Wie arbeitet eigentlich der neue Trainer der Powervolleys?

Von: Sandra Kinkel
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In dauerndem Kontakt zu seinen Spielern: Tommi Tiilikainen (29), Trainer der SWD Powervolleys, ist ein sehr emotionaler Typ. Bei seiner Mannschaft kommt das gut an. Foto: Sandra Kinkel

Düren. „Volleyball ist sein Leben. Und er gibt immer 100 Prozent.“ Marvin Prolingheuer (26), Diagonal-Angreifer bei den SWD Powervolleys Düren, ist, um es vorsichtig zu formulieren, sehr zufrieden mit Tommi Tiilikainen, dem neuen Trainer der Mannschaft. Tiilikainen ist 29 Jahre alt, Finne.

Er war U 18- und U 21-Auswahltrainer in Finnland. Vier Jahre hat er als Cheftrainer des finnischen Erstligisten Kokkolan Tiikerit gearbeitet. Mit seiner Mannschaft hat er dreimal die Meisterschaft und dreimal den Pokal gewonnen. „Dieser Mann“, sagt Prolingheuer, „brennt für unseren Sport.“ Aber wie arbeitet so ein Trainer? Wie wichtig ist der Coach überhaupt für ein Team? Welchen Einfluss kann er auf eine laufende Partie nehmen?

Tiilikainen ist das, was man ohne Zweifel einen emotionalen Typen nennen kann. Während der Spiele sucht er immer die Nähe zu seinen Spielern, spricht mit ihnen, feuert sie an, gibt Tipps. Genau das wird er vermutlich auch Sonnatgabend wieder machen, wenn Düren gegen Lüneburg spielt (Anpfiff 18 Uhr, Arena Kreis Düren). „Das bin ich einfach“, sagt er. „Ich versuche, meiner Mannschaft zu helfen. Ich stehe während der Spiele auch unter Strom, und ich möchte Teil des Teams sein.“

Ein guter Coach, sagt der Finne, müsse eigentlich daran arbeiten, sich selbst überflüssig zu machen. „Wenn ein Team irgendwann keinen Trainer mehr braucht, hat man alles richtig gemacht. Bis dahin muss ein guter Trainer ein Lehrer, ein Führer sein.“ 80 Prozent des Erfolgs einer Mannschaft, sagt Tiilikainen, beruhe auf mentaler Stärke, der Rest auf Technik. „Es kommt nicht zwingend darauf an, dass Spieler und Trainer sich mögen. Freundschaften kann man auch nicht erzwingen. Es kommt darauf an, dass man einander vertraut. Das will ich erreichen.“

Für Mittelblocker Michael Andrei (31) ist ein Trainer dann erfolgreich, wenn er das Gefühl hat, sich als Spieler verbessern zu können. „Und das habe ich im Augenblick in Düren. Ich bin überzeugt, dass ich mich nach der Saison stark weiterentwickelt habe.“ Kein Training sei wie der andere. „Wir wissen als Spieler nie, was passiert. Das macht es spannend. Und gleichzeitig haben wir nie die Chance, es uns in einer Komfortzone gemütlich zu machen. Das ist gut.“

„Wir bekommen während des Trainings“, ergänzt Marvin Prolingheuer, „immer wieder kleine Aufgaben, die wir nur als Mannschaft lösen können. Manchmal merken wir das gar nicht. Aber am Ende fördert das natürlich den Zusammenhalt in der Mannschaft.“ Fast jeder, sagt Prolingheuer weiter, sei mindestens 30 Minuten vor offiziellem Trainingsbeginn in der Halle und würde schon anfangen zu arbeiten.

„Und wir unternehmen auch in unserer Freizeit viel zusammen. Das sagt doch eigentlich schon alles.“ Tiilikainens Einsatz beim Spiel, der sich beispielsweise ganz eklatant von der analytischen und ruhigen Art seines Vorgängers Anton Brams an der Seitenlinie unterscheidet, gefällt Prolingheuer, Andrei und auch Spielführer Jaromir Zachrich (31).

Emotion und Information

„Während eines Spiels“, sagt Zachrich, „schafft man es nicht immer, alle taktischen Vorgaben umzusetzen. Deswegen kann eine Ansage des Trainers je nach Spielphase schon sehr entscheidend sein.“ Für Zachrich ist es in dem Punkt wichtig, zwischen Emotion und Information zu unterscheiden. „Beides ist hilfreich, muss aber zum richtigen Zeitpunkt kommen. Und dafür hat unser Trainer ein sehr großes Feingefühl.“

Natürlich könnten sechs Volleyballprofis ein Spiel oder eine Saison auch ohne Trainer überstehen. „Der Coach“, so Zachrich, „macht aber den Unterschied zwischen Spitze und Mittelfeld aus. Das ist das Entscheidende.“ Natürlich, sagt auch Michael Andrei, sei die Mannschaft sowieso bis in die Zehenspitzen motiviert. „Trotzdem ist es wichtig, dass wir während des Spiels immer miteinander kommunizieren, dauernd im Dialog sind. Natürlich bekommen wir mit, was der Trainer sagt. Und es tut gut, wenn von außen ab und zu aufmunternde Worte kommen. Das ist einfach so.“

Trainer Tiilikainen formuliert es so: „Motivation macht nur dann Sinn, wenn die Spieler brennen, wenn sie wollen. Wäre das nicht der Fall, könnte man das, was ich von der Seitenlinie aus versuche zu machen, als künstliche Beatmung bezeichnen.“ Marvin Prolingheuer formuliert es so: „Motivation kann Berge versetzen. Es ist eine Kunst, in der richtigen Situation die richtigen Sachen zu sagen.“

Alle vier sind sich einig, dass es vor allem der Trainer ist, der die Philosophie einer Mannschaft formt. „Unsere ist eigentlich schnell erklärt“, sagt Michael Andrei. „Wir kämpfen um jeden Ball, geben nie auf. Und ich denke, dass das auch das Publikum merkt.“

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