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Wird die Kirmes Weltkulturerbe?

Von: Jörg Abels
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Weltkulturerbe? Die deutschen Schausteller haben bei der Unesco beantragt, die deutschen Volksfeste als immaterielles Kulturgut anzuerkennen. Teil der Bewerbung ist auch die Annakirmes. Foto: Abels

Düren/Papenpurg. Zweimal im Jahr durften sich die Kinder in Niederzier früher auf eine Dorfkirmes freuen: beim Schützenfest an Pfingsten und im Herbst, wenn der Hahnenkönig gefeiert wurde. Das aber war einmal. Wie so viele kleinere Veranstaltungen auf Dörfern auch im Kreis Düren gehört auch die Kirmes in Niederzier der Vergangenheit an.

Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der Volksfeste bundesweit von 12.000 auf 9900 zurückgegangen. Selbst größeren Traditionsfesten droht Gefahr.

Was muss geschehen? „Wir müssen wieder zurück zu den Ursprüngen und unser Produkt im wahrsten Sinne des Wortes wieder zur Schau stellen“, erklärt Bert Cremer, Vorsitzender des Verbands Reisender Schausteller Düren, nach der Rückkehr von einer dreitägigen Delegiertentagung des Deutschen Schaustellerverbands in Papenburg. „Das fängt beim Rekommandieren an und hört bei der Servicequalität auf“, betont der Karussellchef. „Es geht um das Gefühl und die Atmosphäre, die eine Kirmes ausmachen.“

Aber die Schausteller setzen auch auf einer anderen Ebene an. Die Kirmes soll als Weltkulturerbe von der Unesco anerkannt werden. „Wenn die deutsche Volksfesttradition keine Kultur ist, was dann?“, fragt sich Cremer. Er verweist auf das über 1000 Jahre alte Lukullus-Fest in Bad Hersfeld, aber natürlich auch auf die mehr als 375-jährige Geschichte der Annakirmes, die ebenfalls Bestandteil des Antrags ist. „Wir haben Bilder und Filme zur Verfügung gestellt“, berichtet der Dürener Schaustellerchef. Die Anerkennung als immaterielles Kulturgut soll den Bestand der Feste sichern.

Nicht, dass die Annakirmes in ihrer jetzigen Form gefährdet sei, beeilt sich Cremer zu betonen. Aber schließlich handele es sich bei dem Annakirmesplatz um ein städtisches Grundstück in bester Lage, das vielleicht doch irgendwann noch einmal Begehrlichkeiten von Investoren wecken könnte. Cremer verweist auf zahlreiche Beispiele in anderen Städten und erinnert, dass auch in Düren schon einmal, Mitte der 80er Jahre, eine Verlegung der Annakirmes auf das Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik diskutiert wurde.

Sollten die Volksfeste und mit ihnen die Annakirmes aber Weltkulturerbe werden, sei eine Verlagerung deutlich schwerer durchzusetzen, ist er überzeugt und spricht von einer rechtlichen Absicherung. Mit einer schnellen Entscheidung aber rechnet Cremer nicht. Er spricht von einem langwierigen und komplizierten Verfahren, das frühestens 2016/2017 abgeschlossen sein wird.

Weiter Streit über EU-Norm

Immer noch nicht abgeschlossen ist die Diskussion um die Umsetzung der neuen EU-Norm 13814, die neue technische Standards für Fahrgeschäfte vorschreibt, aber nur in Deutschland auch für Altgeschäfte gelten soll. Die Folge sind teure statische Neuberechnungen, die viele Schausteller kaum schultern können. Cremer berichtet von einem Dürener Kollegen, der aus diesem Grund mit seiner Raupenbahn die Reise einstellen will. Folge: Weitere kleine Feste auch im Dürener Land wären damit gefährdet, weil mit der Raupenbahn das wichtigste Geschäft fehlen würde.

„Sicherheit steht für uns an oberster Stelle“, betont Cremer. Es gehe um eine willkürliche Ungleichbehandlung im Vergleich mit Schaustellern in anderen EU-Ländern, aber auch im Vergleich zu baugleichen Fahrgeschäften, die fest in Freizeitparks installiert seien. Die zugestandene Fristverlängerung bis 2015 und die Befreiung der Kinderfahrgeschäfte von der Norm reicht den Schaustellern nicht aus. Sie wollen nun Beschwerde bei der EU-Kommission gegen den deutschen Alleingang einlegen, kündigt Cremer an.

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