Wie haben die Menschen in Merzenich und Nörvenich 1799 gelebt?

Von: Sandra Kinkel
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Freuen sich über das neue Werk: Peter Harzheim, Dr. Claudia Wendels, Günter Eulberg und Dr. Helmut Irmen (v.l.). Foto: Sandra Kinkel

Merzenich. Die Einwohner von Merzenich und Nörvenich kennt die Kölner Historikerin Dr. Claudia Wendels ziemlich genau – zumindest die von 1799. Über zwei Jahre hat Wendels Daten aus über 30 Archiven zusammengetragen. Jetzt ist im Auftrag des Dürener Geschichtsvereins ihr Buch „Die Bevölkerungs- und Sozialstruktur der Orte der heutigen Gemeinden Merzenich und Nörvenich im Jahre 1799“ erschienen.

Claudia Wendels beschäftigt sich seit 25 Jahren mit Bevölkerungslisten. „Ich habe damals entdeckt, wie spannend diese Arbeit ist. Man erfährt sehr viel über die Menschen und ihre Lebensumstände der damaligen Zeit.“ 1799 wurde zum ersten Mal eine Bevölkerungserhebung unter französischer Herrschaft durchgeführt. Wendels: „Neben den Namen der Personen wurden das Alter, der Beruf, der Stand, das Zuwanderungsjahr und der Zuwanderungsort registriert.“

Durch die Erhebungen, erklärt die Historikerin, sei damals eine effektive Steuererhebung möglich gewesen, die zur Finanzierung der Eroberungskriege diente. Wendels: „Außerdem dienten die Bevölkerungslisten militärischen Zwecken, denn sie gaben Auskunft über Männer im wehrfähigen Alter.“

In Merzenich lebten im Jahr 1799 1100 Personen, in Nörvenich immerhin 2600. Der Anteil der Kinder lag in beiden Gemeinden bei rund 30 Prozent, knapp zehn Prozent der Menschen war älter als 60 Jahre, nur drei Prozent als 70 Jahre.

21 verschiedene Berufe

In Merzenich haben die Menschen damals 21 verschiedene Berufe ausgeübt, in Nörvenich doppelt so viele, nämlich 42. Zum Vergleich: In der Stadt Düren gab es damals immerhin 133 verschiedene Tätigkeitsfelder. Die meisten Menschen in Merzenich und Nörvenich arbeiteten in der Landwirtschaft, viele waren zudem als Tagelöhner tätig. In Merzenich lebten drei katholische Geistliche, in Nörvenich neun. In Merzenich lebten außer den drei Priestern keine weiteren Akademiker, im Nörvenicher Ortsteil Wissersheim hat es damals immerhin einen Arzt gegeben.

„Wir sind sehr froh, dass es diese Arbeit für die Gemeinde Merzenich jetzt gibt“, sagte der Merzenicher Bürgermeister Peter Harzheim. „Das ist eine große Bereicherung für unseren Ort, vor allem für die, die sich für die Geschichte ihrer Heimat interessieren. Ich werde mir das Buch auf jeden Fall genau anschauen.“ Ähnlich sieht das auch der stellvertretende Bürgermeister von Nörvenich, Günter Eulberg: „Anfangs habe ich mich gefragt, warum man so ein Buch überhaupt braucht. Aber als ich angefangen habe darin zu lesen, hat es mich wirklich gefesselt. Man bekommt eine Vorstellung davon, wie die Menschen damals gelebt haben. Und viele Namen, die ich in dem Nörvenicher Teil des Buches gefunden habe, sind heute immer noch typische Nörvenicher Namen.“

Der Dürener Geschichtsverein hat bereits für fast alle Gemeinden im Dürener Land die Bevölkerungs- und Sozialstruktur aus dem Jahr 1799 veröffentlicht. Lediglich die Gemeinde Vettweiß, Langerwehe, Hürtgenwald und Heimbach fehlen noch. „Natürlich möchten wir unsere Reihe gerne vervollständigen“, so Dr. Helmut Irmen, Vorsitzender des Dürener Geschichtsvereins. Denkbar sei als Nächstes eine entsprechende Arbeit über die Gemeinde Vettweiß.

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