Wenn die Mutter zum Pferd werden kann

Von: Sarah Maria Berners
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Fasziniert von chinesischen Ze
Fasziniert von chinesischen Zeichen: Philippe Derchain (v.l.), Wei Lin, Noah Kirsch und Jun Lin drücken auch samstags beim VHS-Kurs für Kinder die Schulbank, um von Lehrerin Wenqing Yang die komplizierte Sprache und deren Schrift zu lernen. Foto: Berners

Düren. Sie sind ziemlich kompliziert, diese chinesischen Zeichen und irgendwie bergen sie etwas geheimnisvolles. „Das ist wie eine Geheimsprache”, sagt Noah Kirsch. Und weil er die chinesischen Zeichen so spannend findet, hat er beschlossen, Chinesisch zu lernen.

Ein recht ungewöhnlicher Wunsch für einen Neunjährigen. Aber Philippe Derchain (9) ging es ähnlich. Er zeichnet gerne und irgendwann hat er am liebsten chinesische Zeichen gemalt. „Und dann wollte ich natürlich auch wissen, was sie bedeuten”, sagt er.

Von Kerpen zum Kurs

Die beiden Jungs haben sich im Chinesischkurs für Kinder bei der Dürener VHS kennengelernt. Dort drücken sie samstags freiwillig die Schulbank. Mit sechs anderen Kindern. „Ni hao”, begrüßen sie ihre Lehrerin Wenqing Yang.

„Zuerst”, erzählt Noahs Mutter, „habe ich es für eine vorübergehende Phase gehalten, als Noah ihr verkündete, er wolle Chinesisch lernen”. War es aber nicht. Seit einem Jahr fährt sie samstags mit Noah von Kerpen nach Düren, zum Chinesischkurs.

Sechs Tage Schule. „Ach was, sagt Noah. Das hier ist doch ein Hobby.” Und eine fremde Sprache lernen, kann ziemlich viel Spaß machen. Auch, weil manchmal sehr komische Fehler passieren. „Es gibt Wörter, die heißen übersetzt plötzlich etwas ganz anderes, wenn man nur ein kleines bisschen falsch macht”, erklärt Philippe. Das Wort ?ma, ergänzt Noah lachend, könne zum Beispiel Mutter oder Pferd bedeuten.

Im Chinesischen spielen Betonungen eine sehr große Bedeutung. „Die chinesische Sprache gehört zu einem ganz anderen Sprachsystem”, sagt Lehrerin Wenqing Jang, die hauptberuflich für eine Vettweißer Firma arbeitet. Wer Chinesisch sprechen will, muss sich ganz schön viel merken. Immer wieder ist die Lehrerin erstaunt, wie schnell Kinder die Sprache lernen würden.

Ziemlich gut sprechen können die Brüder Wei und Jun Lin die komplizierte Sprache schon, schließlich ist Chinesisch die Muttersprache ihrer Eltern und auch Zuhause wird immer wieder chinesisch gesprochen. Warum sie trotzdem samstags die Schulbank drücken?

„Es ist doch wichtig, dass wir die chinesischen Zeichen lernen”, sagt Wei. „Schließlich wollen wir auch schreiben können.” Dann schaut er wieder konzentriert auf sein Blatt mit den vielen kleinen Kästchen und schreibt ab, was die Lehrerin an die Tafel geschrieben hat. Gar nicht so einfach, diese vielen Striche in die richtige Position zu bringen.

Spielerisch lernen Noah, Wei, Philippe, Jun, Vanessa - auch ihre Mutter ist Chinesin - und die anderen Kinder neue Wörter und sogar etwas Grammatik. Sie können sich schon ein kleines bisschen unterhalten, kennen die Namen von Obstsorten und Tieren und ein Geburtstagslied singen können sich auf Chinesisch auch schon. „Es ist wirklich erstaunlich, was Kinder für eine Auffassungsgabe haben”, sagt Philippes Mutter Jutta Robens.

Die Mütter freuen sich über das außergewöhnliche Hobby ihrer Söhne. „Für die Zukunft kann es nicht schaden, Chinesisch sprechen zu können”, sagt Noahs Mutter. Die Wirtschaftsbeziehungen mit dem asiatischen Land hätten schließlich Zukunft. Noah und Philippe denken daran noch nicht. Nach China fahren würden sie aber gerne. Schließlich gibt es da überall chinesische Zeichen.

Ihre Lehrerin Wenqing Yang hat diesen „positiven Nebeneffekt” sehr wohl im Auge. Deswegen will sie den den Kindern nicht nur die Sprache nahe bringen. „Ich möchte den Kindern auch die chinesische Kultur erklären.” Die Mentalität und die Gewohnheiten seien in China eben ganz anders. „Aber wir leben in einer Welt, die immer internationaler wird.

Da ist es wichtig, dass Kinder viele andere Kulturen kennenlernen”, sagt die junge Asiatin. Und im Kindesalter sei man für Sprache und Kultur noch sehr offen. „Zai jian”, rufen Noah, Wei, Philippe, Jun, Vanessa und die anderen Kinder, als sie gemeinsam die Klasse verlassen. „Auf Wiedersehen.”
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