Wenn der Weg in die Heimat versperrt ist: Eine Asylbewerberin erzählt

Von: Stephan Johnen
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Derzeit sind nach Schätzungen der UN-Flüchtlingshilfe weltweit fast 51,2 Millionen Menschen auf der Flucht. Foto: Stock/Xinhua
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Suad Kasim (2. von rechts) hat ihre Flucht aus Syrien nach Düren geführt. Im Café International wird sie von Parrie Kadir, Claudia Hoffmann und Frank Kreß (von links) beraten. Foto: sj

Düren. „Es gibt Tage, an denen möchte ich am liebsten zurück in meine Heimat“, sagt Suad Kasim. Dann hat sie das Warten satt, das Leben in einem Übergangsheim, die Ungewissheit, ob ihr überhaupt Asyl gewährt wird. Doch der Weg zurück in die Heimat ist für sie versperrt, bei einer Rückkehr in den Irak sieht sie ihr Leben in Gefahr.

Seit einem Jahr lebt Suad Kasim in Düren. Ihre Flucht hat sie nach Deutschland geführt. „Ich hatte eine Arbeit, ein Haus, ein Leben“, blickt die 48-Jährige zurück. Jetzt hat sie nur einen Wunsch: Eine Chance zu bekommen, ein neues Leben aufzubauen.

Irak, Syrien, Düren

Zwei Mal schon musste Suad Kasim fliehen. Sieben Jahre lang lebte sie in Syrien, obwohl sie Irakerin ist. Nach dem Sturz Saddam Husseins sah sich die Frau, die als Beamtin in der irakischen Schulverwaltung tätig war, Verfolgungen ausgesetzt. „In Syrien habe ich einen kleinen Laden aufgebaut“, sagt sie. Doch der Neuanfang endete abrupt mit Ausbruch des Bürgerkriegs. Erneut musste sie flüchten, beinahe alles zurücklassen.

„Die meisten Flüchtlinge werden aus einem funktionierenden wirtschaftlichen Zusammenhang herausgerissen. Eine Flucht ist sehr oft auch ein gesellschaftlicher Abstieg“, sagt Frank Kreß, Leiter des Zentrums für Sozial- und Migrationsberatung der Evangelischen Gemeinde. Er und sein Team versuchen, Menschen wie Suad Kasim zu helfen, sich im neuen Umfeld sozial und auch mit Blick auf Behördengänge zurechtzufinden (Infokasten). Die Mitarbeiter vermitteln auch Kontakte zu anderen Hilfseinrichtungen, beispielsweise wenn Flüchtlinge traumatisiert sind.

Wenn das Team mit Hilfe von Ehrenamtlichen Sprachkurse für Frauen anbietet, tut es ganz bewusst mehr, als der Gesetzgeber vorsieht. „Wenn wir das nicht tun, vergeben wir Chancen“, ist Frank Kreß überzeugt. Neben einer rechtlichen Verpflichtung gebe es auch eine soziale, mehr für Menschen zu unternehmen, die vor Verfolgung und Unterdrückung geflohen sind.

Letztlich sei es auch eine wirtschaftliche Frage, ob es sich eine Gesellschaft leisten könne, viel Potenzial ungenutzt zu lassen. „Arbeit ist ein Menschenrecht“, fordert Claudia Hoffmann von der Evangelischen Gemeinde eine deutliche Erweiterung der Arbeitsrechte für Asylbewerber und einen ganz frühen Start von Integrationsmaßnahmen schon während des Prüfverfahrens. An einem der Grundprobleme habe auch eine Beschleunigung dieses Verfahrens nichts geändert. Die verkürzte Bearbeitungszeit von Asylanträgen führe eher dazu, dass vorrangig Menschen aus sicheren Drittländern, die keinen Anspruch auf Asyl haben, abgeschoben werden. „Die Menschen, die auf der Flucht sind und sich bei uns integrieren möchten, lassen wir warten“, bilanziert Frank Kreß. „Die Asylbewerber sprechen unsere Sprache nicht, sie haben aber kein Anrecht auf Sprachkurse, sie werden beruflich nicht eingebunden – das wirkt alles eher demotivierend.“ Je mehr Menschen weltweit auf der Flucht seien, desto schneller müsse eine Antwort auf die Frage gefunden werden, wie man diese Menschen „nicht auf dem Weg verliert“.

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