Düren - Wenn Mädchen zu Dozentinnen werden

Wenn Mädchen zu Dozentinnen werden

Von: Christoph Hahn
Letzte Aktualisierung:
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Senioren die Angst vor dem Computer nehmen: Vier Angela-Schülerinnen gelingt das im Mehrgenerationenhaus hervorragend. Foto: Hahn

Düren. Wenn es um Computer und Attribute der technologischen Hochkultur geht, ist oft ein Vorurteil zu hören: „Das ist doch nur etwas für Junge.” Zumindest in Düren soll es nicht dabei bleiben.

Junge Frauen, Schülerinnen von St.-Angela-Realschule und -Gymnasium, legen sich tüchtig ins Zeug, damit für Menschen über 60 der Umgang mit Computern, Programmen und Internet kein Buch mit sieben Siegeln bleibt. Im Katholischen Bildungsforum (genauer: im Mehrgenerationenhaus) an der Holzstraße gestalten sie einen Kurs, in dem sich ein Dutzend Damen und Herren von den Schülerinnen schlau machen lässt.

Die jungen Frauen sind Marion Zimmermann, Nina Heiliger, Eva Kühne und Elena Busch, die an ihren Schulalltag mal eben ein, zwei Stunden dranhängen, um ihr Wissen und ihre Kompetenz im Umgang mit Laptops weiter zu geben. Dass sie teilweise nachher noch nach Winden, Nörvenich oder weiter weg müssen, fällt dabei für das Juniorinnen-Quartett nicht weiter ins Gewicht. Auch nicht für Wiebke Ehler, die im Rahmen ihres Sozialpädagogik-Studiums im vergangenen Jahr schon einmal einen Computer-Kurs begleitet hat und aus Aachen kommt. Mit im Boot sind noch die Leiterin des Mehrgenerationenhauses, Cornelia Küpper, und der stellvertretende Chef des Bildungsforums, Bernhard Rietfort.

Was sie ihren Zuhörern vermitteln und wie sie es tun, hat mit dem klassischen Frontalunterricht aus der Schule nichts zu tun. Die Betreuung ist sehr genau und persönlich. Punkt für Punkt gehen die jungen Dozenten mit den älteren Menschen am Computer ihre Fragen durch, erläutern, wie der Nutzer die Suchfunktionen seines Rechners aktiviert und warum Anti-Viren-Programme unverzichtbar sind.

Die Seele des Kurses sind indes die vier Angela-Schülerinnen, die - das merkt ein Beobachter rasch - engagiert und charmant bei der Sache sind. Ganz bestimmt ist es ihnen ein Herzensbedürfnis, sich hier aktiv einzubringen. Marion Zimmermann bringt das klar zum Ausdruck. Dass sie in puncto Computer wieder bei Adam und Eva anfangen muss, wenn sie ihren „Schülern” etwas erklärt, macht ihr nichts aus: „Es ist doch gut, wenn sich Senioren für so etwas interessieren.” Mehr noch: „Es macht Spaß mit älteren Leuten.”

Für den Kurs gewonnen wurden die Schülerinnen übrigens von der Sozialpädagogin ihrer Lehranstalt, Mechtild Bölting. Dass sie sich im Mehrgenerationenhaus einsetzen, bringt ihnen auch auf dem Zeugnis etwas, bei den so genannten Kopfnoten. Doch das hat für die vier nicht den Ausschlag gegeben.

Der Kurs, der insgesamt 15 Treffen umfasst, bietet jede Menge Computer-Basiswissen und setzt nichts voraus - noch nicht einmal einen eigenen Laptop oder vergleichbares Gerät. Bernhard Rietfort definiert es so: „Wir wollen den Teilnehmern Ängste nehmen. Keiner muss fürchten, als dumm zu gelten.” Schwerpunkt dabei: Den Senioren zu vermitteln, wie sie sich über das Netz Informationen beschaffen können: über das politische Geschehen, kulturelle Angebote und vieles andere mehr.

Doris Sommer, eine der Teilnehmerinnen, weiß diese Perspektiven zu schätzen. Schwellenängste hat sie keine: „Ich stehe dieser Technik offen gegenüber”, bekundet sie. Trotzdem ist sie bei der VHS schon im Vorfeld gescheitert, weil dort Teilnehmer ihr eigenes Notebook mitbringen mussten, das Doris Sommer aber nicht hat. Sich erst einmal mit Computern und Internet befassen zu können, um dann aus diesen Erfahrungen heraus eine Kauf-Entscheidung treffen zu können: Das hat ihr Herz für das Angebot des Mehrgenerationenhauses erwärmt. Für die Schülerinnen hat sie nur Bewunderung übrig: „Dass sich junge Mädchen dazu bereit erklären, finde ich richtig toll.”

Zum jetzigen Kurs können sich übrigens keine Teilnehmer mehr anmelden. Dass es aber wieder ein solches Angebot im Mehrgenerationenhaus geben wird, ist sehr wahrscheinnlich.
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