Wie ein Hochkirchener Winzer im Médoc wurde

Von: Jörg Abels
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Stefan Paeffgen und sein ganzer Stolz: seine Weine.
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Gleich nach der Übernahme hat Stefan Paeffgen die Gebäude saniert und in neue Barrique-Fässer zum Ausbau des Weines investiert.
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„Château Le Reysse“ im südostfranzösischem Médoc ist die neue Heimat des Hochkircheners Stefan Paeffgen und seiner Familie. Mit dem Anbau hochwertiger Rotweine erfüllt sich für ihn ein Jugendtraum. Foto: privat/Abels

Hochkirchen/Médoc. „Château Le Reysse ist ein typischer Médoc mit hoher Lagerqualität, mit Finesse, Komplexität und einer Vielfalt an Aromen.“ Wenn der gebürtige Hochkirchener Stefan Paeffgen seinen Wein beschreibt, gerät er ins Schwärmen.

Es sei ein Wein, der Wertzuwachs verspreche, erklärt der studierte Agrarwissenschaftler, betont aber, dass der Genuss für ihn im Mittelpunkt steht. „Wein muss erschwinglich bleiben.“ Für den 50-jährigen Sohn einer Landwirtsfamilie ist vor gut drei Jahren ein Traum in Erfüllung gegangen.

Er hat sich auf der Halbinsel Médoc, der für ihre hervorragenden Rotweine bei Weinliebhabern aus der ganzen Welt geschätzten Region im Südosten Frankreichs, nahe der Stadt Bordeaux selbstständig gemacht. Erst kaufte er im November 2010 Château Le Reysse und das direkt benachbarte Château Lassus, später das Château Clos du Moullin; insgesamt 39 Hektar, auf denen er Rotwein für rund 250 000 Flaschen anbaut. Die Parzellen mit bis zu 100 Jahre alten Rebstöcken, garantieren Qualität. „Aber die Menge könnte noch gesteigert werden“, nennt Stefan Paeffgen eines seiner Ziele.

Rückblickend spricht der Hochkirchener bei einem Besuch in der Heimat von einem Glücksfall; und dass nicht nur weil er seine Weingüter noch vor den mittlerweile im Médoc allgegenwärtigen und ein Château nach dem anderen aufkaufenden Chinesen übernehmen konnte. Mit Patrick Chaumont stieß er auch auf einen Vorbesitzer, der nicht nur Kasse mit dem Verkauf machen wollte, sondern den Quereinsteiger die ersten beiden Jahre auch an die Hand nahm, in die Geheimnisse des Weinanbaus einführte und in das unverzichtbare Winzer- und Händler-Netzwerk der Region.

„Als begeisterter Médoc-Wein-Anhänger wusste ich zwar, welchen Typ Wein ich kreieren wollte, vom Weinbau selbst aber hatte ich keine Ahnung“, gesteht der Familienvater. Nach einem agrarwissenschaftlichen Studium mit Schwerpunkt Betriebswirtschaftslehre in München, Stuttgart, Wisconsin und Paris war er lange Jahre in der internationalen Düngemittelindustrie tätig, verdiente nach eigenem Bekunden „gutes Geld“, wurde aber nach der Übernahme seiner Firma von einem Mitbewerber plötzlich mit einem „goldenen Handschlag“ verabschiedet und musste sich neu orientieren. Angebote aus der Industrie ließen zwar nicht lange auf sich warten, für Stefan Paeffgen aber stand 2010 fest: „Ich wollte zurück in die praktische Landwirtschaft.“

Zuerst sah er sich nach Ackerbaubetrieben um, nutzte dann aber die Gunst der Stunde, als er das Angebot aus Frankreich entdeckte. „Ich habe alles auf eine Karte gesetzt“, verrät der 50-Jährige, ohne sich die genaue Höhe seiner millionenschweren Investition entlocken zu lassen. Denn mit dem Kauf der Weingüter war es nicht getan: „Ich habe in Qualität investiert“, betont er, „die Selektion bei der Lese erhöht und den Barrique-Bestand komplett erneuert“. Barriquefässer entsprechen dem Bordelaiser Schiffsmaß von 225 Litern, in denen der Wein nach der Lese reift. Der Winzer spricht vom Ausbau. Auch die Gebäude der Weingüter musste Stefan Paeffgen teilweise komplett sanieren.

Obwohl der Weg steinig war und die Arbeit im Weinberg hart ist – missen will der 50-Jährige sein neues Leben an der Atlantikküste mit dem ganz besonderem Charme der verschlafenen Dörfer mit alten Landhäusern inmitten von Weinbergen nicht mehr. „Das einzige, was ich bedauere ist, dass ich den Weg nicht 20 Jahre früher eingeschlagen habe.“ So oft es geht, besucht Stefan Paeffgen seine Eltern und seinen Bruder in Hochkirchen. „Auch der Kontakt zu einigen guten Freunden ist über all die Jahre nicht abgerissen“, erklärt der Winzer. Eine Rückkehr nach Deutschland aber ist für ihn längst kein Thema mehr, zumal seine beiden Söhne auch bereits Feuer und Flamme für den Weinanbau sind.

In der Fachwelt hat Stefan Paeffgen aufhorchen lassen. Der früher nur wenigen Insidern bekannte Name Château Le Reysse hat sich mittlerweile rumgesprochen, nicht zuletzt weil der Hochkirchener sich gleich im ersten Jahr auch intensiv um den Vertrieb bemühte, rund 5000 Kilometer allein in Deutschland im Auto abspulte, um Händler zu besuchen und zu überzeugen. „Château Le Reysse ist mittlerweile auch in Kanada und den USA erhältlich“, berichtet Stefan Paeffgen, der seit 1932 als „Cru Bourgeois („Bürgerliches Gewächs“) klassifizierte Château Lassus auch über die Metro in deutschen Supermärkten. Und mit seinem jüngsten Zukauf, dem „Clos du Moulin“, hat Paeffgen das unter dem Vorbesitzer verloren gegangene Qualitätssiegel Cru Bourgeois“ zurückgewonnen. „Ein vollmundiger Wein mit wuchtigem Ausdruck“, erklärt der Winzer.

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