Düren - Wie bedroht ist die Demokratie in Deutschland?

Wie bedroht ist die Demokratie in Deutschland?

Von: Bruno Elberfeld
Letzte Aktualisierung:
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Am 24. September wird gewählt – der Runde Tisch für Toleranz und Menschlichkeit hat dafür zu einer Diskussionsrunde zum Thema „Ist das Demokratie oder kann das weg?“ eingeladen. Foto: Imago/Thorsten Becker
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Suchen nach Lösungen zur Erhaltung und Weiterentwicklung der Demokratie: Dr. Achim Jaeger, Svenja Hauck, Uli Winters, Jürgen Kippenhan und Dr. Gisela Hagenau (v.l.) . Foto: bel

Düren. „Ist das Demokratie oder kann das weg?“ war eine spannende Diskussionsrunde, zu der der „Runde Tisch für Toleranz und Menschlichkeit Düren“ ins Foyer des Hauses der Stadt eingeladen hatte.

Der aus Düren stammende Kabarettist Uli Winters hatte die Moderation übernommen und begrüßte auf dem Podium Dr. Achim Jaeger, Gymnasiallehrer für Deutsch und Geschichte, Oberstufenschülerin Svenja Hauck, Philosoph Jürgen Kippenhan und Dr. Gisela Hagenau, Medizinerin und Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung Düren.

Der unterhaltsamere Teil, die Einführung in das Thema mittels Beamer, musste wegen technischen Versagens ausfallen. Moderator Uli Winters, seine Gesprächspartner auf dem Podium und das Publikum nahmen es gelassen.

Das Thema passte zum aktuellen Wahlkampf in Deutschland: Ist die Demokratie im Angesicht sich radikalisierender Parteien europa- und weltweit noch zu retten?

Der Blick in die Geschichte half da schon ein wenig. Jürgen Kippenhan vom Institut für Philosophie und Diskurs meinte, dass die Demokratie nicht gefährdet sei. Das Wesen des Menschen sei es, nach Alternativen Ausschau zu halten, wenn über Jahre Angebotenes zu unbeweglich werde.

Ein Beispiel hierfür sei die Partei Bündnis 90/Die Grünen. Die Vertreter der Altparteien hätten sie seinerzeit für eine zu vernachlässigende Erscheinung gehalten. Sie lebt heute noch. Eine positive Folge der Aufbrüche vom rechten oder auch linken Rand sei, ergänzte Kippenhan, dass Andersdenkende, die sich noch in Bahnen demokratischer Ordnungen bewegen, aufgeweckt würden.

Politikverdrossenheit

Auch die siebzehnjährige Schülerin Svenja Hauck sah die Demokratie nicht in allen Staaten gefährdet. Sie beklagte das Phänomen, dass die Politiker ihre Generation nicht erreichen würde. Die Folge: Politikverdrossenheit und Wahlverweigerung.

Dr. Achim Jaeger, Studiendirektor am Stiftischen Gymnasium, fand einen wesentlichen Grund für die Enthaltsamkeit vieler Bürger in Sachen Politik in dem täglichen Informationschaos, das auf die Menschen einprasselt: Radio, Fernsehen, Computer, Internet, Handy, WhatsApp. Sie alle wollten etwas von ihren Nutzern. Die Zeit, geruhsam eine Zeitung zu lesen und sich gründlicher um ein Problem zu kümmern, fehle.

Gisela Hagenau entdeckte zurzeit keine Gefahr für die Demokratie in Deutschland. Außerhalb Deutschlands, in Polen und Ungarn, ist für sie die Gewaltenteilung zwischen Legislative, Exekutive und Judikative gefährdet.

Wird in unseren Schulen Demokratie gelehrt und gelernt? Oder geht hier das Thema Demokratie allein über die historische Betrachtung der Anfänge von „Volksherrschaft“ in Athen? Svenja Hauck glaubte, dass Schüler heute politisch weder links noch rechts einzuordnen sind. Diese strikte Unterteilung gebe es nicht mehr. Was nottue, sei das Mobilisieren neuer Ideen.

Aufgabe des bereits 1993 gegründeten „Runden Tischs für Toleranz und Menschlichkeit Düren“ war an diesem Abend auch, nach Lösungen zu suchen. Wie kann man gegen die Le Pens, Orbans und Trumps dieser Welt Demokratie stärken? Wichtig sei dabei, so der allgemeine Tenor, die bewusste, zielgerichtete Kommunikation zwischen Menschen auf allen Ebenen.

Menschen, junge und alte, müssten aus ihren Wartemodi herausgeholt werden. Politiker sollten sich einer einfachen Sprache bedienen, ohne populistisch zu werden. Gesucht würden Politiker mit Visionen, die Menschen wieder eine Lebensperspektive geben.

Menschen mit Zivilcourage

Dazu gehörten Männer und Frauen mit Zivilcourage, die sich den Kampf um Freiheiten aller Art auf ihre Agenda geschrieben haben, meinte Achim Jaeger. Ein Negativum: Neue Parteien arbeiteten mit den neuen Medien, von den Altparteien würden diese eher vernachlässigt.

Das beste Mittel, die Demokratie zu erhalten und auszubauen, sei das persönliche Engagement in Parteien. Alle Diskutanten auf dem Podium und im Publikum waren sich einig, dass einem Demokratie nicht geschenkt wird. Sie müsse immer wieder neu erkämpft werden. „Wer in der Demokratie schläft“, wurde Johann Wolfgang von Goethe zitiert, „wacht in der Diktatur auf.“

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