehirn und Verstand sollen eine harmonische Einheit bilden, sich ergänzen, damit sich menschliches Leben entfalten kann. Der Vorgang des Schaffens eines Werks, ob Haus oder Kunstwerk, sei rational: Zuerst komme die Wahrnehmung, dann das Denken, zum Schluss komme es über die Beschreibung zur Realisierung.

Der emeritierte Professor, jahrzehntelang Mitglied des Lehrerkollegiums an der Fachhochschule Düsseldorf, liebt klare Formen, nimmt Geometrie und Arithmetik zu Hilfe. Es entstehen dabei Kunstwerke, in denen Menschen gerne leben, Kunstwerke wie Bilder oder Skulpturen, die dem Betrachter die Welt erklären.

Bedenkliche Tendenzen in der Bewertung von Ordnung und Unordnung kamen, so erinnerte der Professor, mit christlichen Philosophen auf, die – wie Augustinus – die Ordnung, das Männliche, bejahten, und das Unordentliche, das Weibliche, ablehnten. Meisenheimer bringt in Architektur und Kunst beides zusammen, das sogenannte Ordentliche und das sogenannte Unordentliche.

Den Museumsdialog nutzte der Professor, um seinen Zuhörern seine Werke und damit seine Lebensphilosophie zu erklären. Ziemlich unordentlich hat der Künstler seine Skulpturen, Kugeln, Zylinder und an anderer Stelle eine kleine Stadt im Raum angeordnet. Das Ziel dieser Unordnung sei, die Besucher zu irritieren und damit zum Nachdenken zu animieren.

Meisenheimer ist mit der Architektur Dürens nicht zufrieden. „Wo gibt es in unserer Stadt Straßen, Plätze und Stadtviertel, die Atmosphäre schaffen?“, fragte er seine Zuhörer. In der Kreisstadt sei zum Beispiel die nahe gelegene Eifel nirgendwo zu spüren. „Wohnen hat etwas mit Gemeinsamkeiten zu tun“, fuhr der Architekt fort.

Wo aber sind diese Orte, an denen sich Menschen – egal welcher Couleur, welcher Herkunft, welcher sozialen Schichtzugehörigkeit – treffen und gemeinsam etwas tun? Düren habe dringend vieles nachzuholen, um gemeinsame Räume für ein gemeinschaftliches Leben zu schaffen.

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