Düren - Weltmännertag: Zwei Krankenpfleger wünschen sich mehr Anerkennung

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Weltmännertag: Zwei Krankenpfleger wünschen sich mehr Anerkennung

Von: Sarah Maria Berners
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Er war Pflasterer und später
Er war Pflasterer und später Zeitsoldat auf der Gorch Fock, aber dann ist Ronny Helfer Krankenpfleger geworden. „Und diese Entscheidung habe ich nie bereut”, sagt der 35-Jährige. Foto: Berners

Düren. Der Mann ist immer der Doktor. So zumindest hat es sich in vielen Köpfen festgesetzt - aus Zeiten noch, in denen meist Nonnen die Patienten pflegten. „Wir Krankenpfleger müssen uns häufig erklären”, erzählt Ronny Helfer (35). Das liegt wohl daran, dass es nur wenige von ihnen gibt.

„Zu wenige”, finden Helfer und sein Kollege Hermann-Josef Mentgen (52), die im Krankenhaus Düren arbeiten. Statistiker sprechen von 90 Prozent Frauenanteil im Pflegebereich, im Gesundheitssektor insgesamt sollen es 70 Prozent sein.

Männer sind schwer für den Pflegeberuf zu begeistern. „Das hängt mit dem mangelnden gesellschaftlichen Ansehen zusammen”, sagt Mentgen. Viele würden den Beruf unterschätzen, wüssten nicht, welche Qualifizierung dahinter steckt. „Und dann spielen natürlich auch die Verdienstmöglichkeiten eine Rolle”, ergänzt Helfer. Und wenn Männer sich trotzdem für den Beruf entscheiden, arbeiten sie später meist auf der Intensivstation oder in der Notaufnahme; aber nur selten auf den anderen Stationen. Die sind in weiblichen Händen.

„Frauen haben ein sehr hohes empathisches Empfinden, sie spüren mehr, hören mehr Zwischentöne”, schildert Mentgen. Männer hingegen würden oftmals zielgerichteter arbeiteten, seien weniger emotional und schreckten weniger vor Konfrontationen zurück. „Ein gutes Team ist ausgewogen, und dafür braucht man beide Geschlechter”, sagt der Krankenpfleger.

Ronny Helfer hat früher ziemlich „männliche” Berufe ausgeübt. Von sich selbst sagt er, dass er ein „typischer Kerl” gewesen sei, der über einen Beruf im sozialen Bereich nie nachgedacht habe. Nach der Schule machte er eine Ausbildung zum Pflasterer und Straßenbauer, danach ging er als Zeitsoldat zur Marine und war drei Jahre lang auf der Gorch Fock unterwegs. Ein Sanitäter, den er dort kennenlernte, befand: „Du wärst der Richtige für einen Job in der Krankenpflege.” Er behielt Recht. Das wird deutlich, wenn man Ronny Helfer zuhört, wie er über seinen Beruf spricht. Er kommt gerne zur Arbeit. Dort ist er der Hahn im Korb. Vielmehr ist er einer von zwei Hähnen auf der Komfortstation, unter rund 20 Frauen. Er leitet diese Station.

„Dienender Charakter”

Ganz anders lief das bei Hermann-Josef Mentgen, damals, vor 30 Jahren. Ihm war immer klar, dass er einen sozialen Beruf ergreifen wollte. Es ist für ihn eine Bereicherung, die Menschen auf ihren teilweise recht schwierigen Wegen zu begleiten, sie zu unterstützen und manchen von ihnen - „auch das gehört dazu” - ein würdevolles Sterben zu ermöglichen. „Der Beruf hat dienenden Charakter, auch wenn das altmodisch klingt”, sagt er. Mentgen hat in einer Zeit seine Ausbildung gemacht, als die Männer auf den Stationen noch „Wärter” genannt wurden. Vor 30 Jahren war das. Heute ist er „Pain Nurse”, Schmerzpfleger sozusagen. Im Englischen gibt es mit „Nurse” nur ein Wort für beide Geschlechter im Pflegeberuf. Trotzdem haben viele bei dem Wort wohl das Bild einer Schwester mit Häubchen aus ihrem alten Englischbuch im Kopf.

Apropos Klischee: „Männer gehen erst zum Arzt, wenn es nicht mehr geht”, bestätigt Helfer aus Erfahrung das etablierte Bild. Frauen würden sich mehr um die Gesundheit kümmern - die eigene und die der anderen.

„Männer achten weniger auf sich”, ergänzt Mentgen. Und sie würden Beschwerden länger ignorieren. „Indianer kennen schließlich keinen Schmerz”, sagt der Schmerztherapeut augenzwinkernd. „Männer wollen stark sein. Aber das kann gefährlich sein.” Und so gibt er heute, am Weltmännertag, der das Gesundheitsbewusstsein stärken will, dem starken Geschlecht einen Rat mit auf den Weg: „Männer, achtet mehr auf Euch.” Und so manche Frau möchte hinzufügen: Oder hört ab und zu mal auf uns!
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