Wie die Natur die Karlsburg zurückerobert

Von: Stephan Vallata
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Im Rittersaal grünt es: Langsam aber sicher erobert die Natur die Ruine der Karlsburg zurück. Eigentümer Heinz Kaussen hätte dies gerne verhindert. Doch seit Jahren schwelt ein Streit mit den Behörden. Foto: Vallata

Langerwehe. Heinz Kaussen hält kurz inne. Über ihm bricht das fahle Tageslicht tausendfach in den Wipfeln der Bäume. Unter ihm schluckt der morastige Boden jedes Geräusch. Schmal ist der Pfad, auf dem er wandelt. „Behörden”, unkt Heinz Kaussen in den Wald hinein, lächelt bitter und blickt irgendwo ins Nirgendwo.

Behörden gibt es nun wirklich keine im Landschaftsgarten Kammerbusch. Behörden macht Heinz Kaussen, 73 Jahre alt, aber dafür verantwortlich, dass es so ist, wie es ist. Und es ist ganz und gar nicht gut, findet er.

Hinter ihm liegt die Ruine der Karlsburg. Spärliche Überreste sind es allenfalls noch, überwuchert von jungen Bäumen: die Grundmauern des Rittersaals und der Türme; die vier Arkaden zu ihren Füßen lassen sich allenfalls erahnen. Die Natur holt sich zurück, was der Mensch verfallen lässt.

Vor einigen Jahren sah das alles etwas anders aus: Heinz Kaussen und sein Sohn Frank hatten die Fragmente der 1858 durch den Nadelfabrikanten Karl Schleicher erbauten Karlsburg, die sich heute in ihrem Besitz befinden, weitgehend freigelegt und in Teilen aufgemauert. „Um die Konturen wieder sichtbar zu machen”, sagt der Immobilienkaufmann.

Das Projekt war 2006 ins Stocken geraten, nachdem das Rheinische Amt für Denkmalpflege Kaussens Pläne in einem Gutachten abgelehnt hatte und sich die Gemeinde sowie der Kreis Düren nach anfänglicher Zustimmung dieser Sichtweise angeschlossen hatten. Schließlich wurde Kaussens Bauantrag abgelehnt mit der Begründung, dass man zerstörte Bauwerke nicht als „weitgehende Fantasiegebilde” wiederaufbauen könne. Es gebe weder alte Pläne noch Fotos, auf deren Grundlage eine Rekonstruktion möglich wäre. Außerdem seien die planungsrechtlichen Grundlagen nicht gegeben, da es sich um ein Landschaftsschutzgebiet handele.

„Wenn das so ist, müssen wir die Burg dem Verfall anheim geben, was natürlich eine bodenlose Dummheit ist”, sagt Heinz Kaussen. Er ist sich einer breiten Zustimmung unter den Langerweher Bürgern sicher. „Ich mache das ja nicht für mich, ich mache das für die Leute.” Auf öffentliche Gelder habe er nie geschielt, es gehe ihm lediglich um die Erlaubnis, ein Stück Kulturgeschichte für die Nachwelt zu erhalten. Kaussen spricht davon, die „Leistung unserer Vorväter ins Gedächtnis zurückzurufen”. Und er spricht von einer an sich „wunderschönen Kulisse”, die auch einen großen Freizeitwert besitze.

Jahrzehntelang hat Heinz Kaussen dem Verfall der Karlsburg, die im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört wurde, als Zeuge beigewohnt. „Das hat mir sehr weh getan.” Damals sei sie als Steinbruch genutzt worden, was Kaussen auch verstehen kann. Die Not der Menschen sei groß gewesen und ihr Verhalten daher nachvollziehbar. Heute allerdings müsse man handeln, sonst sei in ein paar Jahren nicht mehr viel übrig von der Ruine und das Kapitel wohl endgültig zugeschlagen. Kaussen, gebürtig aus Aachen und seit 50 Jahren wohnhaft in Langerwehe, hätte sich gewünscht, zu Konzerten, Ritterspielen und andere kulturelle Veranstaltungen auf dem Gelände der Burg einzuladen wenn man ihn nicht derart „ausgebremst” hätte, wie er glaubt.

„Das ist unsere Vorstellung gewesen.” Von dieser Vorstellung habe er sich mittlerweile verabschiedet, sagt er. Heinz Kaussen blickt noch einmal zurück und sagt: „Ich hätt´s gerne fertig gemacht, aber man muss auch die Realität sehen.” Dann lässt er die Burgruine langsam hinter sich. Der Wald hat sie jetzt wieder.
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