Arnoldsweiler - Wenn Kinder kicken, gibt‘s weniger Steuern zurück

Wenn Kinder kicken, gibt‘s weniger Steuern zurück

Von: Jörg Abels
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Josef Möthrath kritisiert das Steuerrecht. Foto: Abels

Arnoldsweiler. Seit knapp anderthalb Jahren kommen die Fußballer von Viktoria Arnoldsweiler in den Genuss eines eigenen Kunstrasenplatzes, der technisch versierteres Kicken zu nahezu jeder Jahreszeit ermöglicht. Dass die „Kleeblätter“ zu den ersten Vereinen gehörten, die von der Stadt einen Zuschuss zum Bau von 250.000 Euro erhielten, hatte einen Grund.

Neben dem FC Niederau und dem GFC Düren 99 hat die Viktoria die meisten Mannschaften. Nur jedes Mal, wenn heute neben den drei Seniorenteams eine der acht Jugendmannschaften oder die „Alten Herren“ auf dem pflegeleichten Platz spielt oder trainiert, verliert der Verein Geld. Der Vorsitzende Josef Möthrath hadert wie Verantwortliche vieler Vereine mit einem Passus im deutschen Steuerrecht.

Wie alle größeren Clubs ist auch die Viktoria umsatzsteuerpflichtig. Sie muss ihre Einnahmen zum Beispiel aus dem Spielbetrieb, aus der Werbung und aus Veranstaltungen versteuern, kann im Gegenzug aber auch bei Ausgaben die Umsatzsteuer, auch Vorsteuer genannt, vom Finanzamt erstattet bekommen. Grundvoraussetzung: Der gekaufte Gegenstand, in diesem Fall der von der Viktoria (nicht von der Stadt) errichtete Kunstrasenplatz, darf nur für steuerpflichtige Umsätze verwendet werden. Erzielt der Verein mit dem Gegenstand keine Einnahmen, die der Umsatzsteuer unterliegen, bekommt er die ihm von den bauausführenden Firmen in Rechnung gestellte Umsatzsteuer vom Finanzamt auch nicht zurück.

Das heißt: Weil Zuschauer bei der Viktoria wie überall nur bei den Spielen der Senioren Eintritt bezahlen müssen, erzielt der Verein mit dem Nachwuchs keine Einnahmen. Um die komplette Vorsteuer – bei Gesamtkosten beim Bau eines Kunstrasenplatzes von mehr als 400.000 Euro sind das einige Zehntausend Euro – zurückzubekommen, dürfte dieser Logik entsprechend keine einzige Jugendmannschaft auf dem neuen Platz spielen oder trainieren.

„Jedes Spiel, jedes Training kostet uns Steuererstattung“, ärgert sich Möthrath. „Der Vorstand müsste von der Jugendabteilung aus wirtschaftlichen Gründen eigentlich fordern, so wenig wie möglich auf dem Kunstrasenplatz zu spielen.“ Denn natürlich hatte auch die Viktoria die Vorsteuer eigentlich fest eingeplant, um den von ihr zu stemmenden Eigenanteil bei der Finanzierung aufzubringen. Größtenteils weicht der Nachwuchs daher auf die Naturrasenplätze aus, im Winter auch in die Halle.

Aber natürlich will der Vorstand, dass auch der Nachwuchs von den Vorteilen des Kunstrasens profitiert. Und deshalb dürfen auch die Kinder und Jugendlichen schon mal auf das Dauergrün. Aber nicht zu oft. Fünf Jahre lang schaut das Finanzamt ganz genau hin, wie die Viktoria schon feststellen musste. Jedes Jahr wird das Verhältnis zwischen Senioren- und Jugendnutzung und damit die Höhe der Steuererstattung neu berechnet. „Das soll jetzt aber kein Vorwurf gegen die Finanzbeamten in Düren sein“, betont Möthrath“, „sondern vielmehr eine Kritik am Steuerrecht.“

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