Wird die Wirtschaftsförderung zweigeteilt?

Von: Jörg Abels
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Das Bahnhofsumfeld ist aus Sicht der Gutachter prädestiniert für die Bereiche IT/Dienstleister/Innovation. Ein Experte sollte sich schwerpunktmäßig nur um dieses Projekt kümmern. Foto: Johnen
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Michael Gramm und Lothar Mahnke (v.l.) übergaben das Gutachten an das Wirtschaftsförderungsnetzwerk Win.DN, vertreten durch Henner Schmidt und Heinz Mannheims. Foto: Abels

Düren. Für eine erfolgreich arbeitende Wirtschaftsförderung bestehen in der Stadt Düren derzeit keine zukunftsfähigen Arbeitsvoraussetzungen quantitativer wie qualitativer Art. Zu diesem ernüchternden Fazit waren die Gutachter Dr. Lothar Mahnke und Professor Dr. Michael Gramm schon im März in ihrem Wirtschaftsstrukturgutachten gekommen.

Wie aber müsste eine Neuorganisation aussehen, damit sich die sozioökonomischen Rahmenbedingungen für die Stadt langfristig wieder verbessern?

In einem zweiten Gutachten schlagen sie nun vor, die Wirtschaftsförderung aufzuteilen – in die bereits gut laufenden Bestandspflege, die mit der Gewerbeflächenplanung weiter als Stabsstelle beim Bürgermeister bleiben sollte, erklärt Mahnke, und in eine Strukturentwicklungsgesellschaft, die als GmbH personell flexibler am Markt agieren und Mitarbeiter mit spezifischen, projektbezogenen Kenntnissen auch zeitlich befristet einstellen könnte.

Vier strategische Themenfelder der Strukturentwicklung sehen Gramm und Mahnke: die Gesundheitswirtschaft mit dem Schwerpunkt Pflege, die Logistik und den Bereich IT/Dienstleister/Innovation mit Schwerpunkt Bahnhofsumfeld. Zusätzlich empfehlen sie, die Ansiedlungswerbung zu verstärken. „Bislang erfolgte die Vermarktung der Gewerbeflächen nachfrageorientiert“, betont Mahnke, jetzt aber müssten in den ersten drei Bereichen neue Betriebe gewonnen werden. Um einen regelmäßigen Austausch zu den Bereichen Tourismus und City-Marketing/Einzelhandel zu gewährleisten, schlagen die Gutachter im Übrigen auch in diesen Bereichen die Gründung einer Projektgesellschaft vor.

Kosten von 900.000 Euro jährlich

Das Ganze gibt es nicht zum Nulltarif: Die Zahl der Mitarbeiter müsste auf mindestens neun ebenso verdoppelt werden wie das finanzielle Budget. Anfangs rechnen die Gutachter mit einem städtischen Zuschuss zwischen 900.000 und einer Million Euro. Eine Summe, die sich später mit der Aussicht auf Fördertöpfe und privatem Engagement verringern wird, sind die Gutachter überzeugt.

Sie sehen zwei Stellen in der Bestandspflege, zwei Geschäftsführer in der neuen GmbH, für jeden der vier Schwerpunkte einen qualifizierten Sachbearbeiter, sowie 1,5 Sekretariatsstellen, und sie fordern eine enge Verzahnung zwischen Stabsstelle und neuer GmbH. Nur dann könne der unerlässliche Strukturwandel in der Stadt Düren erfolgreich angegangen werden.

Einzelne Projekte müssten eng mit der Stadtentwicklung verzahnt werden und sollten in eigenständigen Entwicklungsgesellschaften realisiert werden. Nur so könnten projektbezogen auch private Partner und damit Geldgeber mit ins Boot genommen werden.

Ob ein Kämmerer – wie von der „Ampel“ gefordert – der geeignete zweite Geschäftsführer neben Heinz Mannheims sein könnte, ließen die Gutachter offen. Er müsse auf jeden Fall erfahren und qualifiziert im Bereich Strukturentwicklung sein, betonte Gramm.

Für Henner Schmidt, Vorsitzender der Win.DN-Gesellschafterversammlung, aber auch Sprecher der „Ampel“ im Stadtrat, steht fest, dass der Stadtrat so schnell wie möglich die Empfehlungen der Gutachter umsetzen sollte. „Wir als ‚Ampel‘ werden alles versuchen, die notwendigen Mittel schon im Haushalt 2016 zur Verfügung zu stellen“, kündigte er an.

Wie schon bei der Aufstockung des Jugendamtspersonals vor drei Jahren soll die Kommunalaufsicht wenn nötig davon überzeugt werden, dass die zusätzlichen Stellen eine Investition in die Zukunft sind, die der Stadt langfristig Arbeitsplätze und Steuereinnahmen bringen würden. „Davon würde dann der ganze Kreis profitieren“.

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