Weltputzfrauentag: „Klobürsten sind keine Dekoartikel”

Von: Sarah Maria Berners
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„Mein Job ist sicher: Dreck g
„Mein Job ist sicher: Dreck gibt es immer”, sagt Vincenzo Orifici. Foto: smb

Düren. „Manche Menschen behandeln uns von oben herab, andere erkennen unsere Arbeit an”, sagt Margarete Clemens und fügt lächelnd hinzu: „Aber wenn wir nicht da wären, hätten sie alle ein Problem.” Margarete Clemens ist Putzfrau. Sie nennt sich selbst so.

Die Bezeichnung stört die 57-Jährige und ihre Kollegin Heidi Weber (47) überhaupt nicht. „Wir sind Frauen und wir putzen”, sagen sie. „Da passt das doch.” Ihr Chef Erich Peterhoff sieht das ein bisschen anders. Er bevorzugt die Bezeichnungen Raumpflegerinnen und Reinigungskräfte.

Manchmal sind die Frauen und Männer der Reinigungsfirma Heinzelmänner und Feen, die niemand zu Gesicht bekommt, in manchen Objekten begegnen sie denen, deren Dreck sie wegmachen. Das sind Begegnungen, die Margarete Clemens auch schon mal nutzt, um die Menschen auf Fehlverhalten aufmerksam zu machen. „Man muss Teebeutel ja nicht durch den Raum tropfen lassen oder Damenbinden in den Papierkorb stecken”, sagt sie. „Und übrigens: Klobürsten sind keine Deko.”

Wenn sich die Menschen an solche vermeintlichen Selbstverständlichkeiten halten würden, könnte das dem Reinigungspersonal die Arbeit erleichtern. Das Wissen, dass eine Reinigungskolonne komme, lasse manchen nachlässig werden. „Die Bequemlichkeit anderer macht meinen Mitarbeitern das Leben schwer”, gibt Peterhoff zu bedenken.

Dabei sind Jobs in der Gebäudereinigung ohnehin Knochenjobs, das trifft für die Reinigungskräfte in Büros ebenso zu wie auf die spezialisierten OP-Kräfte, Fensterputzer & Co.: Häufiges Bücken, Leiter rauf, Leiter runter, Mülleimer leeren, Wassereimer schleppen, Teppiche tragen, Zeitdruck.

„Mir macht es trotzdem Spaß”, sagt Vincenzo Orifici. Er weiß, dass manche, vor allem junge Kollegen sich schämen, Gebäudereiniger zu sein. „Ich aber bin stolz darauf”, sagt der 21-Jährige, der in diesem Jahr seine Ausbildung abgeschlossen hat. Die Gebäudereinigung sei ein Handwerksberuf, für den man viel wissen müsse, zum Beispiel über Reinigungs-Chemie und Umweltschutz, und in dem man Verantwortung trage. „Außerdem ist es ein gutes Gefühl, wenn man einen Raum verlässt und dem Kunden zeigen kann, das die hartnäckigen Flecken im Teppich jetzt nicht mehr zu sehen sind.” Orificis Begeisterung wirkt sich auch auf die Qualität seiner Arbeit aus.

Bei den Auszubildenden war er NRW-Landesbester, im Bundes-Leistungswettbewerb hat er es auf Platz 4 geschafft. Zu seinen Aufgaben gehört es zum Beispiel auch, Decken in Industriehallen von Fett zu befreien. Im Wettbewerb musste unter anderem einen S-Bahn-Waggon von Graffitis befreien. Schon als 16-Jähriger hat er bei der „gepe Gebäudedienste Peterhoff” gejobbt, sein Vater arbeitete dort. Nach seiner Ausbildung als Gas- und Wasserinstallateur entschied er sich doch für die Gebäudereinigung. „Der Job ist außerdem krisensicher”, sagt Vincenzo Orifici augenzwinkernd, denn: „Dreck gibt es immer.”

„Nicht alle Mitarbeiter entscheiden sich so bewusst für diesen Beruf”, weiß Peterhoff. Er sei entgegen dem Image für viele aber auch nicht die letzte Alternative und eine Notlösung. Die Gebäudereinigung biete gute Möglichkeiten für Teilzeitarbeit und sei bei Frauen, die nach der Familienphase wieder tätig werden wollen, beliebt.

Für Margarete Clemens zum Beispiel war es damals, 1974, hilfreich, nur stundenweise zu arbeiten. Als alleinerziehende Mutter konnte sie ihre Tochter dann für ein paar Stunden zur Oma bringen. „Ich hab meine Arbeit eigentlich immer gerne gemacht.” Anfangs hat es sie allerdings aufgeregt, dass so schnell wieder Tapse auf dem Boden zu sehen waren. „Aber so ist das nun mal”, sagt sie heute.

Wer putzt, muss flexibel sein, dann arbeiten, wenn andere noch nicht oder nicht mehr schuften müssen. Früh und spät.

Heidi Weber hat mit dem Wischmopp am frühen Morgen sogar schon mal einen Einbrecher vertrieben. „Erst als die Polizei mit mir sprach, habe ich gemerkt, wie riskant das wohl gewesen ist”, sagt sie. Damit kommt sie der Krimifigur Karo Rutkowski, auf die der Weltputzfrauentag zurück geht, schon ziemlich nahe. Manchmal werden die Reinigungskräfte aber auch zu Verdächtigen. „Wenn was wegkommt, fällt der Verdacht häufig zuerst auf uns”, kritisiert Margarete Clemens.

Wenn es ums Danken geht, steht das Reinigungspersonal nicht immer an erster Stelle. Aber manchmal steht Weihnachten plötzlich ein Päckchen im Waschbecken.

Am Mittwoch wird zum siebten Mal der Weltputzfrauentag begangen. Die Autorin Gesine Schulz führte den Aktionstag 2004 ein. Sie legte ihn auf den Geburtstag ihrer Krimifigur Karo Rutkowsky - einer Putzfrau, die Räume reinigt und gleichzeitig als Privatdetektivin Mordfälle löst. Der Aktionstag fordert mehr Respekt vor Reinigungskräften.

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