Düren - Wiederschein hat keine Lust auf die Medaille

Wiederschein hat keine Lust auf die Medaille

Von: Franz Sistemich
Letzte Aktualisierung:
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Am Ende half auch die großartige Unterstützung der Fans nicht: Nach dem Pokalfinale blieb bei den Spielern von Evivo Düren (im Bild Jan Umlauft) nichts als purer Frust. Foto: Sistemich

Düren. Nein, die Plakette wollte er nicht. Ilja Wiederschein verzichtete auf den äußeren Lohn für den zweiten Platz im deutschen Pokalwettbewerb: „Ich wollte sie einfach nicht. Wir haben die einmalige Chance verpasst, den Pokal zu gewinnen. Wir haben ihn verschenkt”, machte der Zuspieler von Evivo Düren seinem Frust auch am Montagmittag noch Luft.

Eine Deutsche Meisterschaft und vier Pokalsiege hat Wiederschein mit dem SC Charlottenburg Berlin und dem VfB Friedrichshafen bejubeln dürfen. Mit Evivo unterlag er zum zweiten Mal in Halle/Westfalen. Doch Niederlage ist nicht gleich Niederlage: „Vor zwei Jahren sind wir nach dem 2:3 gegen die Häfler noch supergelaunt nach Düren zurückgefahren, haben gelacht, uns gefreut. Und Sonntag? So wie die Partie abgelaufen ist... Ich bin einfach zu leer, ich habe das Finale nicht verdaut, und das wird wohl noch eine ganze Weile dauern”, meinte der dienstälteste Dürener Akteur.

Beobachter sahen den Spieler und seinen Trainer noch während der Partie in einem impulsiven Wortwechsel. „Wir haben uns ausgetauscht”, sagte Wiederschein. Und Trainer Sven Anton kommentierte: „Er war sauer, weil im fünften Satz von Anfang an Sebastian Kühner spielte.” Die Szene zeigt, wie sehr sich die Dürener Spieler den Pokalsieg wünschten.

Im ganzen ersten und über weite Strecken des zweiten Abschnittes dominierte Evivo das Geschehen vor den 10200 Zuschauern. Dürens Fans glaubten sich angesichts der Angriffswucht von Diagonalangreifer Christian Dünnes, mit 35 Zählern fleißigster Punktesammler beider Finalteams, und von Jan Umlauft, des Mannschaftskapitäns, bald am Ziel ihrer Sehnsüchte, auch weil die anderen Elemente dieser Sportart wie Annahme oder Blockarbeit von den Rheinländern beherrscht wurde. Die Oberbayern sahen wirklich nicht gut aus.

Doch dann geschah Zweierlei: Zum einen wechselte Hachings Trainer den lange verletzten Außenangreifer Sebastian Schwarz ein, den Düren 26 Mal nicht stoppen konnte. „Zum anderen erlebten wir einen kompletten Einbruch in Annahme und Blockarbeit”, bilanzierte der Coach. An diesem Minus und dem folgenden Rattenschwanz an Problemen knabberte Evivo in den restlichen drei Sätzen erfolglos. Egal welche Wechsel der Trainer vornahm (oder auch nicht): Das Team kam nicht in die Erfolgsspur zurück.

„Ich habe den Jungs gesagt, sie sollen wieder locker werden, habe ihnen Mut zugesprochen, aber es hat nichts genutzt.” Ein Grund: „Auf der anderen Seite standen sechs Nationalspieler, bei uns drei Jungspunde in der Annahme.” Oder: „Wir haben halt keinen Schwarz, der mal von der Bank kommen und einen fast besiegten Gegner wieder in das Spiel zurückbringt”, erläutert Anton seine Wechsel-Überlegungen und Ansichten zu den jeweiligen Startformationen zu Beginn eines Satzes. Andere sahen es anders: „Düren hat seine personellen Möglichkeiten nicht ausgeschöpft”, befand beispielsweise Evivos Geschäftsstellenleiter Josef Kaulen.

Selbst die famose Unterstützung der Fans half nicht: „Wenn wir unser Team nicht anfeuern, wenn es schlecht läuft, wann sollen wir es denn unterstützen?”, fragten Stefan Kriebs und Mario Schotte-Moersheim, die Moskitos-Sprecher und Fanbeauftragten rhetorisch. Und kündigten moralische Aufbauarbeit an: Am Montag trösteten die Moskitos beim Empfang der Vizepokalsieger in der Sportsbar der Arena. Und in den nächsten Partien werden sie ihr Team natürlich wieder lautstark anfeuern.
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