Düren - Wie sind Veranstaltungen zu schützen?

Wie sind Veranstaltungen zu schützen?

Von: Burkhard Giesen
Letzte Aktualisierung:
13793148.jpg
Der Weihnachtsmarkt war geschützt. Inwieweit können der Kinderkarnevalszug oder andere große Veranstaltungen gesichert werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Stadt Düren. Foto: Burkhard Giesen

Düren. Das Bild war martialisch: Ein Polizist in schusssicherer Weste mit einer Maschinenpistole in der Hand steht vor dem Dürener Weihnachtsmarkt und soll Sicherheit vermitteln. Wenige Tage später riegelt die Stadt Düren den Kaiserplatz mit Betonklötzen ab – alles zum Schutz der Weihnachtsmarktbesucher. Und jetzt?

Diese Frage kann die städtische Beigeordnete Christine Käuffer (noch) nicht beantworten. „Die Frage, wie Veranstaltungen in Düren künftig zu schützen sind, steht ganz oben auf unserer Agenda. Wir wissen, dass wir unsere Bemühungen verstärken müssen, ohne dabei in Aktionismus zu verfallen“, sagt Käuffer, bei der Verwaltung zuständig für die Bereiche Recht, Ordnung, Sicherheit und Bürgerservice.

Seit dieser Woche sind alle Dezernenten der Stadt nach den Weihnachtsferien wieder im Dienst, dementsprechend will die Beigeordnete zügig ihre Vorschläge, wie denn in Absprache mit der Polizei Dürener Events möglichst sicher gestaltet werden können, zur Diskussion stellen.

Große Polizeipräsenz

Drei Tage lang war die Polizei vor Weihnachten mit ihren zusätzlichen Präsenzstreifen auf dem Kaiserplatz unterwegs. Auch beim Wintermarkt waren Polizisten mit Maschinengewehren unterwegs. Dass der Polizei keine Erkenntnisse oder Hinweise vorlagen, „die auf eine konkrete Gefährdung der Weihnachtsmärkte in Düren oder Jülich durch terroristische Aktionen hingewiesen hätten“, wie es Polizeisprecherin Melanie Mallmann formuliert, versteht sich von selbst. Das Fazit dieses vom NRW-Innenminister angeordneten Einsatzes sei positiv: „Wir sind davon überzeugt, das subjektive Sicherheitsgefühl der Besucher hierdurch gesteigert zu haben. Während der Präsenzstreifen auf den Weihnachtsmärkten in Düren und Jülich mussten die eingesetzten Beamten zu keiner Zeit anlassbedingt einschreiten.“

Geht es also nur um ein subjektives Sicherheitsgefühl? Nein, sagt die Polizeisprecherin: „Die Präsenz ist ein vergleichsweise mildes Mittel, um potenzielle Straftäter abzuschrecken. Und im Ernstfall wären wir sofort vor Ort.“

Dabei erkennt die Polizei an, was in Reaktionen nach einer akuten Bedrohung gerne verdrängt wird: „Uns ist bewusst, dass es trotz aller Sicherheitsmaßnahmen eine hundertprozentige Sicherheit nicht geben kann“, sagt Melanie Mallmann, auch wenn die Polizei das ganze Jahr daran arbeite, „die bestmögliche Sicherheit zu gewährleisten“.

Aber wie soll die genau aussehen? Wie schützt man einen Wochenmarkt im Herzen der Stadt? Kann man einen Kinderkarnevalszug absichern? Schürt man mit diesen Fragen im schlimmsten Fall weitere Ängste? Genau darüber macht sich derzeit auch Frank Leßenich, Mitorganisator des Kinderzuges, Gedanken. Schon im vergangenen Jahr, nach den Vorkommnissen in Frankreich, hatte Leßenich durchaus ein mulmiges Gefühl. Er sitzt im Auto, das vor dem Zug herfährt. „Früher habe ich mir die strahlenden Kinderaugen angeschaut. Im vergangenen Jahr habe ich nur darauf geachtet, was links und rechts passiert“, erinnert er sich.

In diesem Jahr wird der Verein Kinderkarnevalszug Düren die Zahl der ehrenamtlichen Zugbegleiter verdoppeln – statt 15 werden am 29. Januar 30 ehrenamtliche Helfer den Zug begleiten und absichern. Und das zusätzlich zu den Einsatzkräften von Polizei, Technischem Hilfswerk, Feuerwehr und Malteser Hilfsdienst. „Wir sind sehr dankbar, dass uns so viele ehrenamtliche Kräfte unterstützen“, sagt Leßenich. Alles in allem dürften da rund 100 Einsatzkräfte zusammenkommen. Für Veranstalter ein Problem, wenn sie so tief in die Tasche greifen müssen.

Gerd Suhr hat diese Erfahrung bereits mehrfach gemacht. Beispielsweise bei der EM im vergangenen Jahr, als er nach den Anschlägen in Frankreich das Sicherheitspersonal zum Public Viewing deutlich verstärken musste und bei geringerem Zuschauerzuspruch ein Minus eingefahren hat.

Seine Konsequenz: Ein „Rudelgucken“ wird es in Düren nicht mehr unter seiner Regie geben. Auch für die Feier an Weiberfastnacht auf dem Kaiserplatz hat er sich aufgrund der immens hohen Kosten erst gar nicht mehr beworben.

„Der Sicherheitsaspekt erreicht Dimensionen, die nicht mehr tragbar sind“, warnt er. Für das Winterland musste er sich zum Beispiel an den Kosten für die von der Stadt aufgestellten Betonklötze beteiligen. „Hätte ich die vierstellige Summe nicht bezahlt, hätten wir nicht öffnen dürfen“, sagt Suhr. Kosten, die kurzfristig on top kommen, und die für ihn nicht kalkulierbar sind.

Schwierige Debatte

Wie schwierig die Debatte um das Thema Schutz bei Veranstaltungen ist, macht Suhr mit simplen Beispielen deutlich: „Wir haben den Weihnachtsmarkt mit Betonklötzen geschützt, obwohl der Kaiserplatz gar nicht auf direktem Wege von einem Lkw mit hohem Tempo angesteuert werden kann. Und direkt daneben befindet sich dann ein voller Wochenmarkt.“ Ungeschützt. Suhr bereitet die Entwicklung Sorge. „Muss ich demnächst noch eine Luftabwehr aufbauen, um Drohnen abzuschießen?“, fragt er überspitzt. Das könnte man als Polemik auslegen – oder als Versuch, die nach den Anschlägen von Berlin hysterisch geführte Sicherheitsdebatte wieder zu normalisieren.

Leserkommentare

Leserkommentare (3)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert