Wo der „Büp“ die Bahnschranke ersetzt

Von: Gudrun Klinkhammer
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Peter Alois Bardenheuer ist einer von 14 Bahnübergangsposten, die einen Teil der Übergänge mit der Fahne absichern. Foto: gkli
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Lokführer Sascha Schreiner liebt die Strecke Düren-Euskirchen, weil sie so gemütlich ist. Foto: gkli
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Alfred Berrisch ist Geschäftsführer des Bürgerbahnvereins. Foto: gkli
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Tickets gibt es im Zug selber. Foto: gkli

Düren. „Schlüssel oder Fahne?“ Peter Alois Bardenheuer schaut fragend zu Lokführer Sascha Schreiner. „Fahne“, kommt die Anweisung des Zugführers. Im nächsten Moment verlangsamt der Bördeexpress seine Fahrt und bleibt vor dem Bahnübergang Brückenstraße stehen.

Bardenheuer springt mit seinem Kollegen Herbert Jans aus dem Zug, um mit vorgehaltenen, orange-weißen Fahnen den Übergang abzusichern. Die Autofahrer halten an.

Langsam fährt die Bahn wieder an. Ein weiterer kurzer Halt und die beiden „Bahnübergangsposten“ („Büp“), ein pensionierter Lehrer und ein pensionierter Physiker, steigen rasch wieder ein. Dieses Prozedere spielt sich vier Mal zwischen den beiden Bahnhöfen Düren und Zülpich ab. Lautet die Ansage nicht Fahne, sondern Schlüssel, dann muss einer der „Büp“ in einem Elektrokasten Warnsignale in Gang setzen, um die Bahnübergänge zu sichern.

Andreas Vogelsang aus Inden/Altdorf zum Beispiel weiß die Vorzüge des „Bördeexpresses“ zu schätzen. Regelmäßig fährt der 28-Jährige mit Hund Lissy samstags mit dem Zug nach Euskirchen zu seiner Familie und genießt die Zeit. Wer möchte, kann bei den „Büp“ sogar einen Kaffee ordern. Das gemütliche Reisen mit Haltepunkten in Binsfeld, Bubenheim, Jakobwüllesheim, Vettweiß, Zülpich und Nemmenich erfreut sich wachsender Beliebtheit.

Alfred Berrisch ist seit Dezember 2014 Geschäftsführer des Bürgerbahnvereins, der die Fahrten bei der Rurtalbahn bestellt. Berrisch: „Weil der Bahnbetrieb auf einigen Ebenen professionalisiert werden soll, wurde die Betriebsebene umstrukturiert.“ Der ehemalige Arbeitskreis Bördebahn ging im Bürgerbahnverein auf. Hansbert Schruff, Beisitzer im Bürgerbahnverein, blickt zurück: „Die ersten Sonntagsfahrten für Ausflügler starteten 2008. 2014 war das Hauptziel die Landesgartenschau in Zülpich. „13.000 Personen beförderten wir in nur sechs Monaten, ausschließlich an Sonn- und Feiertagen“, betont Schruff.

In diesem Jahr startete der Betrieb Ostern. Samstags, sonntags und feiertags setzt sich der „Bördeexpress“ mehrmals täglich in Gang und lockt pro Betriebstag zwischen 100 bis 170 Fahrgästen. Schruff: „Es sind nicht mehr nur die Touristen, die mit uns fahren, sondern auch Studenten, Geschäftsleute, Familien, Leute, die in Düren oder Euskirchen einkaufen möchten, Fahrradfahrer und Rollstuhlfahrer, denn unsere Haltepunkte sind barrierefrei.“

2016 soll die Bahn ganzjährig an den Wochenend- und Feiertagen fahren. Die Finanzierung sieht gut aus: 114 Betriebstage wird nach derzeitigem Stand der Nahverkehr Rheinland (NVR) mit 190.000 Euro unterstützen. Die Kreise Düren und Euskirchen wollen jeweils 30.000 Euro beisteuern. Schrittweise soll das Angebot erweitert werden bis zum Vollausbau 2020.

„Das Problem“, sagt Alfred Berrisch, „sind momentan noch die 26 Bahnübergänge, die zwischen Düren und Euskirchen teilweise mit Hand abgesichert werden müssen. Die Übergänge bremsen die Fahrt.“ Für 30 Kilometer benötigt der „Bördeexpress“ rund eine Stunde. Die Fahrtzeit soll auf 35 Minuten optimiert werden, indem die Bahnübergänge auf den technisch neuesten Stand gebracht werden. Was die Verantwortlichen Hansbert Schruff und Eisenbahnbetriebsleiter Wolfgang Hoven nicht selten ärgert, sind die Autofahrer, die anscheinend nicht wissen, was ein Andreaskreuz bedeutet. Dem Schienenverkehr muss an dieser Stelle Vorrang gewährt werden. Hält der Zug jedoch an, um die „Büp“ aussteigen zu lassen, dann deuten manche Autofahrer diesen Halt als Einladung zur Weiterfahrt, was falsch und sehr gefährlich sein kann.

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