„Wiesn“-Zeit: Auch der Kreis Düren ist blau-weiß

Von: Sarah Maria Berners
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Mahlzeit: Bier, Weißwurst, Brezeln und Senf gehören zu einem Oktoberfest dazu. Auch in unseren Gefilden. Foto: stock/Chromorange

Kreis Düren. Die Mallorca-Partys sind vorbei, bis zum Elften im Elften dauert es noch ein bisschen. Was liegt da näher, als sich am bayerischen Brauchtum zu bedienen und das Oktoberfest ins Rheinland zu holen? Seien es die „Wiesn“-Zeit in Gey oder die Oktoberfeste in Merode, Oberzier und Co.

Wir haben Grund zum Feiern – und München ist längst überall. Aber warum hat der Rheinländer die bayerische Tradition übernommen? Wie kommt es, dass er einmal im Jahr freiwillig die Kölsch-Stange gegen den Maßkrug tauscht?

„Was vermarktet werden kann, wird vermarktet. Jeder Anlass ist recht. Da spielt auch der räumliche und kulturelle Unterschied zwischen Bayern und dem Rheinland keine Rolle“, sagt Thomas Hax-Schoppenhorst, Pädagoge und Autor aus Düren. Coke und Halloween hätten es ja sogar über den großen Teich geschafft. „Bei einem Oktoberfest können Menschen für einen Abend die Rollen wechseln.

Wie zu Karneval helfen die Kostüme dabei, aus dem Alltag herauszutreten“, erklärt Hax-Schoppenhorst. Katharina Rolfink, die Vorsitzender der Kulturinitiative des Kreises Düren, die das Oktoberfest in der Arena veranstaltet, ergänzt: „Die Verkleidung hilft vielen, aus sich herauszugehen. Beim Oktoberfest im vergangenen Jahr trugen 93 Prozent der Leute Dirndl, Lederhose oder zumindest ein kariertes Hemd. Das schafft eine Gemeinschaft, eine besondere Stimmung“. Die Hütte war voll.

„Der Rheinländer, und damit auch der Dürener, feiert nun mal gern“, sagt Hax-Schoppenhorst. „Im positiven Sinn würde man das als ‚ausgesprochen gesellig‘ bezeichnen, sieht man es eher kritisch, so ist festzuhalten, dass in unserer Region aber auch jede Gelegenheit dankbar beim Schopfe gepackt wird, sich abzulenken.

Nach dem Motto: Um uns herum bleibt die Welt nur mit Ach und Krach auf Kurs – wir lassen uns nicht unterkriegen.“ Erstaunlich sei dabei, dass offensichtlich dem heiß geliebten Kölsch – zumindest für diese Zeit – Biere südlicher Herkunft Konkurrenz machen dürften. „Abseits des Oktoberfestbooms spottet der Rheinländer doch eigentlich gern über das ‚Gebräu‘“, merkt Hax-Schoppenhorst an. Zur Oktoberfestzeit ist alles Bayerische angesagt, blau-weiß scheint Trumpf.

Für Kostümanbieter hat sich ein Geschäftsfeld zwischen Fastelovend und Halloween eröffnet. „Seit zwei Jahren steigt die Nachfrage stark“, weiß Sarah Heldt, Filialleiterin bei Deiters in Düren. Während anfangs preiswerte Karnevalskleider im Dirndl-Stil gefragt gewesen seinen, weil sie ja eh nur einmal getragen wurden, gehe der Trend jetzt in eine andere Richtung. „Es gibt ja immer mehr Anlässe, um Dirndl und Lederhose auch auszuführen“, sagt Hardt.

Aber warum sind Trachten plötzlich wieder cool? Vom Freistaat Bayern und München gehe stets so etwas wie eine Faszination aus, sagt Hax-Schoppenhorst. Die Region gelte als wirtschaftlich erfolgreich, sauber, geordnet, kulturell interessant.

Von dort komme die Botschaft: Hier ist die Welt noch in Ordnung. „Das stimmt zwar auch nicht mehr so ganz, aber wer gibt sich nicht gerne Illusionen hin?“ Vielleicht sei es aber auch bloß das „krachledern-deftige Ambiente“ der echten Oktoberfeste – mit Blasmusik, Lederhosen, zünftigen Mahlzeiten und Frohsinn, das die Menschen so reize. „Der Rheinländer ist da ja im Vergleich fast schon filigran“, merkt der Pädagoge an.

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