Weltkrieg in Volksempfängern

Von: Bruno Elberfeld
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Michael M. Lang referierte im Musiksaal des Stiftischen Gymnasiums über den Rundfunk im Dritten Reich. Foto: bel
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Michael M. Lang referierte im Musiksaal des Stiftischen Gymnasiums über den Rundfunk im Dritten Reich. Foto: Elberfeld

Düren. Auf einigen Tischen im Musiksaal des Stiftischen Gymnasiums wurden sie von den Besuchern begutachtet und teils fachmännisch kommentiert: Volksempfänger verschiedener Generationen, alle noch im Originalzustand. Das zumindest versicherte Michael M. Lang, Strafverteidiger aus Köln und seit mehr als drei Jahrzehnten auf der Suche nach Tonträgern wie Schellackplatten und Radiogeräten aus der Zeit des Dritten Reiches.

Der Rundfunk war zu dieser Zeit in Deutschland 1933 erst zehn Jahre alt. Die Technik steckte noch in den Kinderschuhen. Die Sender klammerten Politisches aus, weil man besonders radikalen Parteien von Rechts und Links keine Plattform für ihre Propaganda bieten wollte. Das war am 30. Januar 1933 vorbei, denn die Nazis hatten schnell erkannt, welches Propaganda-Potenzial in diesem neuen Medium steckte. 1928 war der erste Volksempfänger in Serie gegangen. Jahre später folgten technisch bessere Geräte.

Die Parole lautete bald: Rundfunk in jedes deutsche Heim! Debatten wurden direkt aus dem Berliner Reichstag gesendet. Schon der berüchtigte Fackelzug zur Machtübernahme Hitlers am 30. Januar 1933 wurde übertragen. Die Töne auf den Schellackplatten Michael M. Langs sprechen eine eindeutige Sprache. Bald gab es die „Stunde der Nation“ im ganzen Reich. Alle Sender schickten 60 Minuten lang dieselben Informationen durch den Äther. Pausenzeichen der Sendeanstalten wurden ebenfalls politisiert. „Der Rundfunk ist die achte Großmacht“, formulierte es Propagandaminister Josef Goebbels.

In den Betrieben wurden die Arbeiter mit Sendungen im Rundfunk gleichgeschaltet. Die Olympischen Spiele 1936 wurden in die ganze Welt übertragen. Deutschland gab sich staatstragend. Zwischenzeitlich wurde die Unterhaltung wieder favorisiert. Erst ab dem Einmarsch in Österreich 1938 gewann die Politik wieder die Oberhand.

Ausländische Sender verboten

Das „Heimholen“ der Ostmark und die Krise mit der Tschechoslowakei 1938/39 waren Anlässe, die Politisierung wieder hochzufahren. Schließlich der Beginn des Krieges in den Volksempfängern: 1. September 1939, Einmarsch in Polen. Rund um die Uhr sendete jetzt der „Großdeutsche Rundfunk“. Journalisten berichteten von den Kriegsschauplätzen, aus U-Booten, Flugzeugen, aus Panzern. Ab 1941 durften keine ausländischen Sender gehört werden. Konzentrationslager und Todesstrafen drohten.

Der Hauptgegner des deutschen Rundfunks war die BBC. Dieser britische Sender strahlte Nachrichten über ganz Europa aus. Von allen Fronten kamen „natürlich positive“ Nachrichten. Selbst nach der Schlacht um Stalingrad wurde bewusst falsch positiv berichtet. Die ausländischen Sender hielten dagegen.

Man versuchte sie zu stören, machte ihre Informationen unkenntlich. Interessant und bedrückend sind die Originaltöne der Schlacht um Berlin auf Schellack. Ein Journalist berichtet über einen Luftangriff der Amerikaner. Am 9. Mai 1945 tat der Großdeutsche Rundfunk die Kapitulation und sein eigenes Ende kund. „Seit Mitternacht schweigen an allen Fronten die Waffen“, verkündete der Sprecher.

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