Wenn aus dem Dunkeln ein Zug auftaucht

Von: Jörg Abels
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Mit ihrem Rechtsanwalt Gunther Lorbach (2.v.l.) fordern die Betroffenen der beiden Unfälle weitergehende Sicherungsmaßnahmen am bislang unbeschrankten Bahnübergang der Börderbahnstrecke bei Bubenheim. Foto: Abels

Bubenheim. Die Nachricht vom Zusammenstoß eines Pkw mit einem Güterzug am unbeschränkten Bahnübergang der Bördebahnstrecke Düren-Euskirchen mit der L327 in Höhe Bubenheim in der vergangenen Woche kam für den Dürener Rechtsanwalt Gunther Lorbach alles andere als überraschend.

„Es war nur eine Frage der Zeit, bis es hier wieder zu einem folgenschweren Unfall kommen würde”, ärgert sich der Advokat. Er vertritt nicht nur die Fahrerin aus dem aktuellen Fall, sondern auch die 27-jährige Jennifer Kuck, die vor zwei Jahren an gleicher Stelle vom letzten Waggon eines Güterzugs erfasst, rund 100 Meter mitgezogen wurde, ohne dass es Zugführer- und begleiter bemerkten, und schwere Verletzungen erlitt.

„Ich habe den Zug damals so spät gesehen, dass ich nur noch das Lenkrad herumreißen konnte”, erinnert sich die Nörvenicherin nur ungern an den dunklen und diesigen Dezembermorgen vor zwei Jahren. Eine Zeugin gab damals zu Protokoll, von einem plötzlich aus dem Nichts auftauchenden Schatten überrascht worden zu sein, ohne dass ein Lichtschein den Zug angekündigt hätte. Im aktuellen Fall sei es ähnlich gewesen, erklärt Lorbach. Seine Mandantin habe die unbeladenen und damit recht flachen Güterwaggons erst bemerkt, als es zu spät war und sie frontal gegen den Zug gefahren war. Zum Glück blieb sie unverletzt.

„Bei Dunkelheit ist der Bahnübergang einfach nicht überschaubar”, nennt Lorbach einen Grund für seine Forderung nach weitergehenden Sicherungsmaßnahmen. „Den wenigsten Verkehrsteilnehmern ist zudem bewusst, dass auf der Bahnstrecke überhaupt noch Züge fahren.” Mit Zugverkehr spät abends oder früh morgens bei Dunkelheit rechne daher niemand.

Tatsächlich aber finden auf der Strecke nicht nur Sonderfahrten der Bördebahn statt, sondern nach Angaben der Rurtalbahn zurzeit auch dreimal wöchentlich Güterzugfahrten von Düren nach Euskirchen und zurück. Für diesen geringen Verkehr reiche die vorhandene Sicherung als unbeschrankter Bahnübergang aus, erklärte Ewald Pohé, Abteilungsleiter Infrastruktur der zuständigen Rurtalbahn.

„Leider aber ist die Bedeutung des Andreaskreuzes vielen Autofahrern nicht mehr bewusst”, verweist Pohé darauf, dass sich Verkehrsteilnehmer vorsichtig einem unbeschrankten Bahnübergang annähern und dem Schienenverkehr Vorrang gewähren müssen. Zudem betont er, dass Zugbegleiter an jedem unbeschrankten Bahnübergang absteigen und den Verkehr so lange anhalten, bis die Lokomotive die andere Straßenseite erreicht hat, ehe sie wieder aufsteigen. „Das ist das gängige Verfahren für Strecken, die nicht regelmäßig befahren werden”, erklärt Pohé.

Für Rechtsanwalt Lorbach ist das eindeutig zu wenig. „Beim jüngsten Vorfall war der Zug gut 480 Meter lang. Während also dieser lange Zug langsam den Bahnübergang passiert, werden Verkehrsteilnehmer nicht gewarnt. Bei Helligkeit mag dies noch vertretbar sein, nicht jedoch bei Dunkelheit und einem derart abgelegenen und unbeleuchteten Bahnübergang wie dem bei Bubenheim.” Für Lorbach steht deshalb fest: Die Rurtalbahn muss auf der gesamten Strecke, die noch weitere unbeschrankte Bahnübergänge zählt, mehr in die Sicherheit investieren. Wäre in Bubenheim nach dem ersten Unfall schon ein Blinklicht installiert worden, hätte der jetzige Fall vermieden werden können.

Zur Frage notwendiger Investitionen in die Sicherheitstechnik machte die Rurtalbahn am Dienstag mit Blick auf die beiden schwebenden Verfahren keine Angaben. Die noch anhängige Schadenersatzklage von Jennifer Kuck wird in der kommenden Woche vor dem Aachener Landgericht verhandelt.
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