Wendelin Haverkamp im Komm: Poetische Tiefe, geistige Höhenflüge

Von: Hannes Schmitz
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Servierte im Komm-Zentrum eine
Servierte im Komm-Zentrum eine Mischung aus intelligenten Inhalten und Albernheiten: Kabarettist Wendelin Haverkamp. Foto: Schmitz

Düren. Hirn traf Bauchfell. Der Aachener Kabarettist Wendelin Haverkamp schaffte im Dürener Komm („ein schöner Raum, eine schöne Stadt”, wie er süffisant bemerkte) einen gelungenen Spagat zwischen intelligenten Inhalten und Albernheiten.

Sprachsatire und Klamauk wirbelten durch den Kellerraum, Erkenntnisse und Banalitäten prallten auf die Zuschauer. Sie lauschten gebannt einem Mann der leisen Töne, einem Literaturkabarettisten und Wortakrobaten, der mit seinem aktuellen Programm „Alles muss man zweimal sagen” das Publikum begeisterte.

Geistigen Höhenflügen folgte die „poetische Tiefe” , als er über den Begriff „Wrack- Zerstörung oder Neuanfang” sinnierte, sich Gedanken über Margot Käsmanns „Kindergarten-Pazifismus” machte oder staunend feststellte: „Wir standen vor Bouillon und hatten keine Löffel”. Da wurde die Finanzkrise wirtschaftlich und altersgemäß betrachtet - „da tun sich Löcher auf und Blasen platzen”-, da wurde das Absurde zur Normalität.

„Der Arzt zum Patienten: Hatten Sie das schon mal? Ja! Arzt: Dann haben Sie es wieder!” Und auf diesem Niveau erklärte Haverkamp komplexe Zusammenhänge wissenschaftlicher Themen, forderte vergnügt sein Publikum. „Reden wir über Teilchentheorie. Sie kennen das, Sonntagnachmittag, nichts bewegt sich, aber die Teilchen rasen über den Tisch.”

Ein Horror sind dem Protagonisten wohl die Nordic Walker. Seiner Meinung nach Leute, „die es kaum erwarten können, bis sie endlich ihr Gehwägelchen kriegen”. Konter aus dem Publikum und ein baff erstaunter Kabarettist: „Die können damit aber dann auch umgehen”.

Themenwechsel: Einfallsreich glitt haverkamp „in das Cyberspace der technischen Revolutionen”, textete das Publikum mit Fachbegriffen zu, das erst wieder zu Atem kam, als er scheinheilig feststellte: „Kein Netz zu haben, ist heute doch schlimmer als kein Stuhl.” Vom selbigen aus erregte sich Wendelin Haverkamp über die gegenwärtige Bildungspolitik. Bildungsabbau werde getarnt durch sogenannte „Entschlackungsprozesse”.

Mit „möglichst wenig Input einen maximalen Output zu simulieren” beschrieb er die Vorgänge mit Hilfe seiner Paradefigur dem „Edukator Anton Hinlegen” und kam zu einer erstaunlichen Folgerung: „Muss ein Handchirurg wissen, wo der Blinddarm ist? Der verliert doch nur die Orientierung.”

Sein allgemeines Fazit, „nach dem man Inhalte reduziert, um Lehrpläne zu entschlacken”: „Wer Blödheit säht, wird Idioten ernten”. Ihr Fett weg bekamen auch die Medien. Kopfschütteln über so manchen Satzaufbau der „Entschlackungsavantgarde”.

Wendelin Haverkamp schwebte aber nicht nur in geistigen Sphären, sondern ließ auch Klamauk zu, der das Bauchfell strapazierte. Dem intellektuellen Lächeln folgte der Schenkelklopfer, als er über den „rätselhaften Ausdruck ?Zwischen den Jahren nachdachte, ein wichtiger Ausflugstermin für die Lehrer, schoss er eine erste Salve humoristischer Pfeile ab.

Ganz nach dem Geschmack der Zuhörer, deren Lachen fast ungestüm wurde, als der Kabarettist und Musiker seine Aufmerksamkeit einem Lehrerkollegium zuwand, den Gebrauch von „falschen Fremdwörtern” durch einen Sportlehrer, der Rekorde „ondulieren” statt annullieren wollte, auf die Schippe nahm und der fürchtete, dass die Schüler „kollaborieren”, wenn sie im Sport zu hart herangenommen werden.

Eine Nonsens-Eskapade über einstige Bundesjugendspiele floss ins Programm ein sowie ein Beitrag über einen Monsignore bei einem Sportfest und die Rolle der Ananas-Bowle für den Geistlichen mit anschließend schwerer Sprache.

Eine Überraschung hatte Wendelin Haverkamp für sein Auditorium im ausverkauften Komm. Er outete sich als „Gung-Anhänger”. Ein Tipp für das kunstinteressierte Publikum, dass meistens nicht auf sportlichen Pfaden wandelt. „Gung” komme aus dem Chinesischen, verklickerte er den Zuschauer und stellte in verkürzter Form den asiatischen Begriff „Be-we-gung” da. Zeit dafür hatten die Besucher nach der Vorstellung dar. Ausgiebiges Händeklatschen für einen gelungenen Abend und die Erkenntnis, dass „nichts hinterher klarer ist, aber alles ist anders”.
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