Willkür beim Wasser ab drei Wohneinheiten?

Von: Jörg Abels
Letzte Aktualisierung:
9406231.jpg
Ist die Gebührenberechnung der Stadtwerke beim Trinkwasser falsch. Ein SWD-Kunde kritisiert den zusätzlichen Bereitstellungspreis in Mehrfamilienhäusern ab der 3. Wohneinheit. Foto: Abels
9406170.jpg
Ein Wasserzähler vom „Typ QN 2,5“ kann laut DVGW bis zu 30 Wohneinheiten versorgen. Foto: Abels

Düren. Verlangen die Stadtwerke Düren (SWD) und ihre Tochter „Leitungspartner“ bei der Trinkwasserversorgung in Mehrfamilienhäusern zu Unrecht ab der dritten Wohneinheit zusätzlich einen sogenannten Bereitstellungspreis von 50,29 Euro? Davon ist der SWD-Kunde Frank Vetten überzeugt.

„Für diese zusätzliche Gebühr müssen die Stadtwerke keine zusätzliche Leistung erbringen. Sie ist deshalb nicht gerechtfertigt“, findet er.

Aktuell berechnet der Trinkwasser-Monopolist jedem Kunden neben dem Verbrauchspreis von 1,79 Euro pro Kubikmeter für einen Wasserzähler mit einem Durchfluss von bis zu fünf Kubikmetern pro Stunde, einem Zähler vom sogenannten „Typ Qn 2,5“, einen Grundpreis von 102,29 Euro im Jahr. Leitungsnetz und Wasserdruck müssen bei diesem Typ so dimensioniert sein, dass fünf Kubikmeter Wasser pro Stunde am Hausanschluss abgenommen werden können. Das wären 43.800 Kubikmeter im Jahr (365 Tage x 24 Stunden x 5 Kubikmeter).

Durchschnittlich verbraucht jeder Deutsche aber nur 121 Liter Wasser am Tag, im Jahr etwa 45 Kubikmeter. Dazu kommt: Nach Berechnungen des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) ist ein Zählertyp „Qn 2,5“ für bis zu 30 Wohneinheiten ausreichend. Der Grundpreis der Stadtwerke für den Wasserzähler deckt allerdings nur zwei Wohneinheiten ab.

Dass für mehr als zwei Wohneinheiten keine baulichen Veränderungen am Leitungsnetz erforderlich sind, hat Frank Vetten von den Stadtwerken sogar schriftlich: Für die Umstellung des Einfamilienhauses seines Vaters auf drei Wohnungen müsse die Zuleitung nicht erneuert werden, das verlegte Wasserrohr sei ausreichend dimensioniert, heißt es.

Trotzdem verlangen die SWD für die dritte Wohneinheit den zusätzlichen Bereitstellungspreis. Für Frank Vetten ein Unding. Aus seiner Sicht sei nur der Grundpreis von 102,29 Euro gerechtfertigt. Und er sieht sich in der Abrechnungspraxis des Städtischen Wasserwerks Eschweiler und der Verbandswasserwerk Aldenhoven GmbH bestätigt. Beide kennen nur neben einem Verbrauchs-/Arbeitspreis je Kubikmeter nur noch und einen Grundpreis je Zähler, keine zusätzlichen Gebühren in Abhängigkeit von der Zahl der Wohneinheiten.

SWD: Mehr Bedarf, größere Netze

Auf Nachfrage erklärt SWD-Sprecher Jürgen Schulz, dass bei den Stadtwerken nicht der tatsächliche Verbrauch, sondern der theoretisch mögliche Wasserbedarf für die Berechnung von Grund- und Bereitstellungspreis entscheidend sei. „Dieser ist üblicherweise bei mehreren Wohneinheiten ein anderer, als der Bedarf einer einzelnen Wohneinheit.“

Um die Versorgungssicherheit auch in Spitzenzeiten zu garantieren, bringe ein höherer Bedarf eine größere Dimensionierung des vorgelagerten Netzes mit sich und bedinge auch die größere Vorhaltung an Trinkwasser. Als Bemessungsgrundlage werde daher die Anzahl der Wohneinheiten hinzugezogen. „Andere Wasserversorger sprechen in diesem Fall von einem Systempreis“, erläutert Schulz und verweist auf eine Praxis, die zum Beispiel auch von den Stadtwerken Krefeld und der RWW Mülheim angewendet werde.

„Der Netzbetreiber muss einen Maßstab erhalten, um seine Rohrnetze bedarfsgerecht zu dimensionieren: Dabei ist die Gebäudegröße und damit die Belegung des Gebäudes der entscheidende Faktor“, betont Schulz. „Auch wenn andere Versorger zum Teil die Bemessungsgrundlage über Wohneinheiten noch nicht in ihren Preismodellen berücksichtigen, so zeigt die aktuelle Entwicklung in der Wasserversorgung allerdings den Trend auf, dass dies zunehmend einen höheren Stellenwert in der Branche einnimmt.“

Nachvollziehen kann Frank Vetten die Argumentation der Stadtwerke nicht, da ein „Qn 2,5“-Wasserzähler und das Leitungsnetz wie beschrieben bereits für einen deutlich höheren Verbrauch als er von einem Ein- oder Zwei-Familienhaushalt benötigt wird, ausgelegt sind. Er fordert von den Stadtwerken, die Gebührenberechnung zu ändern und künftig auf die zusätzlichen Bereitstellungspreise ab der dritten Wohneinheit zu verzichten. Davon würden aus seiner Sicht mehrere tausend Haushalte im Stadtgebiet profitieren. Dem Bürgermeister hat der SWD-Kunde die Problematik schon einmal erläutert. Paul Larue wolle sich der Thematik annehmen, berichtet er.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert