Wo Schüler den Traum vom Fliegen leben

Von: Gudrun Klinkhammer
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Tim Schwarz und Jana Gall gehören zur Nachwuchsriege der Piloten im Verein Sportfliegergemeinschaft „Boelcke“/Heini Dittmar mit Sitz auf dem Fliegerhorst in Nörvenich. Foto: Gudrun Klinkhammer
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Um ihre Gerätschaften über das Gelände des Fliegerhorstes zu transportieren, steht den jungen Fliegern seit kurzem ein ehemaliger Linienbus zur Verfügung: Sascha Kramer, Lkw- und Kfz-Händler aus Geilenkirchen, stiftete dem Verein das Fahrzeug. Foto: Marc Heckert

Nörvenich. Der Traum vom Fliegen – für viele Menschen bleibt er ein ungeträumt. Manche allerdings finden den Weg zum Flugzeug und zum Steuerknüppel, und das bereits in jungen Jahren. Jana Gall ist eine von ihnen. Sie ist 19 Jahre alt, kommt aus Golzheim, besucht in Düren das Wirteltor-Gymnasium - und geht regelmäßig bei den Sportfliegern auf dem Fliegerhorst in Nörvenich in die Luft.

Als kleines Mädchen posierte sie einst vor einem Flugzeug eines Familienfreundes. „Später, als 16-Jährige, sah ich das Foto und dachte: Mensch, das wär was“, erinnert sie sich. Vielleicht lag der Wunsch auch darin begründet, dass sie als Nachbarin des Fliegerhorstes quasi mit Flugzeugen am Himmel groß wurde. Hatte sie bis dahin Joggen und Badminton als Hobbys gepflegt, war es plötzlich die Fliegerei, die ihr am Herzen lag.

Anders als Achterbahnfahren

Bevor sie sich der Sportfliegergemeinschaft „Boelcke“/Heini Dittmar anschloss, der in einer Halle auf dem Gelände des Fliegerhorsts seinen Sitz hat, unternahm sie einige Testflüge mit einem erfahrenen Piloten. „Das gefiel mir, Angst hatte ich keine, ich war nur etwas aufgeregt“, erinnert sich Jana Gall. Achterbahnfahren, berichtet sie, fand sie nie toll. Aber damit habe das Fliegen auch nicht viel gemeinsam.

Volle Unterstützung findet die junge Frau mit ihrem Hobby bei ihren Eltern. Eine Zeit lang überlegte Jana Gall, die Fliegerei zum Beruf zu machen. Momentan ist sie ein wenig davon ab. Das Abitur hat Vorrang vor den Flugprüfungen, die sie teilweise schon abgelegt hat. Derzeit überlegt sie nach der Schule überlegt sie derzeit, Geografie zu studieren. Doch entschieden ist noch nichts.

Pilot möchte dagegen Tim Schwarz werden. Der 17-jährige Gymnasiast aus Lechenich würde gerne Transportflugzeuge von der Bundeswehr berufsmäßig steuern. Sein Großvater war Jetpilot, daher ist er familiär sozusagen vorbelastet. Mit zwei Freunden ließ er als Junge Modellflugzeuge in die Lüfte steigen. Die Drei schworen sich: „Mit 14 Jahren gehen wir zusammen in einen Verein und nehmen selbst den Steuerknüppel in die Hand.“ Gesagt, getan. Tim Schwarz hat bereits viele Prüfungen absolviert. Dank eines sogenannten Flugauftrags, den sein Ausbilder ausstellen kann, darf er sogar schon alleine in die Luft gehen und den Segelflieger wieder sicher auf die Erde befördern.

Tolle Sonnenuntergänge

Der junge Mann kommt wie Jana Gall ins Schwärmen, wenn es um fantastische Sonnenuntergänge geht, die sie aus der Luft bereits beobachten konnten, um herrliche Ausblicke auf die Weite der Landschaft, um die Nähe zur Natur und zum Wetter, aber auch um Kameradschaft und Verantwortungsbewusstsein. „Verantwortungsbewusstsein wird nicht unterrichtet, das wird erzogen“, betont Rainer Burkhardt. Er ist Vorsitzender der Sportfliegergemeinschaft „Boelcke“/Heini Dittmar, die aktuell rund 150 Mitglieder zählt, darunter sieben Jugendliche.

Jedes Wochenende halten die Nachwuchsflieger auf dem Flugplatz Einzug und helfen sich gegenseitig. Im Winter werden die beiden Ausbildungsmaschinen, dabei handelt es sich um Segelflieger des Typs „ASK – 13“, gewartet und überholt. Jana Gall: „Segelfliegen ist ein absoluter Teamsport.“ Der eine muss den anderen unterstützen, etwa bei den Startvorbereitungen, beim Gurt anlegen, beim Funken und beim Seilrückholen.

Die Krönung ist natürlich jeder einzelne Flug, der je nach Wetterlage und Können zehn Minuten bis hin zu mehreren Stunden dauern kann. Gall: „Man schwebt wie ein Bussard auf der Thermik, muss sich stets konzentrieren, kann aber immer auch genießen. Und jeder Flug ist anders.“ Zwar gilt der Sport als nicht besonders gefährlich, die Schulungsflugzeuge gelten als sehr sicher, doch haben Jana Gall und Tim Schwarz immer einen Fallschirm an, wenn sie in die Luft gehen.

Beliebt bei den jungen Leuten sind auch die Fliegerlager. Dazu werden Zelt und Flugzeug mitgenommen und es geht auf den Platz eines befreundeten Vereins. Bei diesen sommerlichen Treffen wird gefachsimpelt und eben geflogen.

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