Düren - Wie passen der Trauermonat November und Karneval zusammen?

Wie passen der Trauermonat November und Karneval zusammen?

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Der November gilt als Trauermonat, gleichzeitig starten heute die Karnevalisten mit Volldampf in die neue Session. Wie geht das zusammen? Collage: Thomas Heinen
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Pfarrerin Vera Schellberg und Karnevalist Frank Pauli. Foto: Kinkel

Düren. Vera Schellberg, Pfarrerin der Evangelischen Gemeinde in Düren, war am Wochenende mit Konfirmanden in Schlagstein. Frank Pauli, stellvertretender Vorsitzender des Festkomitees Dürener Karneval, hat am Samstag beim offiziellen Start in die fünfte Jahreszeit am Wirteltorplatz geschunkelt.

Sessionseröffnung im November – diese Tradition geht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Gleichzeitig ist der November mit Volkstrauertag und Totensonntag aber auch so etwas wie ein Trauermonat. Wie geht das zusammen? Darüber hat unsere Mitarbeiterin Sandra Kinkel sich mit Schellberg und Pauli unterhalten.

Hand aufs Herz – haben sie schon Weihnachtsgebäck gegessen?

Vera Schellberg: Nein.

Frank Pauli: Von mir kommt auch ein klares Nein. Weihnachtsgebäck gehört in den Advent, vorher esse ich davon nichts.

Sie sagen das mit einer sehr großen Vehemenz. Warum ist es dann für die Dürener Karnevalisten kein Problem, ihre Tollitäten schon am 3. November zu inthronisieren. Früher war das immer am Freitag vor dem 11. November.

Pauli: Stimmt alles, was Sie sagen. Seit Jahrzehnten wird in Düren freitags das Prinzenpaar inthronisiert und samstags die Kindertollität. Das wäre nicht möglich gewesen, wenn wir das Prinzenpaar erst gestern Abend in sein Amt eingeführt hätten. Deswegen haben wir schon ein Wochenende früher gefeiert. Im nächsten Jahr ist das wieder anders.

Frau Schellberg, stört Sie so ein karnevalistisches Wochenende kurz hinter Allerheiligen und Allerseelen?

Schellberg: Nein, jedenfalls nicht besonders. Das mag aber auch daran liegen, dass ich mit dem Karneval nicht mehr so viele Berührungspunkte habe. Grundsätzlich finde ich es aber schon sehr wichtig, dass es gestaltete Zeiten gibt. Und dazu gehört sicherlich auch die Karnevalszeit.

Die Kölner haben in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts damit angefangen, am 11. November in die neue Session zu starten. Die Elf galt als Zahl der Maßlosigkeit und symbolisierte die Gleichheit der Menschen unter der Narrenkappe.

Pauli: Genau, hinzu kommt, dass die Elf die Narrenzahl ist. Deswegen feiern wir im November.

Finden Sie das richtig?

Pauli: Durchaus. Ich bin nämlich davon überzeugt, dass Trauer und Freude sehr eng beieinander sind. Und deswegen ist es gut und richtig, dass durch den Karneval ein bisschen Ausgleich in den traurigen Monat November kommt.

Schellberg: Ich habe erst kürzlich mit Senioren über dieses Thema gesprochen. Und die meinten auch, dass beides im November seinen Platz hat – die Trauer und der Karneval.

Herr Pauli, wie meinen Sie das, dass Trauer und Freude sehr eng beieinander sind?

Pauli: Ich möchte versuchen, Ihnen das an einem Beispiel zu erklären. Die Leidenschaft für den Karneval hat mein Vater mir vermittelt. Es war für ihn großartig zu sehen, dass ich in seine Fußstapfen getreten bin und mich auch im Dürener Fastelovend engagiere. Er ist an Silvester verstorben und ich habe im nächsten Jahr trotzdem Karneval gefeiert. Das war für mich auch ein Stück Ehrerbietung für meinen Vater, auch wenn ich anders, vielleicht etwas leiser gefeiert habe. Der Karneval hat mir auch damals Halt gegeben, die Gemeinschaft mit den Karnevalisten hat mir gut getan.

Schellberg: Ich kann das gut nachvollziehen. In manchen Trauergesprächen gibt es Situationen, in denen auch gelacht wird. Trotzdem finde ich es auch wichtig, der Trauer Raum zu geben. Wenn trauernden Menschen nicht danach ist, zu lachen oder zu feiern, muss das auch in Ordnung sein.

Pauli: Natürlich. Alles hat seine Zeit. Das gilt auch für den Karneval. Ich bin absolut kein Freund vom Sommerkarneval und mir ist es auch sehr wichtig, dass es in der Adventszeit keine Karnevalsveranstaltungen gibt. Jedenfalls im Bereich des Festkomitees Dürener Karneval gibt es keine.

Warum eigentlich nicht?

Pauli: Im Advent hat der Karneval keinen Platz. Da bin ich totaler Traditionalist.

Frau Schellberg, wären Karnevalssitzungen im Advent für Sie schlimmer als jecke Tön im November?

Schellberg: Ganz eindeutig ja. Ich bin sowieso der Meinung, dass der Adventszeit in den vergangenen Jahren viel von ihrer Einzigartigkeit genommen wurde. Früher war der Advent ja Fasten oder Bußzeit, damit die Menschen sich auf Weihnachten vorbereiten. Es war eine Zeit der Ruhe und Besinnung. Heute laufen wir Gefahr, dass der Advent, wie übrigens viele kulturelle Traditionen bei uns, überlagert wird. Und zwar zum Beispiel davon, wie die Geschäfte diese Feste, in unserem Fall jetzt den Advent, ausgestalten.

Kommen wir zum Schluss noch einmal zu unserem Ausgangsthema, dem Trauern. Was bedeuten für Sie beide Totensonntag und Volkstrauertag?

Schellberg: Der Totensonntag ist für mich beruflich wie privat schon ein wichtiger Tag. Wir lesen im Gottesdienst noch einmal die Namen all derer vor, die im Jahr zuvor gestorben sind. Ich muss an diesem Tag nicht unbedingt auf den Friedhof gehen, aber es ist mir schon sehr wichtig, an die Menschen zu denken, von denen ich Abschied nehmen musste. Ich mache mir an diesen Tagen bewusst, wie abschiedlich unser Leben eigentlich ist.

Pauli: Ich nehme auf Vereinsebene, aber auch persönlich, an den Gedenkveranstaltungen zum Volkstrauertag teil. Das machen übrigens sehr viele Karnevalisten. Für mich ganz persönlich sind diese Tage auch Gelegenheiten, um noch einmal innezuhalten und an besonders liebe Menschen zu denken. Das versuche ich zwar im Alltag auch, aber es gelingt einfach nicht immer.

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