Kreis Düren - Weltspartag: Für Kinder ist ein Schatz aus Stein Gold wert

Weltspartag: Für Kinder ist ein Schatz aus Stein Gold wert

Von: Sarah Maria Berners und Stephan Johnen
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Solide Anlage: Am Mittwoch ist Weltspartag, er wird seit 1924 begangen. Foto: dpa

Kreis Düren. „Kinder fühlen sich auch dann reich, wenn sie eine Kiste voller Steine vor sich haben“, sagt Susanne Kempen, die Leiterin der Kita „Rurpiraten“ in Üdingen. Und die Kleinen horten ihre Schätze hingebungsvoll. Ein paar funkelnde Centstücke haben für sie einen größeren Wert als ein Zehn-Euro-Schein. „Kinder wissen, dass Erwachsenen Geld wichtig ist, dessen Wert können sie aber noch nicht ermessen.“

Das Sparen spielt im Kindergarten trotzdem eine große Rolle – aber auf einer ganz anderen Ebene. „Wir sparen Ressourcen“, erklärt Susanne Kempen.

Wasser darf in der Kita nicht vergeudet werden, wer mit Papier bastelt, schneidet nur so viel ab, wie er verwenden kann, damit die anderen Kinder auch noch etwas haben. „Es geht um eine grundlegende Haltung. Darum, Dinge schätzen zu lernen, sie nicht zu verschwenden“, betont Susanne Kempen. Und diese Haltung könnten Kinder später – in der Grundschule, wenn sie Rechnen lernen – auch auf das Geld übertragen.

„In vielen Familien wird zu wenig über Geld gesprochen“, hat Dietlinde Folger-Kastrau von der Schulden- und Insolvenzberatung der Evangelischen Gemeinde zu Düren beobachtet. Generell verzeichnen Beratungsstellen einen Anstieg bei der Zahl der überschuldeten Schüler, Azubis und Studenten – auf einem noch niedrigen Niveau, aber mit deutlichen Zuwachsraten.

„Sparen ist in allen Altersgruppen wenig populär“, sagt die Expertin. Entweder fehle aufgrund des niedrigen Einkommens das Geld dafür, oder die Zinserträge werden als unattraktiv eingeschätzt. Gleichzeitig verlocke die Werbung zu einem größeren Konsum, die Finanzierungsangebote gebe es als Kaufanreiz gleich dazu. Die Schuldenberatung will mit Präventionsangeboten schon frühzeitig gegensteuern. Die eigenen Bedürfnisse sollen hinterfragt, das Konsumverhalten soll an das Einkommen angepasst werden.

Auch Beate Rieck von der Sparkasse Düren findet es wichtig, Sparen in der Familie zum Thema zu machen. „Wir haben viele emsige Kleinsparer“, weiß Beate Rieck zu berichten. Manche könnten mit dem Kopf kaum über den Tresen gucken und seien unendlich stolz, wenn sie ihr rappelvolles Sparschwein abgeben und dann 17,20 Euro aufs Sparbüchlein einzahlen können. „Dann kann man sich später etwas Tolles kaufen“, würden manche Kinder erklären.

Sparen und Warten würden damit auch eine Wertschätzung für Objekte bewirken. Um später etwas anzuschaffen, legten auch viele junge Erwachsene Geld beiseite – sei es für eine Immobilie, ein Auto oder, was immer mehr an Bedeutung gewinne, für das Alter. Vielen sei es zudem wichtig, Geld für einen Notfall in der Hinterhand zu haben. „Ältere Menschen sparen oft aus Gewohnheit und zeigen eine kluge Budgetplanung, um Ölrechnungen und Versicherungskosten zu begleichen“, erklärt Rieck.

„Meine Generation ist von der Kriegs- und Nachkriegszeit geprägt“, spricht Hilde Krein aus Düren über ihre Haltung zum Geld. „Mir ist stets vorgelebt worden, sparsam zu sein“, sagt die 83-Jährige. In den Jahren der Jugend und als junge Erwachsene sei es gar nicht nötig gewesen, sich über das Geldausgeben allzu große Gedanken zu machen. „Es gab ja ohnehin nur das Nötigste.“ Von dieser Zeit sei sie nach wie vor geprägt, aber es habe sich etwas in der Einstellung zum Sparen gewandelt, es gebe einen zweiten Gedanken: „Tu dir auch mal etwas Gutes, gönn dir mal etwas!“

Der Blick auf die Zahlen ist für Klaus Kowalke Berufsalltag. „Wir sparen, wo wir nur können“, sagt der Kämmerer der Gemeinde Hürtgenwald. „Wir haben alle Glühbirnen gegen Energiesparlampen getauscht“, nennt er ein Beispiel. Klaus Kowalke spricht an dieser Stelle als Privatmann. Wichtig sei es auch, immer etwas auf der hohen Kante zu haben, findet er. „Diesen Gedanken teilt auch die nächste Generation“, sagt er mit Blick auf seine Kinder. Gut möglich, dass das Sparen eine Renaissance erlebe. „Auch der Aspekt der Vorsorge wird immer wichtiger.“

Im Privatleben falle es mit den Spar-Beschlüssen womöglich etwas leichter als auf Gemeindeebene, findet Kowalke. Die Kämmerei mache immer „viele Vorschläge“, die Entscheidungen treffe die Politik. Auch wenn aus Sicht des Kämmerers der Länder-Finanzausgleich auf den Prüfstand gehöre, sei es wichtig, auf kommunaler Ebene das Sparen nicht aus den Augen zu verlieren.

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