Wiener Blechbläser Mnozil Brass: Orchester, Ballett und Sänger zugleich

Von: Hannes Schmitz
Letzte Aktualisierung:
Das Wiener Blechbläserensembl
Das Wiener Blechbläserensemble Mnozil Brass zeigte sich auf der Bühne im Haus der Stadt schräg und krass. Foto: Schmitz

Düren. Da standen sie erneut auf der Bühne und stellten das Haus der Stadt mal wieder auf den Kopf: Schräg und krass, das ist Mnozil Brass. Die Zuschauer waren euphorisiert, und die Band bestaunte fast demütig den Freudentaumel der Zuhörer. Einen furiosen Abend hatte das Publikum im ausverkauften Haus erlebt. Originell waren die Musiker aus Wien, eigenwillig, witzig und virtuos.

Vor nichts schienen die sieben Musiker aus der Alpenrepublik Respekt zu haben. Gnadenlos setzten sie einen Streich nach dem anderen. Sie bildeten ein Ensemble, das alles war: Orchester, Ballett, Chor und Solisten - und das alles zur gleichen Zeit. Man musste höchst konzentriert sein, um alle absurden Einfälle mitzubekommen.

Die Einfälle reichten vom versuchten Papierkugelzielwurf in den Schalltrichter der Tuba, der Wandlung eines Gewichtshebers in einen Balletttänzer mit einem aus der Hose gezauberten Tütü bis zu einer Militärparade mit Exerzieren und Befehlen, die fast zum erotischen Ausdruckstanz schwenkte.

Das Absurde wurde bei Mnozil Brass zum Normalen, auf einfache, manchmal hinterhältige Weise verbanden sie Dinge, die eigentlich nichts miteinander zu tun hatte. Es gab Sport zur Musik, Bänderturnen zu Tschaikowskys Nussknacker-Marsch, bei dem sich der Turner fast strangulierte, und Synchronschwimmen auf dem Trockenen zum Donauwalzer. Und in die Pause hüpften alle auf einem Bein zu „Muss i denn zum Städtele hinaus”.

Nichts war vor der Wiener Blechbläsertruppe sicher. Da erklangen avantgardistisch wirkende Geräuschstrukturen mit Bigband-Sound, Klassikarrangements, Filmmusik, Swing, Jazz, aber auch Alpen-Folklore und ein Kunstlied von Schubert auf einer Kinder-Melodika. Und all dies geschah auf allerhöchstem Niveau und mit einer schier unglaublichen Virtuosität. Schon der Auftakt der Schau ging unter die Haut und traf mit tonlosen Geschichten sowie skurrilen Momenten das Zwerchfell.

„Blofeld” ist der Titel des aktuellen Programms, gewidmet dem Gegenspieler von James Bond. Und schon ertönte ein Medley mit Musiken aus den Bond-Filmen - eine Persiflage sondergleichen. Ein Trompeter bediente bei „Goldfinger” die Ventile seines Instruments nur mit einem Finger, der „vergoldet” war. Und im Hintergrund der Bühne stakste „Blofeld” herum. Ganz in Schwarz mit Melone und schauerlichem Lachen war er Saboteur, Schurke, die Inkarnation des Bösen. Er zerriss Notenblätter und fackelte sie ab. Seinen Mitstreitern schadete er auf zynische Weise: Giftspritze in den Hals, ein Tuch vors Gesicht, Überleben dennoch garantiert, „The Show must go on” (Die Schau muss weitergehen).

Ein irres Konzert lief ab, angereichert mit Artistik, Slapstick, Satire, Parodie und Spott. Die Band bot Unterhaltung von höchster Perfektion und einen Sarkasmus , der den Wiener Schmäh zu einer Streicheleinheit degradierte. Beim Finale des Konzertabends wurde das Groteske des Abends musikalisch beim „Sousa Marsch! mit „I wanna be loved by you”, „Birdland” und „Florentiner Marsch” mit Varianten nochmals zusammengefasst.

Das Publikum verlor endgültig die Fassung und die Kontrolle. Nach dem Auftritt und jeder Zugaben der österreichischen Talente wurde frenetisch applaudiert, getrampelt, gerufen, gejubelt, sich auf den Theaterstühlen niedergelassen, um dann zum wiederholen Male die Formation mit Ovationen zu feiern.
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