Wo einst ein Wald voller Fichten stand: „Kyrill“ und seine Folgen

Von: Anne Wildermann
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Hier hat vor knapp zehn Jahren Orkan Kyrill gewütet. Zig Fichten sind wie Streichhölzer umgeknickt und umgefallen. Unter anderem Birken hat das Regionalforstamt zwischen die jungen Fichten angepflanzt. Foto: Wildermann.

Düren/Hürtgenwald. Die Stille und Ruhe im Hürtgenwald wirkt entspannend. Konrad Hecker (63), Forstamtsleiter des Regionalforstamtes Rureifel-Jülicher Börde, sitzt auf einem Hochsitz und blickt in die verschneite Landschaft. In seinem Rücken dichter Nadelwald, vor seinen Augen kleine Fichten und Birken.

Vor knapp zehn Jahren standen dort noch mächtige Fichten, bis zu 40 Meter hoch. Ebenfalls vor zehn Jahren wütete der Orkan „Kyrill“ und fegte ziemlich heftig über die etwa 40 Hektar große Fläche hinweg. „Natürlich waren einige der Fichten schon etwas angerissen von Wind, Käfern und Sonne“, sagt Hecker. „Aber dieses Gebiet hier, neigt sich nach Südwesten und Kyrill hat hier voll drauf geknallt“, ergänzt er.

Die betroffene Fläche von der der Forstamtsleiter spricht und auf Karten nur 404 und 405 genannte wird, liegt in der Nähe des Parkplatzes Dreikaisereichen. Vor Kyrill standen hier zu 100 Prozent Fichten. Jetzt sind es nur noch 60 Prozent. „Wir haben nach dem Sturm Buchen, Erlen und Birken dazu gepflanzt“, zählt Hecker auf. „Aber letztlich haben wir wirklich noch Glück gehabt. Der Sturm ist teilweise mit bis zu 200 Stundenkilometer über das Land gefegt. Das war bei uns nicht der Fall. Im Sauerland und im Kreis Euskirchen ist viel, viel mehr passiert“, erzählt er. Daher beziffert er den Schaden, der vor zehn Jahren im Hürtgenwald entstanden ist, auf etwa 500.000 Euro. Inbegriffen sind Wegeschäden, der gefallene Holzpreis, dass die Bäume wie beim Mikado-Spiel quer übereinander lagen und dass das Holz nicht mehr zu 100 Prozent verwertbar war.

Auch als das Holz dann verkauft wurde, vor Kyrill zwischen 65 und 70 Euro pro Festmeter, nach Kyrill etwa 15 bis 10 Euro weniger, habe man sich laut Hecker „in einer komfortablen Lage“ befunden. „Im Sauerland, wo es viel Privatwald gibt, ist es zu regelrechten Panikverkäufen gekommen. Dort ging der Festmeter nur noch für 30, 40 Euro weg“, erinnert er sich.

Natürlich ist das Loch, das Kyrill in den einstigen Fichtenwald geschlagen hat, heute noch zu sehen. Die Bäume, die nachwachsen sind nicht mal haushoch. Beliebt ist die übersichtliche Fläche seit des Orkans vor allem bei Wildtieren. Hier finden sie viel Nahrung wie Gräser, Kräuter, Knospen, Baumrinde und können sich optimal verstecken. „Das ist für Jäger ein schweres Gebiet, eben weil es nicht so übersichtlich ist“, sagt Hecker und bahnt sich zu Fuß den Weg durch den Schnee. Es fehle teilweise immer noch die nötige Infrastruktur wie Rücke- oder Pflegewege, erklärt Hecker. „In diesem Punkt hat Kyrill und zusätzlichen Aufwand bereitet“, sagt er.

Nichtsdestotrotz gab es den Plan, bevor „Kyrill“ wütetet, zwischen die Fichten, Laubbäume zu pflanzen und die Waldfläche anders zu entwickeln. Allerdings hätte das Regionalforstamt dabei gerne die Altbestände der Nadelbäume behalten. Der Grund: Sie spenden genug natürlichen Schatten, damit junge Fichten, die von der Natur ausgesät wurden, unterschiedlich schnell wachsen. „Die Naturverjüngung war wegen des Orkans weg. Das kann man schon als ökologisches Manko bezeichnen“, sagt Hecker.

Ortswechsel: Förster Andreas Nießen (27) von dem Dürener Service Betrieb (DSB) hat es schwer im Dürener Stadtwald, Stellen zu zeigen, die von „Kyrill“ zerstört wurden. Mit seinem kleinen SUV fährt er durch den Wald und hält Ausschau. „An der Rur ist damals unter anderem eine Pappel umgefallen“, sagt er. Da der Burgauer Wald zum Großteil aus Laub- und Mischwald besteht und es kaum Fichten gibt, die nämlich sehr flache Wurzeln haben, war „Kyrill“ für den DSB ein Sturm wie jeder andere auch.

„Insgesamt waren nur 20 bis 30 Stellen im ganzen Stadtgebiet betroffen. Das klingt jetzt viel, ist es aber bei einer Gesamtfläche von 400 Hektar nicht“, erklärt Nießen. In Euro kann Nießen den Schaden, den der Orkan damals angerichtet hat, nicht beziffern. „Wir haben das Holz verkauft wie sonst auch. Schätzungsweise waren es 50 Festmeter, die wir veräußert haben. Das ist nicht mal ein Zehntel von dem, was wir sonst schlagen und verkaufen“, sagt der Förster. Im Jahr sind es 1000 Festmeter.

Sichtliche Spuren hat dafür ein Sturm im vergangenen November an einer Eiche an Gut Weyern hinterlassen: Der Baum liegt quer über dem Gewässer.

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