Wenn der Spaß am Spiel zur Kostenfalle wird

Von: Hendrik Buch
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Kostenfrei? Wenn es in Spielen wie „Candy Crush Saga“ nicht weitergeht, kann man den Erfolg mit einem Einkauf im App-Store beschleunigen. Dagegen kann man sich schützen. Foto: dpa
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Hätten auch im Spiel lieber echtes Geld in der Hand: Hildegard Dapper (links) und Yvonne Fuchs von der Verbraucherzentrale. Foto: Buch

Düren. Eine Zivilisation aufbauen, eine Armee befehligen, Süßigkeiten zerstören oder Pokemon jagen: Die Rollen, in die Spieler auf ihren Handys und Tablets schlüpfen können, sind vielfältig. Groß ist auch das Angebot an Spielen, und kostenlos – so steht es zumindest im App-Store.

„Was sich aber genau hinter dem Begriff ‚kostenlos‘ verbirgt, wird kaum kommuniziert“, klagt Yvonne Fuchs von der Verbraucherzentrale NRW in Düren. Zum diesjährigen Weltverbrauchertag hat man sich dort des Themas angenommen.

Einmal im Spiel angekommen, warten zahlreiche kostenpflichtige Angebote auf die Nutzer. Die Bezahlinhalte präsentieren sich im ersten Moment gerne als leicht verzichtbar. Je weiter man aber im Spiel fortschreitet, desto größer wird oft auch das Hemmnis für die Nichtzahler – denn die Wartezeiten steigen. „Spielen macht uns, unabhängig vom Alter, zum Glück ja Spaß“, hat Hildegard Dapper auch selbst im Eigenversuch festgestellt.

In Vorbereitung auf das Thema hat die Dürener Verbraucherschützerin sich das beliebte Spiel „Candy Crush Saga“ heruntergeladen und abends auf der Couch fleißig Süßigkeiten zerstört. „Ich bin mittlerweile soweit, dass ich einen Tag warten muss, um neue Level zu spielen“, berichtet sie, „oder ich zahle.“

Ob man die Zusatzinhalte nun erwirbt oder nicht ist natürlich letztlich der Mündigkeit des Einzelnen überlassen, könnte man meinen. „Ganz so unkritisch sehen wir das aber nicht“, sagt Fuchs. Einerseits weisen sie auf die Problematik für Jugendliche hin, andererseits bemängeln sie ganz generell die Transparenz. „Zum einen sollte man vorher wissen, worauf man sich einlässt“, fordert Fuchs.

Konkret schweben der Verbraucherzentrale genaue Preisverzeichnisse vor, mit denen Nutzer beim Herunterladen der „kostenlosen“ Inhalte konfrontiert werden. „Zum anderen sollten die Preise im Spiel in echter Währung angezeigt werden“, legt sie nach. Derzeit bedienen sich die Spieleentwickler gerne Diamanten, Leben oder Talern. Manchmal sind es mehrere Zweitwährungen auf einmal pro Spiel. „Dadurch werden die tatsächlichen Kosten verschleiert“, vermuten die Verbraucherschützer.

Passwort für Käufe

Dies zu ändern, unterliegt der politischen Regulierung. Den Spielern an Handy und Tablet empfehlen sie kurzfristig, die In-App-Käufe mit einem Passwort zu schützen. Dies ist über die Einstellungen der App-Stores möglich. Gerade den Eltern raten sie: „Wenn man die In-App-Käufe nicht generell verbieten möchte, sollte man die Kostenkontrolle stärken.“ Dazu kann man Zahlungen über den Handyvertrag und die Kreditkarte komplett ausschließen und stattdessen Prepaidkarten für die App-Stores im Einzelhandel kaufen.

Hildegard Dapper plant, mit der Süßigkeitenjagd nun wieder aufzuhören und ihre Abende wieder anderen Dingen zu widmen. Wer nicht ganz auf das Spielen verzichten möchte und in die In-App-Falle tritt, findet bei der Verbraucherzentrale Düren am Kaiserplatz Hilfe. „Widerspruch gegen getätigte Käufe ist zwar generell schwierig, gerade in den ersten 48 Stunden nach dem Kauf haben wir aber oft gute Chancen“, macht Fuchs betroffenen Spielern Mut.

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