Düren/Langerwehe - Wenn ein Zug bis zu sechs Wochen dauert

Wenn ein Zug bis zu sechs Wochen dauert

Von: Tobias Röber
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Ein eher seltenes Bild: Rudolf
Ein eher seltenes Bild: Rudolf Rohs aus Arnoldsweiler (links) und der Langerweher Tom Mirbach spielen eher selten Schach von Angesicht zu Angesicht. Ihre Leidenschaft heißt Fernschach. Foto: Röber

Düren/Langerwehe. Derzeit läuft eine Partie gegen die Niederlande, zeitgleich gegen Brasilien, die USA, Peru, Lettland und die kanarischen Inseln. Und das sind längst nicht alle Ländervergleiche, bei denen der Arnoldsweiler Rudolf Rohs und Tom Mirbach aus Langerwehe ihre Finger im Spiel haben.

Sei es als Spieler oder vor allem als Organisatoren. Das Duo spielt Schach. Zumeist aber nicht von Angesicht zu Angesicht, sondern Fernschach. Und diese Variante hat eine ganze Menge Eigenheiten.

Tom Mirbach kennt die Vorurteile nur zu gut. Viele Jahre hat er Fußball gespielt. Wenn er gegenüber Mannschaftskollegen sein Hobby Schach erwähnte, erntete er nicht immer Zustimmung. Fernschach gar kannten viele erst gar nicht. Dabei ist der Deutsche Fernschachbund BdF (früher: Bund deutscher Fernschachfreunde) der mit weltweit den meisten Mitgliedern: 2500 Fernschachfreunde haben sich im BdF zusammengeschlossen. Zum Vergleich: Im Verband der USA sind es gerade einmal 1000.

Aber wie funktioniert Fernschach nun genau? Im Grunde ist es ganz einfach: Die Züge werden per Fax, E-Mail, Postkarte oder über einen Server ausgetauscht. Wie beim Nahschach gibt es auch bei der Fernvariante einen zeitlichen Rahmen, in dem Züge bei offiziellen Partien erfolgt sein müssen. „Bei Länderkämpfen legen wir meist einen Bedenkzeitrhythmus fest”, erklärt Rudolf Rohs. Zum Beispiel 50 Tage für zehn Züge. Gegner finden Interessierte etwa über die BdF-Homepage und die Verbandszeitschrift.

Es gibt wie in vielen anderen Sportarten auch Welt-, Europa- und Deutsche Meisterschaften. Nur eben nicht so häufig, schließlich dauern die Wettkämpfe mitunter etwas länger. Deutsche Meisterschaften gibt es alle drei Jahre.

Rohs, 52 Jahre alt, ist verantwortlich für die Länderkämpfe. Unter seiner Regie wurden in den vergangenen Wochen und Monaten zahlreiche Siege eingefahren, unter anderem gegen Brasilien und Schweden.

Tom Mirbach zählt mit seinen 41 Jahren gewissermaßen zu den Exoten unter den Fernschachexoten. Der Langerweher bevorzugt immer noch die Postvariante. „Die Tendenz geht klar zum Server, und irgendwann gibt es sicher keine Spieler mehr, die ihre Züge am liebsten per Postkarte tätigen.

So lange will ich das noch ausnutzen”, sagt Mirbach, der beim BdF für den gesamten Spielbetrieb verantwortlich ist und Team-Captain der deutschen Mannschaft beim Europameistertitel war. Oft spielt er bei solchen Vergleichen jedoch nicht mit. Neben seinem Beruf geht viel Zeit für die Vorstandsarbeit drauf. Drei bis vier Stunden täglich ist Mirbach für den BdF aktiv.

Über 5000 Postkarten

5000 bis 6000 Postkarten hat Mirbach inzwischen gesammelt. Eine Partie hat oft 40 bis 50 Züge, kann aber auch bis zu 100 Züge dauern. Da ist nicht nur Ausdauer gefragt, auch finanziell hat es das Hobby durchaus in sich. 75 Cent kostet eine Postkarte ins Ausland. Bei 100 Zügen ist er mit 75 Euro dabei. „Und dann gehen auch schon mal Postkarten verloren”, sagt Mirbach mit einem Lächeln.

Dennoch mag Tom Mirbach genau diese Art des Spiels. „Über einen Server ist es mir zu anonym”, sagt er. Er mag die persönliche Art der Konversation auf Postkarten und die verschiedenen Motive. Die längste Partie hat Mirbach vor etlichen Jahren gegen einen Kanadier ausgetragen. Viereinhalb Jahre dauerte dieses Spiel.

Neben all diesen Unwägbarkeiten, bietet die Männerdomäne Fernschach jedoch auch etliche Vorteile. So kann jeder Spieler ausgiebig über seine Züge nachdenken und Bücher und Informationen aus dem Internet zu Rate ziehen. Auch für Behinderte, die Haus oder Wohnung nicht (gut) verlassen können, ist Fernschach eine gute Alternative. Außerdem sind viele parallele Partien möglich. Mit Hilfe von Computerprogrammen oder Steckbrettern halten die Spieler nach, wie es gegen die verschiedenen Gegner derzeit aussieht.

Derzeit spielt Mirbach unter anderem gegen einen Russen. Ein Zug kann da auch schon mal sechs dauern. Vielleicht wackelt auch irgendwann sein Rekord. Gegen den russischen Gegner spielt Mirbach seit anderthalb Jahren.
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