Windhunde-Mahnmal: Diskussion um Info-Tafeln geht weiter

Von: Stephan Johnen
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Vossenack. Die in der vergangenen Woche offiziell eingeweihten Informationstafeln an der Kriegsgräberstätte Vossenack sollten ein erstes sichtbares Zeichen einer „Weiterentwicklung der Erinnerungskultur“ sein, betonte Landrat Wolfgang Spelthahn.

Im Rahmen eines Moratoriums soll die „Erinnerungslandschaft Hürtgenwald“ einer Bestandsaufnahme und Bewertung unterzogen werden, kündigten Spelthahn und Hürtgenwalds Bürgermeister Axel Buch an. Die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg solle zeitgemäß weiterentwickelt werden. Sachlich und informativ sollen Besucher über die „Schlacht im Hürtgenwald“ informiert werden.

„Seit einigen Jahren kommen der Hürtgenwald und seine traurige Vergangenheit im Zweiten Weltkrieg nicht zur Ruhe“, findet Helmut Rösseler, Vorsitzender des Fördervereins „Windhunde mahnen zum Frieden“. „Das Recht der freien Meinungsäußerung scheint im Kreis Düren seine Gültigkeit verloren zu haben und der Bürger bekommt vorgeschrieben, was und wie er zu denken hat“, kritisiert Rösseler die „Überarbeitung“ der Tafeln von Historikern und Experten des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge. Die ebenfalls beteiligten Schüler, findet Rösseler, „können sich und ihre Ansichten in den Schautafeln nicht mehr wiederfinden“. Er fragt sich: „Wo ist das Rückgrat der Politiker geblieben, zu einer Sache zu stehen und nicht einzuknicken?“

Rösseler führt als Beispiel eine Eingangstafel am Mahnmal der „Windhund“-Division an. „Sie wurde auf Befehl des Landrates zwei Tage vor der Vorstellung der Schautafeln auf dem Ehrenfriedhof von der Kreisverwaltung entfernt, um kritischen Fragen zuvor zu kommen. Der Inhalt dieser Tafel am Mahnmal ist in keiner Weise rechtswidrig noch volksverhetzend, noch glorifizierend – und trotzdem stört er die Wissenschaftler“, sagt Rösseler.

Eine Kritik, die Landrat Wolfgang Spelthahn entschieden zurückweist. Zum einen seien die Schüler in die sachlich begründete und bereits erörterte Überarbeitung der Tafeln eingebunden gewesen, zum anderen „gab es eine klare Absprache, dass das ‚Windhunde‘-Mahnmal nicht unkommentiert bleibt“. In Zusammenarbeit mit Förderverein, Kreis Düren und den bereits beteiligten Experten sollte daher ein gemeinsamer Text erarbeitet werden. Der Förderverein sei aber „vorgeprescht“ und habe eine neue Tafel mit einem nicht abgestimmten Text aufgestellt.

„Herr Rösseler bot in einem Gespräch an, diese wieder zu entfernen, da es sich um ein Missverständnis gehandelt habe“, sagt Spelthahn. Am 10. Juni habe es ein Treffen mit Bürgermeister Axel Buch gegeben, in dem das weitere Vorgehen besprochen wurde. Bis zur Fertigstellung der neuen Tafel, die die vom Historischen Beirat des Volksbundes kritisierten ehemaligen sechs Tableaus am Mahnmal ersetzen wird, soll ein Hinweis auf eine Umgestaltung ausgehängt werden. Dagegen habe es von Rösseler, der beteiligt war, keinen Einspruch gegeben.

„Ich kann nur dafür werben, den mit dem Moratorium eingeschlagenen Weg fortzusetzen“, sagt Spelthahn. Die Reaktion des Vereinsvorsitzenden sei nicht nachzuvollziehen. „Es gab vor dem 10. Juni weder ein Gespräch noch einen Briefwechsel zu der Tafel“, sagt Rösseler. „Über dieses Thema wird mit dem Kreis in Zukunft nur noch schriftlich kommuniziert. Das bringt Klarheit.“

Historiker Frank Möller, der mit Dr. Karola Fings vom NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln am 10. Juni am Treffen teilgenommen hat, listet einige Textpassagen (kursiv) der umstrittenen Tafel auf, die „schönfärberisch oder historisch falsch“ seien: „Das Mahnmal soll an die Männer erinnern, die auf dem weiten Weg der Division von Augustdorf nach Jugoslawien, quer durch den Süden Russlands bis hin zur Kalmückensteppe am Kaspischen Meer und zurück, in der Hölle am Mius, in die Gluthitze von Saporohsje, in der Normandie, im Kessel von Argentan […] starben […].“

Möller spricht von einer „Verklärung der Teilnahme am Vernichtungskrieg der Wehrmacht zum Abenteuer und zur männlichen Bewährungsprobe“. Die Behauptung, dass die Soldaten der Division von einem „menschenverachtenden NS-Regime missbraucht und betrogen“ wurden, für eine „Sache, die sie selber nicht durchschauten“, sei eine inakzeptable kollektive Umdefinierung von Wehrmachtseinheiten zu Opfern.

„In der Besprechung am 10. Juni wurde vereinbart, dass der endgültige Text für die ‚Windhund‘-Anlage, der im Rahmen des anstehenden Moratoriums erarbeitet werden soll, die Anlage historisiert, also ihre Entstehungsbedingungen und ihre Nutzungsgeschichte bis heute beschreibt. All das ist möglich, ohne die 116. Panzerdivision zu glorifizieren, ohne das Kriegsgeschehen zum Abenteuerausflug zu banalisieren und ohne Opfer und Täter zu vermengen“, fasst er das Ergebnis der Besprechung zusammen.

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