Düren - Wie ein Kuss die Welt verändern kann

Wie ein Kuss die Welt verändern kann

Von: Bruno Elberfeld
Letzte Aktualisierung:
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„Die Schöne” (Heidrun Grote) möchte „Das Biest” (Jo Schmitt) absolut nicht küssen. Foto: Elberfeld

Düren. Alle Jahre wieder zur Weihnachtszeit flimmern sie über unsere Bildschirme, die wirklich gut gemachten Märchenfilme aus Tschechien. Darunter ist auch die Version des Aschenputtels, in der die kleine Schöne von ihren älteren Stiefschwestern gemobbt wird. Viele Variationen gibt es mit den Inhalten: Schöne Prinzessin trifft Frosch und verwandelt ihn mit einem Kuss zu einem schönen Prinzen.

Etwas anders war es auf der Studiobühne des Hauses der Stadt. Das „Consol Theater” Gelsenkirchen zeigte „Die Schöne und das Biest”, frei nach Madame Leprince de Beaumont”, umgeschrieben von Andrea Gronemeyer, Franco Melis und Susanne Sieben. Den Dreien ist es gelungen, ein kindgerechtes Stück auf die Bühne zu bringen, das Weisheiten, ohne pädagogischen Zeigefingers, in lustiger, spielerischer Form vermittelt.

Das Dilemma der Liebe

Es agieren nur zwei Personen. Die Schöne wird gespielt von Heidrun Grote, das Biest von Jo Schmitt. Beide schlüpfen in die Rolle von Clowns. Der männliche Clown, von sich selbst und seinen Mitmenschen als hässlich bezeichnet, liebt die Schöne. Doch diese weiß gar nicht, was Liebe ist. Sie steckt, wie so viele Schönen dieser Welt in einem Dilemma. „Ich will auch lieben”, sagt sie immer wieder. Ihr Gegenspieler klärt sie auf: „Nur wer sich selbst liebt, kann auch andere lieben!”

Trotz aller Bemühungen geht es dramatisch weiter. Das Biest will die Schöne um jeden Preis küssen, schlüpft in die Rolle ihres Vaters, spielt eine ihrer älteren Schwestern, aber nichts hilft. Immer wenn er sich ihr, egal in welcher Rolle, nähert, zuckt sie zurück: „Du bist hässlich und stinkst nach Kotze!” Eine Zeit lang leben sie im Schloss des Mannes, wo ihr alle materiellen Wünsche von den Augen abgelesen werden. Der biestige Hausherr kommt jedoch noch lange nicht zum Kuss. Die Schöne ist unglücklich, weil sie immer noch nicht weiß, was Liebe ist. Wegen ihrer Schönheit fühlt sich den Menschen ausgeliefert. Der Klageruf „Warum muss eine Schöne machen, was alle anderen wollen?” zeigt den Zwiespalt der Protagonistin.

Erst allmählich ändern sich ihre Gefühle, bis sie den hässlichen Mann schließlich liebt. Es kommt zum Kuss, der alles verwandelt. „Bin ich jetzt schön?”, fragt der Mann nach Art des Froschkönigs. „Nein”, antwortet die Frau, „du bist schön, weil ich dich liebe!”

Den beiden Darstellern gelang es, eine dritte Kraft auf die Studiobühne zu holen, das Publikum: Schüler ab dem dritten Schuljahr, teilweise mit ihren Eltern. In direkter Ansprache traten Jo Schmitt und Heidrun Grote in einen Dialog mit den Zuschauern, bewegten sich hüpfend und singend über die Bretter, zeigten mit reduzierten Kulissen, dass man ohne großen Aufwand Botschaften optimal verbreiten kann. Kein Wunder, dass Jo Schmitt nach der Vorstellung noch kräftig schwitzte.
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