Willi Lieven: Beliebtester Politiker im Kreis Düren ist tot

Von: -vpu-
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Wilhelm Lieven in der jüngeren Vergangenheit: Der prominente Politiker aus dem Kreis Düren ist am Dienstag im Alter von 80 Jahren nach langer Krankheit gestorben. Foto: hfs./Archiv
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Willi Lieven vor 30 Jahren mit der unvermeidlichen Zigarre. Foto: hfs./Archiv

Titz/Kreis Düren. Anfang September 1994 gab es einen Stau von der Autobahnauffahrt Mersch bis zur Autobahnauffahrt Titz. Und weitere Pkw-Kolonnen drängten sich über die Straßen zur Spieler Mühle bei Titz. Das Ziel von tatsächlich tausenden Gästen war ein Festzelt gleich neben dem Gutshof von Wilhelm Lieven, in dem der Hausherr seinen 60. Geburtstag feierte und das aus allen Nähten platzte.

Der in jeder Hinsicht volksnahe Politiker und Macher – gelernter Müller – wusste zu leben, zu feiern und vor allem zu arbeiten. Er ist nun 14 Tage nach seinem 80. Geburtstag nach langer Krankheit gestorben. Den Jubeltag konnte er gesundheitsbedingt nicht mehr feiern. Eine der prominentesten Stimmen des Jülicher Landes und des Kreises Düren ist verstummt.

„Lievens Will“, wie er in seiner Heimat fast ausschließlich genannt wurde, war bekannt wie ein bunter Hund, aber vor allem über Jahrzehnte beliebt und geschätzt wie kaum ein anderer. Er machte keinen erkennbaren Unterschied im Umgang zwischen dem Ministerpräsidenten im Düsseldorfer Landtag und seinen Mitmenschen in Titz. Wen er kannte und zum zweiten Mal traf, der wurde meist geduzt: „Jung, wie isset?“ Eine Besonderheit an Willi Lieven war, dass ihn die Antwort auf diese Frage interessierte.

Vielfältig engagiert

Lieven hat sich seinen Überzeugungen mit Leib und Seele verschrieben. Die Zahl seiner „Berufe“ und Ehrenämter ist fast unüberschaubar. Besonders wichtig zu nennen: Fünf Wahlperioden gehörte er dem Landtag NRW an (1980 bis 2005), fast 25 Jahre war er ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Titz.

Und von 1990 bis 2004 war der Mann von der Spieler Mühle Präsident der Landwirtschaftskammer Rheinland und natürlich zudem viele Jahre Kreislandwirt. Den Kreistagen in Jülich und Düren gehörte Willi Lieven von 1969 bis 2009 an. Von 1974 bis 1999 war er zudem stellvertretender Kreisvorsitzender der CDU.

Natürlich waren ihm inhaltlich die Anliegen der Landwirte besonders wichtig. Im Jahr 2000, vor seiner letzten erfolgreichen Landtagskandidatur, sagte er: „Die Leute meinen, wir brauchen Bauern nicht, weil ja alles im Supermarkt zu bekommen ist.“ Doch auch die großen und kleinen Anliegen „seiner“ Wählerschaft verteidigte er vehement. Im gleichen Jahre sagte er gegenüber unserer Zeitung einen Satz, der immer noch aktuell ist: „Wer die Arbeitsplätze bei der Braunkohle platt macht, der macht den Arbeitsmarkt in meinem Wahlkreis platt.“

Wilhelm Lieven war scheinbar immer und überall zu finden und startete seine langen Arbeitstage im Morgengrauen. Dieser unermüdliche Einsatz und die Fähigkeit, auf Freund und Feind zugehen zu können, verschaffte ihm ein riesiges Netzwerk. Er schlug kaum eine Vereinseinladung aus und nutzte seine Kontakte, um anderen zu helfen.

Lievens Überzeugungen als Christ und Christdemokrat hinderte ihn nie daran, über alle Grenzen hinweg Freunde zu finden. Es war kein Wunder, dass zu seinem 60. Geburtstag vor 20 Jahren eben nicht nur der CDU-Fraktionschef im Landtag, Helmut Linssen, seine Aufwartung machte, sondern auch „sein Minister“, der Sozialdemokrat Klaus Matthiesen, in dessen Ressort als Umweltminister die Landwirtschaft fiel und mit dem er befreundet war.

Willi Lieven erhielt zahlreiche Auszeichnungen, allen voran das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und die 2008 erstmals verliehene Goldene Plakette der Landwirtschaftskammer NRW. Ihm zu Ehren wird es am Tage seiner Beerdigung Trauerbeflaggung am Titzer Rathaus geben. Bürgermeister Jürgen Frantzen sagte am Dienstag über den Verstorbenen: „Wilhelm Lieven hat die Gemeinde Titz geprägt wie kein Zweiter. Es ist ihm gelungen, die vielen einzelnen Orte zu einer Gemeinschaft zusammenzuführen, die über ein Wir-Gefühl verfügt.“

In Spiel schließt sich der Kreis

Willi Lieven hinterlässt seine Frau und vier Kinder sowie fünf Enkelkinder. Es war sein Wunsch, in der Heimat begraben zu werden. So findet der Trauergottesdienst am Freitag, 19. September, um 10 Uhr in der (kleinen) Spieler Kirche statt. In Spiel findet der Verstorbene auch seine letzte Ruhestätte. Es schließt sich ein Kreis, denn wieder werden Willi Lievens Heimat viele Menschen ansteuern. Diesmal, um ihm die letzte Ehre zu erweisen.

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