William Shakespeare auf Zerkaller Bütten

Von: Stephan Johnen
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Der Chef erklärt: Felix A. Renker (blaues Hemd) übernahm die Führung der DZ-Leser durch die Papierfabrik Zerkall. Foto: Stephan Johnen

Zerkall. William Shakespeare war nicht gerade schreibfaul. Sehr zur Freude von Felix A. Renker, dem geschäftsführenden Gesellschafter der Papierfabrik Zerkall. Denn das Familienunternehmen wurde von einem englischen Verlag ausgewählt, um für eine aufwendig gestaltete und limitierte Gesamtausgabe aller Werke des Dichters das nicht alltägliche Papier in einem besonderen Format zu liefern. Seitdem halten Shakespeare-Enthusiasten in aller Welt Zerkaller Bütten in ihren Händen.

Mehr als eine Million Büttenblätter verließen von 2006 bis 2014 die Fabrik in Richtung Vereinigtes Königreich. „Das war das bislang größte Projekt der Firmengeschichte“, verriet Dienstag Felix A. Renker den Teilnehmern der DZ-Sommertour. Die dritte Etappe führte in das Kalltal, wo Renkers Urgroßvater 1903 eine Papierfabrik gegründet hatte, um Büttenpapier zu produzieren. Eine Tradition, die bis heute gepflegt wird. Gleichzeitig wird mit neuen Formaten und auch Materialzusammensetzungen experimentiert.

„In Deutschland gibt es noch zwei Betriebe, die echtes Büttenpapier auf Rundsieben herstellen“, erklärte der Geschäftsführern unseren Lesern zu Beginn der mehr als zweistündigen Führung durch das Unternehmen. Nach einem kurzen Abriss über die frühe Industrialisierung des Kalltals ließ Renker die Firmengeschichte Revue passieren und verschwieg nicht, dass auch die Krisenjahre 2001 und 2008 Spuren hinterlassen haben. „Wir haben den Boden erreicht“, ist Renker überzeugt, dass Büttenpapier vom Rundsieb auch im Zeitalter der Digitalisierung eine Zukunft hat. 30 Mitarbeiter produzieren im Kalltal Briefpapiere, Papiere für den (manuellen) Druck und Künstlerpapiere, die weltweit nachgefragt würden. Das Unternehmen besetze eine Nische.

„Unser Ziel ist es, altersbeständige Papiere herzustellen“, erklärte Renker unseren Lesern beim Gang durch die Produktion. Vom sogenannten Pulper, in dem die Rohstoffe zu einem Faserbrei verrührt werden, ging es Station für Station bis zur Papiermaschine, wo mit Hilfe der auf Walzen aufgespannten Siebe aus dem Brei Papierbögen entstehen, die noch getrocknet und geglättet werden, bevor sie unter Einsatz von viel Handarbeit konfektioniert werden. Mit großem Interesse verfolgten die DZ-Leser die Schilderungen Renkers – und sie konnten an manchen Stationen die Rohstoffe in die Hand nehmen oder das noch nasse Büttenpapier auf seine Reißfestigkeit untersuchen.

Doch warum kaufen Kunden heutzutage noch Büttenpapier? 400 bis 500 Jahre soll ein solches Papier mindestens den Umwelteinflüssen, Licht und Luftfeuchtigkeit trotzen können, erklärte Renker. Künstler setzen ebenso auf Bütten wie Herausgeber hochwertiger Buchpublikationen.

„Wir verwenden in der Produktion weder Bleichmittel noch optische Aufheller“, betonte Felix A. Renker. Ein weiteres Qualitätskriterium sei, dass Zerkaller Bütten zu jeder Jahreszeit gleich aussehe. Was selbstverständlich klingt, verlangt nach einem kleinen Kniff in der Produktion. „Wir verwenden das Oberflächenwasser der Rur. Und die Rur führt im Frühling anderes Wasser als im Herbst“, sprach Renker leichte Veränderungen an, die sich beispielsweise nach der Schneeschmelze einstellen. Daher werde das Zerkaller Büttenpapier leicht getönt, um zwölf Monate im Jahr eine gleichbleibende Qualität zu garantieren.

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