Wohncontainer sollen das Flüchtlingsproblem lösen

Von: Jörg Abels
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Sportplatz des GFC 09
Der ehemalige Sportplatz des GFC 09 soll einer von vier Container-Standorten zur Unterbringung von Flüchtlingen werden. Foto: Abels

Düren. Um die prekäre Situation bei der Unterbringung von Asylbewerbern zu entschärfen, hat der Stadtrat in einer Sondersitzung mit den Stimmen der „Ampel“-Koalition und der AfD die Errichtung von vier Wohncontainer-Standorten beschlossen.

Gegenüber der Feuerwehrwache an der Brüsseler Straße, an der Grundschule in Lendersdorf, auf dem ehemaligen Sportplatz des GFC 09 und an der Papiermühle im Bereich des Gewerbegebiets Nickepütz sollen in einem ersten Schritt 60 Plätze geschaffen werden. Dabei legt die „Ampel“ großen Wert darauf, dass die Wohncontainer Ein- oder Mehrfamilienhauscharakter haben und sich vor allem an der Brüsseler Straße und in Lendersdorf städtebaulich an die Umgebung anpassen, betont SPD-Fraktionschef Henner Schmidt.

Die CDU wollte in einem ersten Schritt nur am Standort Nickepütz Container errichten. Wie Bürgermeister Paul Larue, der auch für den Standort GFC-Sportplatz votierte, sieht die CDU noch ein paar andere Optionen, die sie vor einer endgültigen Entscheidung bis zur Ratssitzung am 17. Juni noch überprüft haben wollte, zumal sie den Standort in Lendersdorf für ungeeignet hält. CDU-Fraktionschef Stefan Weschke sprach zum Beispiel von einem seit Jahren leerstehenden Verwaltungsgebäude an der Kölner Landstraße.

Die Entscheidung noch einmal zu vertagen aber kam für die „Ampel“ mit Blick auf die stetig steigenden Flüchtlingszahlen nicht in Frage. „Wir sind nicht mehr in der Situation, abwarten zu können“, betonte Verena Schloemer von den Grünen.

Wie angespannt die Unterbringungssituation aktuell ist, hatte zuvor Sozialamtsleiter Christian Sanfleber noch einmal verdeutlicht. Derzeit sind in der Stadt 501 Asylbewerber untergebracht, darunter 102 rechtskräftig abgelehnte. Die vorhandenen Kapazitäten sind damit erschöpft. Die Stadt geht im Moment davon aus, dass sie bis zum Jahresende noch bis zu 375 Unterbringungsplätze benötigt. Trotz Umbau, Anmietung und Kauf weiterer Immobilien werden noch mehr als 150 Plätze fehlen.

Um nicht Gefahr zu laufen, dass Flüchtlinge wie in Köln in Turnhallen untergebracht werden müssen, sah die „Ampel“ im Übrigen mit Unterstützung des „Runden Tisches „Asylpolitik“ keine Alternative zu den vier Container-Standorten. Die Stadt rechnet bei einer Miete von fünf Jahren mit Kosten in Höhe von 3,4 Millionen Euro. Offen ist noch, ob die Wohncontainer rechtzeitig fertig werden. Die Bauverwaltung rechnet mit einer Vorlaufzeit von neun bis zwölf Monaten.

Um die Auswirkungen der Entscheidungen abzufedern und zur Erhöhung der Akzeptanz vor Ort hat die „Ampel“-Mehrheit darüber hinaus beschlossen, Vereinen und Organisationen in den betroffenen Stadtteilen bei infrastrukturellen Projekten finanziell unter die Arme zu greifen, wenn sie im Gegenzug eine soziale Betreuung organisieren oder zum Beispiel Hausaufgabenhilfe, Nähkurse oder Sportangebote bereitstellen.

Wie das konkret aussehen soll, blieb erst einmal vage. Gut möglich aber, dass die „Ampel“-Mehrheit im Stadtrat Projekte wie die Erweiterung des Hauses für Gürzenich, den Bau eines Kunstrasenplatzes in Lendersdorf oder die Sanierung der Rurtalhalle finanziell nur dann unterstützen will, wenn sich die nutznießenden Vereine im Gegenzug verpflichten, Angebote für Flüchtlinge zu schaffen.

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