Kreuzau - Wenn Wirtschaftswege im Laufe der Jahre verschwinden

Wenn Wirtschaftswege im Laufe der Jahre verschwinden

Von: Jörg Abels
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So sollen Wirtschaftswege aussehen: Gut befahr- und begehbar mit ökologisch-wertvollen Grünstreifen, die Weg und Ackerfläche trennen. Im Raum Obermaubach sind viele Wege verschwunden.

Kreuzau. Zugewachsene oder umgepflügte und von den Landwirten eigenmächtig eingesäte Wirtschaftswege: Das Thema füllt längst einen dicken Aktenordner im Büro von Siegfried Schmühl im Kreuzauer Rathaus.

Seit 2015 beschäftigt sich der Dezernatsleiter intensiv mit den „Grünen Wegen“ in der Gemeinde, angestoßen vom Kreis Düren. Auf Initiative des Landschaftsbeirates hatte der Kreis alle Kommunen aufgefordert, die Ist-Situation festzustellen, um etwaige Verstöße gegen die Landschaftspläne ahnden zu können.

Dabei stellte sich in der Gemeinde Kreuzau zunächst heraus, dass verschiedene Wirtschaftswege im Bereich Obermaubach-Schlagstein betroffen sind, weil es dort seit vielen Jahren keine Flurbereinigung mehr gegeben habe und Wege schlichtweg nicht mehr von den Landwirten benötigt wurden, mutmaßt Schmühl. Weil der Gemeinderat dann aber einen kompletten Überblick haben wollte, nahm Schmühl alle Feldwege im Gemeindegebiet in Augenschein, immerhin 230 Kilometer.

Das Ergebnis: Im Bereich Kreuzau ist ein Wirtschaftsweg nicht mehr vorhanden, in Thum und Üdingen ist jeweils einer zum Teil verschwunden. Zugewachsene Wege gibt es darüber hinaus noch im Bereich Bogheim (1), Kreuzau (2), Stockheim (1), Üdingen (1) und Thum, wo einer teilweise nicht mehr befahrbar ist, ein anderer teilweise umgepflügt worden ist.

Die meisten Defizite aber gibt es im Bereich Obermaubach-Schlagstein: Dort sind acht Wege im Laufe der Jahre verschwunden, weitere acht so zugewachsen, dass sie nicht mehr befahrbar sind. Bei den umgepflügten Wegen handelt es sich nach Auskunft des Dezernenten vor allem um solche zwischen Parzellen, die vom gleichen Landwirt bewirtschaftet werden und somit nicht mehr benötigt wurden, um die Äcker zu erreichen.

Schmühl hat sich alle Wege genau angesehen und in Absprache mit der Biologischen Station des Kreises und der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises vorgeschlagen, den Großteil der Wege, die de facto bereits nicht mehr vorhanden sind, zu entwidmen und anschließend zu verkaufen oder zu verpachten, weil sie weder von der Landwirtschaft benötigt werden noch Bestandteil des Wanderwegenetzes sind.

Einzige Bedingung des Kreises: Es muss eine Ausgleichsfläche für die ökologisch wertvollen Nischen angelegt werden. Die hat Schmühl auf einem gemeindeeigenen Grundstück im Bereich Kirlingsberg bei Obermaubach gefunden, 3100 Quadratmeter groß, die ab 2018 entsprechend eingesät und von der Bio-Station betreut werden soll. Sieben Wege werden eingezogen und entwidmet, sechs davon im Bereich Obermaubach, einer in Kreuzau.

14 zugewachsene Wege

Die 14 zugewachsenen Wege werden zunächst nicht eingezogen, weil sie aus ökologischer Sicht wertvoll seien und daher erhalten bleiben sollten. Wenn die Wege mit der Veränderung der Pacht- und Eigentumsverhältnisse der anliegenden Parzellen in Zukunft wieder erforderlich werden, müssen sie wiederhergestellt werden, klärt Siegfried Schmühl auf. Ein Weg in Üdingen schließlich muss vom Landwirt wiederhergestellt werden, der damit aber bis nach der Ernte Zeit hat. So hat es der Gemeinderat bereits im Februar beschlossen.

Sollte die Politik Anfang Juli noch die erforderlichen Satzungen über die Einziehung der Wirtschaftswege beschließen, wäre das Thema „Grüne Wege“ für die Gemeinde Kreuzau damit eigentlich beendet.

Ein Problemfall aber bleibt: Ein Weg, der parallel zum Schlundbach in Obermaubach verläuft und Bestandteil des Wanderweges 62 „Wassererlebnispfad“ ist. Dort ist zurzeit noch unklar, wo die Grenze zwischen gemeindeeigenem Wirtschaftsweg und privater Ackerfläche verläuft. Das müsse noch vermessen werden, erklärt Schmühl.

Gut möglich, dass der Weg im Laufe der Jahre zugewachsen ist und sich die Wanderer einen Trampelpfad über den Acker gesucht haben. „Aus meiner Sicht kann der Wanderweg aber ohne weiteres auch verlegt werden“, betont Schmühl, der froh ist, nach zwei Jahren endlich am Ende der „Grünen Wege“ angekommen zu sein. Eine Arbeit, die anderen Kommunen noch bevorsteht.

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